Facebook – gefährliche Sucht


Das Handelsblatt hat einen Artikel im Januar diesen Jahres zu den aktuellen Facebook AGBs mit Friss oder Stirb betitelt. Ich finde diese Headline passend. Was Facebook anbelangt scheint es tatsächlich nur zwei Meinungen zu geben. Entweder dagegen oder total dafür. Das ist schon fast so wie zwischen militanten Nichtraucher und toleranten Raucher, wo bei ich mich noch nicht entscheiden kann, wer von beiden jetzt bei Facebook ist. Als Blogger und angehöriger einer Generation, die mit indianischer Fernmeldetechnik am Nordrande der Alpen groß geworden ist, Mobiltelefone klobige und schwere Klötze waren und Computer noch nicht so wirklich Sinn machten, sind soziale Netzwerke wie Facebook, Instagram oder Twitter Faszination und Teufelswerk zugleich. Hier mal meine Eindrücke aus fast 18 Monaten bei Facebook.

Wenn da nicht Monika gewesen wäre, die hier ab und zu als Praktikantin aus dem Oval Office herumgeistert, hätte ich wohl heute noch keinen Account bei Facebook. Das muss so um 2012 herum gewesen sein, als ich Marc Zuckerberg das erste mal meine Liebe entzogen habe und mein Konto bei Facebook löschte. Um Monika einen Gefallen zu machen hatte ich mir dann wieder ein Konto in diesem sozialen Netzwerk zugelegt – wenn auch mit einigen Magenschmerzen.


Das Facebook wieder massiv in er Kritik von Politik und Datenschützern steht, verwundert mich definitiv nicht. Beim Thema Internet vergisst man nur zu schnell, dass es sich dabei zu 100% um ein privatrechtliches Konstrukt handelt. Vom Anbieter für den Anschluss, über die Betreiber der Server bis hin zu den Anbietern von Serviceleistungen wie der Suchmaschine Google, reden wir hier von Unternehmen und nicht von staatlichen Institutionen. Und der Sinn von Unternehmen ist es Erträge zu erzielen. Bei Facebook werden die gewonnenen Daten von den Mitgliedern noch ausschließlich für Werbezwecke an andere Unternehmen verkauft, genauso wie es schon seit Jahren Google mit seiner Suchmaschine erfolgreich macht. Das dabei von den Nutzern auch sehr private Daten erhoben werden und verkauft werden, dürfte wohl außer Frage stehen.

Man sollte sich also nicht darüber wundern das Facebook, Google, Youtube oder irgendein anderes soziales Netzwerk die Hassparolen aus dem rechten ausländerfeindlichen und faschistischen Lager von Ihren Servern verbannt oder gar sofort löscht. Aus Sicht der Betreiber handelt es sich auch hier um Kunden, die mit Ihren Daten bezahlen. Ich will hier jetzt aber nicht nach rechts abschweifen. Soviel Aufmerksamkeit hat diese Gruppe mit hohem Integrationsbedarf nun wirklich nicht verdient. Komme ich also wieder zu Monia zurück.


Mit jedem Post bei Facebook, mit jeder Suchanfrage bei Google gebe ich einen Teil meiner Persönlichkeit preis. Das mögen aus der Sicht des einzelnen ganz banale Dinge sein. Das Urlaubsfoto vom Strand auf Korfu, der Like auf dieses Foto oder das Teilen dieses Fotos in der eigenen Chronik. Nun wenn der Horizont gerade mal bis zum Display des Smartphones reicht, kann man damit argumentieren, was soll es, ich habe doch nichts zu verbergen. Das ist aber Grundverkehrt.

Nur basierend auf den Postings in der Chronik und den dazugehörigen Zeitstempeln, die bei Facebook auch noch angezeigt werden, ist es möglich herauszufinden, ob zum Beispiel eine weibliche Person gerade ihr Geld im horizontalen Gewerbe verdient (und das nicht nur von Facebook!). Ich habe mit Absicht dieses krasse Beispiel gewählt. Das könnte für die Dame massive Folgen haben, wenn zum Beispiel ein Mitarbeiter Ihrer Krankenkasse ihr Facebook-Profil durchleuchtet oder gar ihr zukünftiger Vermieter, der nicht unbedingt auf männliche Laufkundschaft in seinem Mietshaus aus ist. Die Dame denkt sich auch nichts böses, wenn Sie ihre Wartezeit auf neue Kundschaft vorm Smartphone bei Facebook totschlägt. Auch die Spiele in Facebook hinterlassen so Ihre Spuren in der Chronik und die können ziemlich verräterisch sein. So kann auch über das Facebook ermittelt werden, ob jemand arbeitslos ist oder nicht und das könnte in Zukunft dann Auswirkungen auf seine Kreditwürdigkeit haben, weil Facebook die Daten knallhart an Banken verkauft.


Als Blogger muss ich den Pakt mit dem Teufel eingehen. Okay, ich könnte Tomaten in der Toskana züchten und damit meinen Lebensunterhalt verdienen. Ich liebe aber meinen Beruf und ob ich jetzt den Tomaten beim Wachsen zusehe oder ich mich an steigenden Besucherzahlen ergötze, spielt nur eine untergeordnete Rolle. Sozialmedia Marketing hat meine Tomaten jetzt nicht viel schneller wachsen lassen und die Zeit, die ich dort investiere fehlt mir beim Pflanzen. Um jetzt aber nicht gänzlich zum Nachtschattengewächs zu werden, meine Fazit aus 18 Monaten Facebook – etwas weniger Zeit fürs Sozialmedia Marketing verwenden, dafür mehr Zeit in gute Inhalte investieren….

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