Dienstag 22. März 2016 – Brüssel

Ich fühle mich sicher. Ich habe keine Angst, wenn ich morgen in meine Regionalbahn steige um zur Arbeit zu kommen, dass sich irgendeiner meiner Mitreisenden in die Luft sprengt. Ich sehe auch nicht hinter jedem Menschen der ein südländisches Aussehen hat, gleich einen potentiellen Terroristen. Ich differenziere und mir ist es ehrlich gesagt Schnuppe, ob die junge Dame mir gegenüber ein Kopftuch trägt oder nicht. Gerade weil heute wieder so schrecklich schlimme Dinge passiert sind, ist es mir wichtig dieses hier zu erwähnen. Trotzdem werden die Ereignisse von heute Konsequenzen haben.

Mannheim Bahnhofsplatz
Mannheim Bahnhofsplatz

Der Terror der islamischen Extremisten hat sein Ziel schon jetzt erreicht. Die Wahlen in Sachsen-Anhalt, Rheinland-Pfalz und Baden Württemberg sind der Beleg dafür. Wir erleben in Europa einen Rutsch nach Rechts, wie ihn die meisten von uns nur aus den Geschichtsbüchern her kennen. Und vor den Landtagswahlen in den drei Bundesländern sind schon die ersten Rufe nach Internierungslagern für muslimische Flüchtlinge geäußert worden. Damit mögen wir vielleicht die Symptome bekämpfen, die Ursachen bleiben bestehen und es wird nicht lange dauern bis die nächste Generation von Terroristen unschuldige Menschen in die Luft sprengt.

Brüssel-Molenbeek – Das Terrornest Belgiens titelt der Schweizer Tages Anzeiger. Solche Terrornester gibt es in ganz Europa. Überall dort wo ein großer Teil der Gesellschaft abgehängt wurde und nicht mehr am Wohlstand teilhaben darf, überall dort werden diese Terrornester entstehen – unabhängig von Religion oder Nationalität. Egal wie weit die Überwachung durch den Staat noch gehen wird, die Menschen in diesen Gettos werden immer Wege finden, sich Gehör zu verschaffen.

Irgendwie kommen gerade bei mir Bilder hoch, wie Sie John Carpenter in die Klapperschlange gezeichnet hat. Ganze Stadtteile werden von den Sicherheitsbehörden aufgegeben, mit einer Mauer umgeben und sich selbst überlassen. Das dürften auch die Szenarien sein, wie Sie rechte Hardliner sich wünschen. Wie gesagt, damit lösen wir die Probleme nicht.

Der wirksamste Kampf gegen den Terrorismus ist den Menschen wieder Hoffnung und eine Perspektive zu geben. Brot und Spiele reichen nicht aus. Wenn in einem Stadtteil zwischen 50 bis 70 Prozent Jugendarbeitslosigkeit herrscht, müssen wir uns nicht wundern, dass hier radikale Rattenfänger leichtes Spiel haben – und damit meine ich nicht nur Islamisten, sondern auch Neonazis. Wir müssen die stärker in die Verantwortung ziehen, die uns diese Suppe eingebrockt haben und an erster Stelle sehe ich da diese ein Prozent die über 80 Prozent des Kapitals verfügen. Sie tragen die Verantwortung für den Terror in Paris, Brüssel und in der Welt. Sie sind es die an den Pranger gehören. Polizisten vor Bahnhöfen geben Jugendlichen in diesen Problemvierteln oder No-Go-Areas keine Zukunft. Die Aussicht auf 72 Jungfrauen im Paradies ist verlockender als die Realität auf Erden.

Wir brauchen nicht mehr Überwachung, wir brauchen auch nicht mehr Polizei. Die EZB sollte die 60 Milliarden Euro nehmen und sie dort unter das Volk werfen, wo Armut, Elend und Hoffnungslosigkeit herrscht, anstatt Sie den Zockern an den Börsen als Spielgeld zu schenken. Unsre Regierung hat 480 Milliarden Euro um die Reichen noch reicher zu machen, aber jeder Euro den wir für Sozialhilfe oder Flüchtlinge ausgeben wird kritisiert. Bei den Armen greifen wir zum Rotstift und schauen ob wir dort noch einen Cent einsparen können, während Konzerne wie Amazon oder Ikea jeden Steuertrick ausnutzen können, um ihre Steuerlast gegen Null zu senken.

Mannheim Hauptbahnhof
Mannheim Hauptbahnhof

Wir sollten uns fragen, wem diese Bomben von Brüssel gelten und was wir dafür tun können, um den Terror zu stoppen. Brüssel beweist eines wieder, mehr staatliche Überwachung und noch mehr geheimdienstliche Spionage wird Terroristen nicht davon abhalten, sich mitten unter uns ins Paradies zu sprengen und auch die mitzunehmen, die da noch nicht hin wollen.

 

 

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