Mittwoch, 24. August 2016 – JTL-Wawi vs. Odoo Teil 1

Ist es möglich zwei Anwendungen mit einander zu vergleichen? Ich will es jedenfalls versuchen. Dafür habe ich zwei Systeme aufgesetzt. Einen Server mit Ubuntu 14.04 LTS und Odoo und einen Server mit Windows Server 2016, SQL Server 2016 und JTL-Wawi. Anhand meines kleinen Migrationsprojekts vergebe ich die Wertungen + (gut), o (neutral) und – (schlecht). Ich habe an dieser Stelle keine Ahnung was herauskommen wird. Welches System wird wohl besser abschneiden.

JTLWawi_vs_Odoo

Installation

Die Dokumentation zur Installation von JTL-Wawi hat sich stark verbessert und auch Dummys sind in der Lage diese Warenwirtschaft samt SQL-Server Express auf einem Windows Client zu installieren. Die kostenlose Wawi herunterladen und sofern kein SQL-Server installiert ist, wird die Express-Version vom Installer nachgeladen und völlig automatisch installiert.

Wer sich an die offizielle Installationsanleitung für das ERP Odoo unter Ubuntu Server 14.04 LTS heranwagt, sollte eine Menge von Linux verstehen. Ansonsten kann die Installation auch mal schnell in einem nicht mehr funktionierenden System enden. Eine große Hilfe war hier für mich das Script von auf dem Blog von André Schenkels http://www.schenkels.nl/2015/09/odoo-v9-install-script-ubuntu-14-04/. Ohne diese Script hätte ich wohl bis heute keine funktionierende Odoo Installation.

Bei der Installation hat JTL-Wawi ganz klar die Nase vorne und gekommt ein (+) für die Installationsroutine. Hier kann Odoo nicht mithalten. Ohne das Script von André Schenkels hätte ich die Installation nicht hinbekommen und darum gibt es hier für Odoo ein (-).

Einrichtung Datenbank

Nach der Installation der Systeme und den Abhängigkeiten muss bei beiden Systemen eine neue Datenbank angelegt werden. Beide Systeme bringen hier eine Datenbankverwaltung mit, die auch in beiden Fällen sehr übersichtlich gestaltet ist. Bei der JTL-Wawi gibt es zudem noch die Möglichkeit über die Datenbankverwaltung diverse Administrative Aufgaben, wie die Sicherung der Datenbank durchzuführen. Dabei werden in der JTL-Datenbankverwaltung sogenannte Profile angelegt, über die dann die Verwaltung der dort angelegten Mandanten möglich ist. Für jeden Mandanten wird eine eigene Datenbank angelegt, aber nur im ersten Mandanten die Benutzerkonten für alle Mandanten in diesem Profil gespeichert. So ist es nicht möglich die Sicherung eines Mandanten 2 in den Mandanten 1 (eB-Standard) einzuspielen.

In Odoo wird ebenfalls für jeden Mandanten eine eigene Datenbank angelegt. Hier werden die Benutzerkonten der Anwender allerdings in dem jeweiligen Mandanten verwaltet, was es auch möglich macht einen Mandanten 2 zu sichern und auf einem anderen Server als Mandant 1 wieder herzustellen. Tools wie Datenbank bereinigen oder Datenbank reparieren fehlen in der Datenbankverwaltung von Odoo. Solche Aufgaben sollten eh von Fachleuten mit den entsprechenden Kenntnissen durchgeführt werden. Darum gibt es hier bei Odoo auch keinen Punktabzug.

Bei der Einrichtung der Datenbank kann diesmal Odoo mit einem Plus (+) punkten. Trotz aufwendiger Datenbankverwaltung reicht es bei JTL-Wawi nur zu einem Neutral (o).

Firmen- / E-Mail-Einstellungen

Nach dem Einrichten der Datenbank kommt Odoo sehr nackt daher. Da noch keine Apps installiert sind, gibt es auch nicht zu tun. Das ändert sich schlagartig mit dem Installieren der ersten App, mit der auch Apps installiert werden, die in direkter Abhängigkeit zur ausgewählten stehen. Das Dashboard unter dem Menüpunkt Einstellungen zeigt hier sehr schön, wie viele Apps installiert sind und wie hoch der Grad der Implementierung ist. Dabei hilft ein Assistent der einem durch die jeweiligen Implementierungsschritte führt und über dem jede einzelne Aufgabe auch als erledigt markiert werden kann. Bevor man mit der eigentlichen Implementierung anfängt sollte man jedoch vorher die entsprechenden Übersetzungen laden, Benutzer anlegen, den Benutzern Rechte zuweisen und unter Allgemeine Einstellungen die Unternehmensdaten konfigurieren, den Postausgangsserver und Posteingangserver einrichten und für die Migrationsphase den Export und Import von Daten erlauben. Für kleine Unternehmen dürfte hier noch die Integration der Google Cloud Dienste Drive und Kalender interessant sein. Positiv ist noch, das es die Möglichkeit gibt eine Datenbank mit Musterdaten zu befüllen. Hier kann man sich schon etwas mit dem System vertraut machen.

In der JTL-Wawi geht es etwas chaotischer zu. Nach der Installation wird man sofort mit der Konfiguration der Unternehmensdaten und des ersten Lagers konfrontiert. Anschließend sitzt man vor einer leeren Datenbank, die es zu befüllen gilt. Ein logischer Assistent, der den Anwender beim Einrichten der Warenwirtschaft unterstützt, fehlt völlig. Dafür gibt es bei der Erstkonfiguration gleich den Hinweis, ob man nicht einen Testshop bei JTL einrichten will. Bei den E-Mail-Einstellungen kann auch nur der Postausgangsserver für den Versand von E-Mails hinterlegt werden. Allerdings werden diese E-Mails dann nicht im Postausgangsorder des Mailservers gespeichert, wo sie eigentlich sein sollten. Ein Empfang von E-Mails mit der JTL-Wawi ist nicht möglich.

Beim Thema Firmen- / E-Mail-Einstellungen gehen die Punkte klar an Odoo. Hier überzeugt das bessere Konzept. Ein weiterer Pluspunkt für Odoo ist der integrierte Mail-Client mit dem nicht nur Mails versendet, sondern auch empfangen werden können. Also ein Plus (+) für Odoo und und ein Minus für JTL-Wawi (-)

Fazit nach den ersten drei überprüften Punkten.

Odoo konnte bei der Einrichtung der Datenbank und den Firmen- / E-Mail-Einstellungen klar vor der JTL-Wawi punkten. Einziges Manko bleibt die Installation von Odoo auf einem lokalen Server. Ich hätte hier auf die Cloud-Lösung verweisen können, hätte aber das Ergebnis unfair verfälscht. Klares Plus von der JTL-Wawi ist die kinderleichte Installationsroutine. Aber schon bei der Einrichtung der Datenbank und den Firmen- / E-Mail-Einstellungen zeigen sich Schwächen auf. Das gesendete E-Mails nicht direkt im entsprechenden Ordner des Mail-Accounts landen, ist ein No-go, was so nicht akzeptabel ist. Auch die undurchdachte und schlecht implementierte Rechteverwaltung für Benutzer stößt hier negativ auf. Das ich dem Administrator erst die Rechte für einen neu angelegten Mandanten übertragen muss, fällt da schon nicht mehr ins Gewicht. Unterm Strich kommt ein klarer 1:0 Sieg für Odoo nach der Installationsrunde heraus.

 

 

8 Gedanken zu „Mittwoch, 24. August 2016 – JTL-Wawi vs. Odoo Teil 1“

  1. Die Optimierungsmöglichkeiten der Datenbankverwaltung in JTL bzw. das Fehlen derselben in Odoo müsste ein – für Odoo geben. Auch wenn Optimierungen Profi-Angelegenheiten sind, wäre es schön, wenn Anwender bei langsamen DBs zumindest ein paar Performanceoptimierungen vornehmen könnten. Das ist ein klares + für JTL und ein klares – für Dingens.

    1. Normen, wenn Optimierungsbedarf an einer Datenbank vorliegt, gibt es nicht viele Gründe warum dies notwendig wird. Es sollte aber nicht die Aufgabe eines Anwenders sein, laufend Performance-Optimierungen an einer Datenbank durchzuführen. Vielleicht könnte es in diesem Fall daran liegen, dass alle Bilder auch in der Datenbank gespeichert werden und das macht eine Datenbank nur unnötig groß. Ich glaube da gibt es schon wieder massig Optimierungsbedarf seitens der Programmierer und nicht der Anwender. Also immer noch ein Plus für Odoo und ein fettes Minus für JTL. Sorry das sind die Fakten und das denke ich mir nicht aus.

  2. Ne sorry, das stimmt nicht. Eine Datenbank ist nicht ein Programm was man einfach installiert und dann Läuft. Eine Datenbank, damit diese auf Dauer gut läuft muss immer Gewartet werden, entweder Vollautomatisch, oder zumindest Manuell anstossbar.

    Es ist leider immer mal nötig Indexe zu Defragmentieren und ähnliche Operationen durch zu führen. Da führt kein Weg dran vorbei. Daher bin ich da schon Normens Meinung, Es sei denn, diese Prozesse finden Unbewusst automatisch statt. z.B Jira als Ticket System macht das selber.

    1. Ne sorry, was stimmt nicht. Das es in der Datenbankverwaltung von Odoo keine Tools zur Datenbankoptimierung oder zur Reparatur der Datenbank gibt ist völlig in Ordnung. Solche Aufgaben sollten eh regelmäßig und zu bestimmten Zeiten durchgeführt werden. Unter Ubuntu kann man dafür Cronjobs definieren und muss sich nicht selbst darum kümmern. Beim MS-SQL Server geht das erst ab der Standard-Version. Die meisten Dummys dürften völlig überfordert sein, über die Konsole oder das Managementstudio eine solche Aufgabe auszuführen, darum der Einbau in die Datenbankverwaltung.
      Aus der Praxis JTL-Wawi ab einem Bestellaufkommen von 100 Bestellungen pro Tag, wird eine Optimierung einmal pro Woche notwendig. Für Odoo habe ich noch keine Werte.
      Ich bleibe dabei, das ein normaler Anwender keine Wartungsaufgaben an einem Server vornehmen sollte. Das ist Aufgabe des Systembetreuers und der kann dafür wunderbar einen Cronjob unter Linux schreiben. Und wie sieht es bei der Wawi aus? Handarbeit beim der Express Version des SQL Servers. Also wieder ein kleines Minus für die Wawi.

  3. Was ist mit Teil 2? Stehe gerade vor der Frage JTL oder Odoo und das ganze liest sich bis dahin sehr Hilfreich – die eigtl. Warenwirtschaft wurde aber noch nicht angerissen.

    1. Bei allem Respekt für die Leistung von Michael, aber da wäre ich doch SEHR vorsichtig, denn die Tiefe mit der er diese Dinge a) testen und b) in einem platzmäßig begrenzten Blogbericht beleuten kann, entsprecht zwangsläufig überhaupt nicht dem, worauf man eine folgenschwere Entscheidung für eine Warenwirtschaft gründen sollte.

      Ob die eine oder andere Wawi FÜR DICH und FÜR DEINE PROZESSE geeignet ist, ist keinem Spec-Sheet und keinem Blogbeitrag zu entnehmen, sondern das mußt Du unbedingt durch eigenes intensives und mindestens „monatelanges“ Testen mit eigenen Installationen selbst herausfinden – und zwar indem Du dabei wie im Produktivbetrieb vorgehst und Deine Prozesse bis ins letzte Detail durchspielst. „Geht schon“ und „wird schon“ oder auf Meinungen anderer hören ist hier verboten!

      Genauso wichtig ist auch die intensive Beschäftigung mit den jeweiligen Foren, denn die spiegeln all das wider, was Du (noch) nicht selber gefunden hat, wie die Herstellerfirma die Community sieht, wie mit Bugs und Problemen und wie miteinander innerhalb der Community umgegangen wird. Ich bin in der Zwischenzeit sogar dazu übergegangen, bei neuen Businessprodukten, für die ich mich interessiere, so gut wie das GANZE Forum des letzten Jahres zu lesen. Hat man das durch, dann weiß man, ob man da „mitmachen“ will. Das ist auch eine Entscheidungsbasis.

      1. Hallo Ingmar,

        Deinen Post kann ich nur doppelt unterstreichen! Die Wahl der richtigen Lösung hängt entscheidend von den Prozessen ab. Ich würde bevor ich mich für irgendeine Lösung entscheide, diese grob skizzieren und dann schauen, ob diese Prozesse auch mit den Lösungen umsetzbar sind. In der Regel hilft hier ein sogenannter POC (Proof of Conzept) mit dem einzelne Schritte durchgespielt werden können.

        Gruß Michael

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