Digitale Evolution – Homo Influencers

Die digitale Evolution nimmt schon ziemlich seltsame Wege. So konnte ich doch tatsächlich die neue Spezies Homo Influencers ausmachen. Diese Abspaltung des Homo Sapiens zeichnet sich vor allem durch ein völlig überzogenes Selbstwertgefühl, welches durch den genetisch bedingten übermäßigen Konsum von digitalen Inhalten erzeugt wird. Zeit für eine nicht wissenschaftliche und ernst gemeinte Betrachtung dieser seltsamen Gattung Mensch.

Who to fuck is Homo Influencers

Bei meinen Recherchen bin ich auf dieses weibliche Mitglied der Gattung Homo Influencers auf Instagram gestoßen. Hier können wir dieses Exemplar gerade bei seiner Hauptbeschäftigung, der Beeinflussung von Homo Erectus beobachten. Wie anmutig doch hier der Stracciatella Protein Pudding unter freiem Himmel mit dem Teelöffel verzehrt wird.

Damit ist klar, woran wir Homo Influencers erkennen können. Bei jeder Gelegenheit werden irgendwelche Produkte irgendwo platziert und digital mit einer sündhaft teuren Fotoausrüstung festgehalten, um diese dann via soziale Medien ins World Wide Waiting zu schicken. Der männliche Homo Influencers unterscheidet sich hier nicht im geringsten.

Der Larry auf diesem Foto föhnt sich tatsächlich zwischen Tauben auf irgendeinem Platz. Hoffentlich hält der Akku von seinem schicken Freiluft-Föhn.

Wer noch mehr solchen wunderbaren Bullshit sehen will, der muss nur in Facebook nach den Perlen des Influencer Marketings suchen und wird gesichert fündig. Aber nicht nur die Influencer des Lifestyle und Fashion haben den Drang sich bei jeder Gelegenheit zum Affen zu machen. Auch die Unterart Homo Influencers eCommerce hat dieses neuerdings für sich entdeckt (eigentlich der Hauptgrund, warum ich mir diesen Müll rein ziehe).

Kleiner Unterschied zum Clan der Lifestyle und Fashion Möchtegern-Blogger, die noch nicht mal Alexa kennt, ist, dass hier mit dem pseudowissenschaftlichen Klout-Score die wichtigsten eCommerce-Influencer ermittelt werden. Wie verlässlich und unabhängig dieser Score ist, lasse ich mal dahingestellt. Aus dem Index kenne ich zweieinhalb und davon sind mehr als die Hälfte – naja ihr wisst schon. Über den Rest habe ich keine Meinung, was so viel wie WTF bedeutet.

Definition von Homo Influencers

Influencer (von engl. to influence – beeinflussen) ist ein Begriff für eine Person, die aufgrund ihrer hohen Präsenz und ihrem hohen Ansehen (Bilder werden oft geliked, kommentiert und somit angesehen, Anmerkung des Autors) in einem oder mehreren sozialen Netzwerken eines kommerzialisierten Internets für Werbung und Vermarktung infrage kommt (Influencer Marketing) Quelle: Wikipedia

Wenn man den Artikel etwas weiter liest, kann man erfahren, dass hier Politiker, Journalisten, Sportler und viel gelesene Blogger geeignet sind. Und damit wäre ich wieder bei dem Punkt, was ein Blogger ist. Vor allem was ein viel gelesener Blogger ist? Die Betonung liegt hier auf „gelesener“. Auch wird am Ende der Kritikpunkt erwähnt, dass sich Homo Influencer gerne der Schleichwerbung bedient, die nach $5a Abs. 6 UWG nicht so wirklich zulässig ist.

Die Lüge mit der Reichweite

Der Homo Influencers begründet also seinen Status anhand derer, die seinen Profilen in den sozialen Bullshit-Medien folgen. Über den quantitativen Wert der Anzahl von Followern bei Twitter, Facebook, Instagram & Co. lässt sich aber mit Nichten eine qualitative Aussage über den Grad der Beeinflussung der Follower ableiten. Dicke Titten können auch ein Grund dafür sein, dass Homo Erectus Dumpfbacke auf Instagram oder Facebook folgt. Über den Rest der Beeinflussung lasse ich mich aus Jugendschutzgründen lieber nicht aus.

Die reine Anzahl der Anhänger sagt also noch lange nichts über die Qualität aus. Jesus von Nazareth hatte mal gerade 11, in Worten elf, Jünger und daraus ist dann eine Weltbewegung geworden, die nach etwas mehr als zweitausend Jahren immer noch Bestand hat. Ich kann also den hier so gern zitierten Klout-Score als Kot für die Ablage „P“ betrachten. Ein quantitativer Wert lässt eben keine Rückschlüsse auf die Qualität zu. Somit sagt die reine Anzahl der Follower rein gar nichts über die tatsächliche Reichweite von Homo Influencers aus.

Wie werde ich zum Homo Influencers

Bin ich Influencer, wenn ich jetzt ein Facebook Gruppe mit mehreren tausend Mitgliedern oder einen Instagram Account mit mehreren hunderttausend Followern habe? Jesus hatte mal gerade elf Follower und aus diesen sind dann ein paar Millionen Christen geworden. Ich denke mal eher, es kommt auf die Botschaft an und wie diese sich dann im Netz verbreitet. Zum echten Influencer wird man nicht alleine dadurch, das man eine möglichst große Gemeinde um sich scharrt. Der Schlüssel liegt im Inhalt, den ich dann dieser Gemeinde zur Verfügung stelle.

Zum Influencer wird jemand gemacht. Es sind die Follower (Jünger), die seine Inhalte in Ihrem sozialen Umfeld weiterverbreiten und somit bekannt machen. Vor zweitausend Jahren war das noch etwas schwieriger. Heute reicht es aus, wenn jemand einen meiner Artikel liest, diesen für gut befindet und er diesen dann über ein Forum oder soziales Netzwerk verlinkt.

Im Idealfall muss ich mich am Ende gar nicht mehr um die Verbreitung meiner Inhalte kümmern. Bin ich ein echter Influencer, wird mir diese Aufgabe von meinen Anhängern abgenommen. Meine Jünger warten ja schon sehnsüchtig auf neue Inhalte von mir. Sie warten nicht, bis ich meine neuen Inhalte in irgendwelchen Facebook Gruppen oder andere Kanäle „vermarkte“. Sie kommen regelmäßig von ganz alleine.

Zum Schluss

Hier noch eine kleine, ganz persönliche Widmung an Mark Steier und Dietmar. Ihr beide habt, so weit ich das einschätzen kann und wie viele andere aus der eCommerce-Szene, noch einen weiten Weg vor euch, um echte Influencer zu werden. Die Medien haben einfach bis jetzt keine besseren für ihre Inhalte und Formate gefunden. Bewertet eure Präsenz in den Medien also nicht über und versucht lieber richtig gute Inhalte zu produzieren. Eine gewisse Form der Selbstdarstellung kommt auf die Dauer nicht gut an und wird sich irgendwann auch negativ bemerkbar machen. Mir kann es hier völlig Banane sein. Weil ich andere Ziele habe und mein Erfolg nicht davon abhängig ist. Wie schon gesagt, es kommt auf den Inhalt an und nicht darauf, wer am lautesten Brüllen kann.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.