Freitag, 24. Juni 2016 – Briten für Brexit

Okay, es ist Freitag, draußen sind es gefühlte 50° im Schatten und der Planet brennt auf die Erde. Jegliche Form der Bewegung endet zwangsläufig in einem Bad aus eigenem Körperschweiß und jedes Deo dürfte bei dieser Hitze versagen. Bei diesen Temperaturen dürfte es auch sehr unwahrscheinlich sein, dass irgendjemanden im politischen Berlin, Paris, Brüssel oder sonst wo in der EU gerade ein Licht auf geht. Die Reaktionen auf das Referendum in Großbritannien lassen für mich diesen Schluss nicht zu.

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Okay was ist passiert? Die Briten haben sich in einer Volksabstimmung ziemlich knapp dafür ausgesprochen, die Europäische Union zu verlassen. Das können Sie und dürfen Sie auch. Sind ja schließlich ein souveräner Staat. Die Reaktionen der anderen sind mit wenigen Ausnahmen genau die, die man auch erwarten konnte. Dabei tragen gerade jene, die den Ausgang der Wahl als größte Katastrophe für Europa bezeichnen die Hauptverantwortung dafür, dass die Menschen in Europa zu weiten Teilen den Glauben an die Politik verloren haben. Und wenn sie mal zu Wort kommen dürfen, kommt halt eben so etwas heraus.

Also wer sich die Mühe gemacht hat und sich das Buch Das Digitale Debakel von Andrew Keen gelesen hat, wird die Wut derer verstehen, die von der Globalisierung der Märkte abgehängt wurden und eben für den Rest ihres bescheidenen Daseins keine Zukunft mehr sieht. Unterschwellig und unbewusst wurde für Mauern gestimmt, hinter deren Schutz es sich vermeintlich sicherer Leben lässt.

Die Ungerechtigkeit die aus der Digitalen Revolution entstanden ist, kann gerade meine Generation der Silversurfer jeden Tag im Internet mit erleben. Die Welt scheint sich nur noch in Facebook, Instagram, Google, Twitter und Co. abzuspielen. Bei soviel Brot und Spiele vergessen wir nur zu schnell, das der Erfolg des Internets in Wirklichkeit eine riesige Pleite ist und es auf ganzer Linie versagt hat.

Ob jetzt David Cameron der größte Vollpfosten des 21. Jahrhunderts ist, lasse ich mal dahin gestellt. Für so eine Einschätzung ist es in jedem Fall zu früh. Das was sich Menschen wie Sascha Lobo vom Internet wünschen, mehr Chancengleichheit und Vielfalt hat sich ins Gegenteil verkehrt. Der Graben zwischen ein paar wenigen weißen Männern, die darüber an Reichtum und Einfluss gewinnen, und dem Rest der Gesellschaft wird immer größer.

Nein Frau Wagenknecht die Konzern-Lobbykratie hat nicht den Rückhalt der Menschen verspielt. Europa wird sich auch nicht ändern. Die Menschen haben erkannt, dass die von Ihnen gewählten Volksvertreter eben nicht ihre Interessen vertreten und werden zunehmend das Heft des Handelns wieder in die eigene Hand nehmen. Die Themen, die traditionell eigentlich bei den Linken und der Sozialdemokratie liegen, werden zunehmend von den Faschisten der AfD belegt werden. Und was das für unser Land bedeutet, muss ich niemanden erklären.

Der wohl intelligenteste Kommentar zum Brexit, den ich bis jetzt gelesen habe. Was sich wohl für den deutschen Online-Handel ändert wird, hat Mark Steier auf seinem Blog gut zusammengefasst. Nur das Bild zeigt leider Uncle Sam der auf die gute alte Dame Europa pisst. In diesem Fall dürfte er wiedereinmal die Windrichtung falsch eingeschätzt haben, so dass dies wohl ins Auge gehen wird.

Ich sag nur Dobrou noc zlato Monia – Das kann noch heiter werden.

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