Die Geschichte vom Totalausfall eines Desktop-PCs

Gestern habe ich von Dimitri Stoupakis (Austausch-Schraubkopf aus Griechenland) eine Mail bezüglich einer Kundenanfrage bekommen bei der ist mir gelinde gesagt die Galle übergelaufen. Mache bitte ein Angebot für einen Server und der sollte möglichst wenig kosten, weil wir wollen ja an der Dienstleistung verdienen. Okay welche Dienstleistung? Und wie macht man ein Angebot für einen Server für eine Firma mit 6 Mitarbeitern? Was soll die Kiste den alles können? Ach so die Wawi-Datenbank soll darauf. Gert würde gleich ankommen und sagen, da reicht ein ordentlicher Desktop-PC völlig aus. Und bei mir stellt sich langsam das verbliebene Haupthaar zu Berge.

Um das ganze noch ein wenig auf die Spitze zu treiben, nehme ich noch folgenden Post aus der Gruppe von Mark Steier Wortfilter mit auf: Gibt es eine vernünftige Wawi für den Mac? An dieser Stelle war mein Tag dann völlig versaut. Natürlich kamen die Anhänger der Krabbelgruppe vom Niederrhein aus ihren Löchern und gaben ihren Senf den keiner Wissen will dazu. Ich konnte nicht anders, als mal etwas Tacheles zu reden und auf meinen aktuellen Blogbeitrag zu verweisen.

Nun weiß ich, das E-Commerce-Händler und Informationstechnologie nicht unbedingt beste Freunde sind. Das liegt aber weniger an der Technologie, mit der diese Krämer ihr tägliches Brot verdienen. Das liegt schlicht weg einfach daran, das sie keine Ahnung von der Materie haben.

Aber schauen wir uns das mal an einem praktischen Beispiel an. Ich nehme den Worsed Case, dass am Montagmorgen der PC unseres Online-Krämers seinen Geist aufgegeben hat und er auf einen schwarzen Bildschirm blickt. Dafür kann es jetzt mehrere Gründe geben. Das Netzteil ist defekt, oder die Grafikkarte, bzw. Motherboard ist hinüber, oder oder. Egal, was gerade kaputt ist, und wenn es die Festplatte ist, er kann nicht in seine geliebte Wawi – Katastrophe.

In einem solchen Fall wird direkt zum Telefon gegriffen und unser DAU ruft persönlich Dimitri um 7 Uhr morgens an und klingelt ihn aus seinem Tiefschlaf. Dimitri geht wieder erwarten ans Telefon und bekommt den Frust des Anwenders voll ab. Was jetzt ins Rollen kommt ist die Perversion der Zeitverschwendung hoch vier. Dimitri spring erst in seine Klamotten, Styling fällt wegen akuter Notlage des Kunden aus, und dann in seinen rumänischen Plastikbomber (für mehr reicht die Kohle vom Kunden nicht). 60 Minuten später ist er beim Kunden und begutachtet den PC. Das Ergebnis ist, wir brauchen Ersatz.

Also wird wieder hektisch telefoniert, um irgendwo ein Ersatzteil oder gleich einen neuen Computer zu organisieren. Es ist mittlerweile 9 Uhr und die Bestellungen von Amazon und eBay sind immer noch nicht abgeholt und bearbeitet – wie auch! Dimitri sitzt aber schon im Auto zum nächsten Computerhändler, der seinen Laden aber erst um 10 Uhr öffnet – dafür hat er das was Dimitri jetzt braucht. Um 10:30 trifft Dimitri mit einem neuen Rechner unterm Arm bei unserem DAU ein, um festzustellen – Nein es war doch nicht der Monitor. Also Monitor, Maus, Tastatur und LAN-Kabel angestöbselt und die Kiste eingeschaltet. Wir haben es mittlerweile 11 Uhr.

Dimitri denkt schon über ein kleines Mittagsschläfchen nach, da hört er den DAU rufen: „Wo ist meine Wawi?“ Okay, denkt sich Dimitri, das ist schnell gemacht. Browser geöffnet und schnelle www.dicket… – Fuck falsche Website – okay jetzt die richtige URL eingegeben, Wawi heruntergeladen und schnell installiert. Noch schnell mit dem SQL Server verbinden und fertig. Wir haben es 11:30 und Dimitri freut sich schon auf sein Bett.

Dimitri will sich gerade verabschieden, da kommt schon wieder die Stimme aus dem Hintergrund: „Wo sind meine Mails?“ Ach so die Mails, das hätte ich jetzt fast vergessen. Und gleich drauf kommt vom DAU der freundliche Hinweis, das er auch seine Excel-Sheets nicht öffnen kann. Also macht sich Dimitri wieder am PC zu schaffen und beseitigt die Mängel. Wir haben es mittlerweile 12:30. Dimitri hat Hunger und die Müdigkeit nimmt zu. Wir können festhalten, das er langsam gereizt ist – Der DAU nervt.

So gegen 13:00 hat Dimitri dann alle Programme wiederhergestellt und will nun endlich wieder in sein Bett. Er ist wieder auf dem Weg zu seinem rumänischen Plastikbomber da tönt schon wieder die Stimme des DAU durch die Büros: „Meine ganzen Daten sind weg!“ Okay denkt sich Dimitri, das ist auch kein Problem. Er nimmt den alten Rechner, schraubt ihn auf, baut die Festplatte – in der Hoffnung das diese noch lebt – in den neuen Rechner ein. Neuen Rechner hochfahren – an dieser Stelle könnte ich jetzt den mega GAU einbauen, lassen wir aber – die Festplatte wird erkannt und Dimitri kann die Daten von A nach B inklusive der Pornosammlung unseres DAUs kopieren. Also knapp ein Terrabyte zu 6 MB/sec.

Wir haben es mittlerweile 17:30 und die Bestellungen sind immer noch nicht draußen. Die einzige, die den Tag super findet, ist unsere Praktikantin Monia – Sie hat mal nicht die Schnauze voll. Ansonsten liegen die Nerven bei allen blank. Aber wir können festhalten, dass die Daten inklusive der Heimatfilme wieder auf dem PC sind. Dimitri muss jetzt nur noch die Festplatte aus dem neuen Rechner unseres DAUs ausbauen und in den Alten Rechner wieder einbauen und kann sich dann endlich vom Hof machen. Das einzige was Dimitri bis jetzt zu sich genommen hat, war die schwarze Brühe von der Praktikantin. Es ist mittlerweile 18:00 Uhr und Dimitri sitzt endlich in seinem rumänischen Plastikbomber und zündet sich genussvoll eine Zigarette an.

Drei Tage später bekommt Dimitri wieder einen Anruf von unserem DAU zu einer unchristlichen Zeit. Nein der PC ist nicht defekt. Unser DAU hat die Rechnung von Dimitri erhalten und die hat ihm schlichtweg auf 180 gebracht. Neben der Hausnummer für einen neuen PC waren da noch rund 8 Stunden für die Einrichtung des PCs zu rund 60 Euro plus Märchensteuer vermerkt.Unser DAU argumentiert,  Dimitri hat ja schließlich schwarze Brühe von der Praktikantin bekommen und er möge doch berücksichtigen, dass der Laden vom DAU einen Tag lahm gelegt war. An dieser Stelle bin ich schon fast am Ende meiner kleinen Geschichte. Ich habe mir hier nur die Namen der handelnden Personen ausgedacht. Der Rest spiegelt so meine Erfahrungen der letzten Jahre wieder. Und immer beginnt es mit dem Satz, wir haben leider nur ein beschränktes Budget.

Was ich hier mit spitzer Feder wieder gegeben habe, ist der Prozess der Client-Wiederherstellung im Falle eines Totalausfalls des Systems, wie er wohl einige hundert mal am Tag praktiziert wird. Diese Vorgehensweise ist teuer und ineffizient. Mit der richtigen Client-Wiederherstellungsstrategie wäre der Rechner in knapp 30 Minuten wieder voll einsatzfähig gewesen und alle wären glücklich. Der eine oder andere DAU wird sich jetzt fragen, warum hat Dimitri nicht eine ordentliche Client-Wiederherstellung in der Firma des DAUs implementiert. Erinnert ihr euch noch an die Einleitung: „Mache bitte ein Angebot für einen Server und der sollte möglichst wenig kosten, weil wir wollen ja an der Dienstleistung verdienen.“ Jetzt wird der eine oder andere sagen, ich bin doch nur Händler. Dem kann ich nur diesen Artikel als Lesestoff mit auf dem Weg geben: http://t3n.de/news/handel-digitale-transformation-606502/

Jeder der in die E-Commerce-Branche einsteigt, betreibt ein handelsorientiertes Technologieunternehmen (Danke Jochen G. Fuchs von t3n.de). Und bevor ich das erste Produkt über meinen Shop, eBay oder Amazon verhökre, sollte ich auf Infrastruktur-Ebene die Grundlagen gerade ziehen. Wie diese Grundlagen aussehen, kann man sich in der Microsoft Technet, Stichwort Test Lab Guides, oder über die geeignete Literatur aneignen. Oder man schaut hier unter Anleitungen in die Kategorie SMB-Base Lab.  Hier beleuchte ich das ganze aus der praktischen Seite mit Anleitungen zum Selbermachen.

Ich hoffe der eine oder andere hatte hier Spaß beim Lesen. Und wer sich irgendwie angesprochen fühlt, das mir das gerne über die Kommentarfunktion mitteilen.

7 Gedanken zu „Die Geschichte vom Totalausfall eines Desktop-PCs“

  1. Diese Dimitri ist demnach wohl der DAS.

    (Dümmster anzunehmender Supporter)

    Man muss ihm erst Druck machen, bevor er selbstverständliche Tätigkeiten von sich aus ausführt. ^^

    1. Hallo Kissi,

      lach ;). DAS trifft auf DAU! Nun in der Praxis dürfte unser Dimitri noch so manche Anwendung mehr vergessen haben. Ohne Dokumentation hat er natürlich keine Ahnung was auf der Kiste installiert war! Und selbst wenn er den DAU vorher gefragt hätte. Der weiß in der Regel auch nicht mehr, was er da sich so alles installiert hat. Und was aus der Sicht des DAUs selbstverständlich klingt, scheitert in der Praxis an fehlender Dokumentation und Informations. Shit happens halt eben – ist ja auch nur eine Geschichte!

      Gruß Michael

  2. Das hast du dir alles ausgedacht und du übertreibst maßlos. Jeder mit ein wenig Hirn wird eine backup-Strategie haben.
    Das Betriebssystem bringt alles mit, um in 30 Minuten wieder ein funktionierendes System zu haben. Vorausgesetzt, man hat irgendwo einen Ersatz-PC, und sei es der der Praktikantin.
    Aber immer wieder nett, dein blog zu lesen. Bleib dran.

    1. Hallo Ralph,

      so aus dem Stegreif fallen mir gerade eins, zwei, drei, vier, ziemlich viele Unternehmer ein, die wohl weniger als wenig Hirn in ihrem Oberstübchen haben. Du hast völlig recht. Jedes Betriebssystem bringt die dafür notwendigen Werkzeuge von Hause aus mit. Aber ein Windows auf einer anderen Hardwarekiste wieder zurück zu sichern ist auch immer mit einigen Abendteuern verbunden. Insbesondere dann, wenn es um die anschließende Lizenzierung geht, weil ja eventuell das Motherboard nicht das gleiche ist.

      Ich könnte hier Geschichten von so Typen wie listiger Lurch, Häupling der Shoshones, erzählen, die sich einen super teuren Server mit Virtualisierung von Ihrem IT-Dienstleister haben auf schwatzen lassen und dabei so über’n Tisch gezogen wurden, das selbst ein Schurke wie Santa Maria blass vor Neid wird. Aber ein Clientsicherungskonzept gibt es in dem Wigwam definitiv nicht. Ordnerumleitung totale Fehlanzeige und der Shoshone speichert schön lokal.

      Gruß Michael

    1. Hallo Ralph,

      manchmal muss man die Dinge hart angehen, um den Wahnsinn auf den Punkt zu bringen. Die Sache sehe mittlerweile sogar sehr gelassen, ansonsten würde ich hier nicht öffentlich so schreiben. Es liegt auch nicht an irgendeiner Software, die irgendwo im Einsatz ist. Sondern es liegt vielmehr daran, dass oft planlos und konzeptlos aufs Blaue losgelegt und gearbeitet wird.

      Und was den Link angeht, das ist dort völlig normal. Über so was rege ich mich schon lange nicht mehr auf. Da arbeite ich lieber an meinem POK (Proof of Konzept) und blogge darüber, wie der so läuft. Der Rest tangiert mich da nur noch peripher – oder um es trocken zu sagen, die gehen mir am Arsch vorbei! Aber so etwas ist schönes Beiwerk um die Sache unterhaltsam zu gestalten.

      Schöne Grüße nach Berlin

      Michael

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