Endlich Windows freie Zone

Seit Sonntag habe ich bei mir eine Windows freie Zone – nicht ganz, wenn ich es genau nehme, aber ganz so genau will ich es nicht nehmen. Ich habe es endlich geschafft, auch auf dem letzten PC Ubuntu drauf zu knallen und Windows ins Nirwana zu schicken. Warum ich Windows als Betriebssystem von der Hardware verbannt habe, das erkläre ich euch hier.

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Ich gehöre nicht zu denen, die nur auf das eine schwören und den Rest für Schrott halten. Meistens werden dann Argumente ins Feld geführt, die sachlich gesehen, nichts mehr mit der Realität zu tun haben. Windows ist und bleibt ein sehr gutes Betriebssystem. Es hat wie Linux oder macOS so seine Tücken und Fallstricke. Für mich war es immer eine gute Basis für meine produktiven Systeme und es hat jetzt fast zwei Jahre gedauert, bis ich das Fenster durch den Pinguin ersetzt habe. Dafür gibt es ganze Reihe von Gründen und ich fange mal ganz vorne an.

Unterwegs brauche ich eine relativ flotte Schreibmaschine auf der ich auch mal ein paar Bilder grob fürs Netz bearbeiten kann. Irgendwie habe ich auf meinem Dell Latitude E6420 Ubuntu auf einer SSD mit 128 GB zum Laufen gebracht. In den letzten 12 Monaten habe ich mich so richtig an die Kiste mit seinen paar Macken gewöhnt. Habe ich Netz tippe ich meine Beiträge direkt ins WordPress und wenn ich offline bin nutze ich halt eben LibreOffice Writer. Auch wenn die Rechtschreibprüfung von Microsoft Word zugegeben um Längen besser ist, als die von Linux und LibreOffice, so vermisse ich diese aber auch nicht wirklich. Bis jetzt hat sich noch niemand über meine Rechtschreibung lustig gemacht. Also kein Grund hier technisch aufzurüsten.

Parallel dazu habe ich meiner NAS ebenfalls Ubuntu spendiert. Der Windows Home Server 2011 war schon in die Jahre gekommen und Microsoft hat die Weiterentwicklung dieser Edition eingestellt. Der Windows Home Server 2011 basiert auf dem Windows Server 2008 und es ist abzusehen, wann auch hier der Support eingestellt wird. Dazu war die Kiste ein wahrer Ressourcenfresser. Mit installiertem SQL Server Express ist das Ding regelmäßig in die Knie gegangen. Funktional bietet die Heimserver Variante mit Ubuntu 14.04 LTS, Samba, LAMP-Server und ownCloud die gleiche Funktionalität wie der Microsoft Home Server 2011 und mit selfhost.eu habe ich auch einen kostenlosen DynDNS-Dienst, über den ich diesen Server von überall erreichen kann. Damit war die Grundlage für meine produktive Infrastruktur schon gelegt.

Jetzt wird sich der eine oder andere denken, aber was ist mit der Software. Aus meiner Sicht hat sich diese Frage überhaupt nicht gestellt. Im Internet bin ich schon von Anfang an mit dem Firefox unterwegs und der wird bei Ubuntu standardmäßig installiert. LibreOffice (vorher OpenOffice) verwende ich auch schon seit Jahren auf meinen privaten Rechnern. Warum also Microsoft Office? Als Bildbearbeitung verwende ich auch schon seit Jahren Gimp (Adobe Photoshop brauche ich einfach nicht!) und Grafiken erstelle ich mit LibreOffice Draw, Inkscape oder yEd Graph Editor. Mit letzterem ist auch Visio kein Thema mehr für mich. Und für die Projektplanung brauche ich kein Project sonder libreProject macht es genauso gut. Skype und der Teamviewer funktionieren auch unter Linux. Meine Mail schreibe ich auch schon seit Jahren mit Thunderbird und nicht mit Microsoft Outlook. Solitär gibt es auch für Linux und so weiter und so weiter.

Mehr als 90% der Anwendungen die ich benutze sind OpenSource-Programme die völlig legal kostenlos zu bekommen sind. Warum soll ich also in teure Software investieren, wenn ich mit den anderen Lösungen genauso produktiv arbeiten kann? Und auch beim Thema Virtualisierung habe ich mit VirtualBox eine hervorragende Alternative zu Hyper-V im Angebot. Also warum soll ich Windows als Betriebssystem verwenden? Kann mir einer plausibel diese Frage beantworten?

Interessant waren die Reaktionen in meiner Linux User Group (german). Dort hatte ich gestern gepostet, dass ich es endlich geschafft habe, nach zwei Jahren Windows frei zu sein. Die Kommentare zu meinem Post waren durch die Bank positiv und sehr freundlich geschrieben. Und herzlich willkommen auf der hellen Seite der Macht, hat mir am besten gefallen. Irgendwie sind da bei Linux keine selbstverliebten Spinner unterwegs die glauben sie wären die Mega-Cracks, nur weil sie ein paar Fenster bedienen können. Auch wenn ich hier alles selbst installiert und konfiguriert habe, bin ich noch lange nicht der Meinung ein wirklicher Linux-Spezialist zu sein. Ohne Google wäre auch ich bei manchen Dingen völlig am Arsch. Aber ich habe eine Plattform mit Ubuntu, mit der ich meine Sachen fast perfekt erledigen kann.

Ob ich jetzt gar kein Windows mehr habe? Nicht ganz! Schon alleine aus beruflichen Gründen werde ich Windows auch in der Zukunft verwenden. An meinem neuen Arbeitsplatz werde ich mit Sicherheit irgendeine Windows 7, 8 oder 10 Kiste mit Office und Outlook zu stehen haben. Die Kunden, die ich demnächst betreuen werde, haben auch alle Windows Clients und die dazugehörige Anwendung läuft sowohl auf Windows Servern mit IIS, als auch auf Linux Servern mit Apache. Server seitig habe ich es mit einer bunten Mischung zu tun, während auf der Client-Seite wohl eine reine Microsoft Umgebung anzufinden ist.

Auf meinem Desktop werde ich in den nächsten Tagen und Wochen eine Testumgebung für den Windows Server 2016 Essentials mit Windows Server 2016, SQL Server 2016 und Windows 10 Enterprise aufbauen. Natürlich werde ich auch hier wieder Office 2016 paketieren und zusammen mit anderen Standardanwendungen auf ein paar Clients verteilen. Dazu brauche ich aber nicht die Vollversionen der Microsoft Produkte. Die Evaluierungsversionen der jeweiligen Produkte reichen mir völlig aus. Auf diesen virtuellen Maschinen werden keine produktiven Daten gespeichert. Hier geht es nur darum, wie wird die Installation automatisiert, wie werden Updates automatisch verteilt oder wie kommt per Knopfdruck die Software auf die Rechner.

Um eine virtuelle Testumgebung für Microsoft Lösungen aufzubauen, benötige ich auch keine System Center Suite. Auch greife ich auf OpenSource Produkte wie OPSI (Open PC Server Integration) zurück. Damit lassen sich auch Betriebssysteme und Software automatisch in einem Netzwerk verteilen. Und schon bin ich wieder beim Thema Linux, weil OPSI wiederum auf einem Linux Server läuft.

Als Blogger brauche ich kein Windows mehr. Mit Ubuntu bin ich genauso produktiv wie mit Windows. Und wenn ich irgendwo in einem fremden Hotel mich ins WLAN einklinke, fühle ich mich mit Linux bedeutend wohler, als mit einem Windows Client der gleich mal ins Netzwerk schreit, hallo hier bin ich. Mein Ubuntu verhält sich da doch unauffälliger – quasi surfen mit Tarnkappe. Muss ja nicht gleich jeder sehen, dass ich auch im WLAN unterwegs bin. Und wenn ich mal wieder basteln will, dann habe ich ja trotzdem noch mein Windows. Läuft halt nur mit halber Kraft auf einer virtuellen Maschine. Produktiv arbeite ich ja schon längst ausschließlich mit Ubuntu Linux.

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