Freitag, 19. August 2016 – eCommerce in Deutschland

Unter genau dieser Überschrift haben die Herausgeber des t3n Magazins ihren eCommerce-Marktüberblick veröffentlicht. Was ich schon seit rund 12 Monaten beobachte bestätigen die jetzt durchgeführten Umfragen und Auswertungen – Auf dem deutschen eCommerce-Markt gibt es deutliche Verschiebungen. Neben der Konsolidierung des Marktes ist der Run auf die die großen Marktplätze ungebrochen.

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Ich liebe Statistiken und darum mal ein paar nüchterne trockene Zahlen vorneweg. In Deutschland gibt es 2016 insgesamt rund 546.293 Onlineshops (Quelle ibusiness.de) und 491.293 professionelle eCommerce-Unternehmen. Mark Steier, der den Blog Wortfilter betreibt, hat mit einem Robot brutto 135.000 Händler ermittelt die auf Amazon aktiv sind. ibusiness.de geht von ca. 120.000 Verkäufern aus und von denen die geschätzt die Hälfte gewerbliche Händer (60.000) sind. Bei eBay sind es laut Wortfilter Auszählung 121.000 Unternehmen, wovon knapp 65.000 Unternehmen Powerseller sind.

Auf den anderen Marktplätzen tummeln sich dagegen vergleichsweise wenige Onlinehändler. Vorne liegt Rakuten mit 7.800 Händlern, gefolgt von Hood mit 7.700, Yatego mit 7.000, Hitmeister mit 4.700 und Meinpaket (Post jetzt Allyouneed) mit 2.500 Händlern. HInzukommen werden noch diverse regionale Marktplätze wie die Online-City Wuppertal, auf den sich dann auch noch ein paar hundert Händler finden lassen. Den Markt der Affiliate-Publisher kann ich außen vor lassen, da diese in der Regel keine kaufmännische Software einsetzen.

t3n hat eine große Umfrage durchgeführt und 585 Unternehmen haben daran teilgenommen. Interessant für mich als ITler ist natürlich welche Shopsysteme und kaufmännischen Lösungen verwendet werden. Schauen wir uns die Top-Ten der Shop-Systeme an, die in der Umfrage von t3n angegebenwurden:

  1. Shopware 20%
  2. Magento 17%
  3. Andere Option 11%
  4. JTl-Shop 9%
  5. WooCommerce 7%
  6. Oxid eShop 6%
  7. Gambio 5%
  8. Eigenentwicklung 4%
  9. Plentymarkets 3%
  10. Prestashop 3%

Bei den kaufmännischen Lösungen sieht es so aus:

  1. Andere Option 32%
  2. JTL-Wawi 19%
  3. SAP 16%
  4. Microsoft Dynamics 10%
  5. Sage 8%
  6. Lexware Lexoffice 8%
  7. Plentymarkets 5%
  8. Pixi 4%
  9. Actindo 2%
  10. Weclapp 2%

Sehr interessant sind hier folgende Aussagen: “Nur” 46 Prozent der Onlinehändler setzt auf kaufmännische Standardsoftware wie ERP- (Enterprise Ressource Planing) oder Finanzbuchhaltungslösungen, weitere 12 % nutzen eine spezielle ERP-Versandhandelslösung, 37% lassen das Shopsystem die Rechnung erstellen und 3% schreiben die Rechnung noch von Hand. Ihre Warenwirtschaft mit der Lager- und Bestellverwaltung vertrauen 45 % ihrer kaufmännischen Software an, 23 Prozent kommen mit den On-Board-Funktionen ihres Shopsystems aus und 15 Prozent setzen auf eine ERP-Versandhandelslösung. 14 Prozent nutzen dagegen kein Warenwirtschaftssystem.

Der deutsche Online-Markt wird dominiert von einer Handvoll Domains. Bei den Marktplätzen führt immer noch mit weitem Abstand eBay und dann kommt erstmal lange nicht. Bei den reinen Shops hat Otto die Nase vorn gefolgt von Zalando und notebooksbilliger.de. Und unter den Top einhundert werde ich keinen finden, der die Lösungen von JTL verwendet. Beinahe hätte ich es vergessen. Über allen thront Amazon mit seinem Zwitter aus Onlineshop und Markplatz. Für SMB (Small Medium Business) Online Händler wird es da schwer, den eigenen Shop wirklich erfolgreich zu positionieren. Und seine Produkte ausschließlich auf den großen Marktplätzen anzubieten gleicht dem Ritt auf der Rasierklinge.

Will ich mich im Markt behaupten, reicht es nicht mehr alleine über den Preis oder einen benutzerfreundlichen Shop mit Gütesiegel die Kunden anzulocken. Will ich mich von der Masse abheben, muss ich mehr als nur den branchenüblichen Standard bieten können. Dazu braucht der Online-Händler aber Lösungen die sich flexibel und schnell an die sich laufend ändernden Anforderungen des Marktes anpassen lassen. Muss der Händler erst warten, bis der Hersteller die neuen Features in seiner Lösung implementiert hat, kann es schon zu spät sein. Dazu kommt noch, wenn ich eine weit verbreitete Wald und Wiesen Lösung einsetze, bleibt mir wieder nur der Preis und das Shop-Design als Alleinstellungsmerkmal übrig. Die meisten verwenden ja den gleichen Mist.

Die Qualität einer Software, und das ist das entscheidende, lässt sich nicht daran ablesen, wie oft Sie benutzt wird. Die Software muss zum Unternehmen passen und optimal die Anforderungen, die das Unternehmen hat, abbilden können. Und an genau diesem Punkt scheitern viele kleine und mittlere Unternehmen. Sie sind schlichtweg nicht in der Lage Ihre Anforderungen zu definieren. Die Folge ist, das dann auch gerne mal die völlig falsche Lösung eingesetzt wird und sich die Verantwortlichen ihre Entscheidung dann schön reden.

Das schöne Beispiel aus der Praxis ist der JTL-Servicepartner der seinem Kunden, einer kleinen Manufaktur, eine Warenwirtschaft mit Webshop und Anbindung an Amazon und eBay andreht, obwohl dieser Betrieb eine Enterprise Resource Management System benötigt. Klar lässt sich mit JTL-Wawi der Onlineverkauf sehr gut abwickeln. Aber wenn der Kunde versucht seinen Einkauf und die Produktionsabläufe über Warenwirtschaft abzubilden, kommt das große Erwachen und der externe Dienstleister ins Schwitzen. Und sind es dann noch branchenspezifische Besonderheiten, die das System abbilden können muss, wird es frustrierend.

Ich kann hier an dieser Stelle nur eines als Fazit weitergeben. Wer sein Geschäft professionell betreiben will, sollte auch professionelle Lösungen einsetzen. Es kommt nicht nur auf ein durchdachtes Shop-Design, individuelle Produktbeschreibungen und die richtige Auswahl der Produktpalette an. Die richtigen Informationen an der richtigen Stelle und weitestgehend automatisierte Prozesse sind genauso für den Geschäftserfolg entscheidend.

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