
Oder: Warum man auf dem LoreleyâAartalâRadweg zwischen Wandern, Warten und Wahnsinn entscheiden muss.
Der LoreleyâAartalâRadweg â klingt idyllisch, fast romantisch. Ein Hauch von Rhein, ein bisschen Geschichte, dazu die Aussicht auf einen gut ausgebauten Radweg entlang alter Bahntrassen. Was kann da schon schiefgehen?
Spoiler: Alles â sobald man Hahnstätten verlässt.
Denn genau dort, hinter dem netten kleinen Ort, wartet ein Anstieg, der in keinem ReisefĂźhrer vorkommt, weil man sonst Radfahrer abschrecken wĂźrde.
16 Prozent Steigung. Kein Geländer. Keine Gnade.
Erste Runde: Schieben mit Stil
Ich war sportlich unterwegs â Trainingstour, schĂśnes Wetter, guter Plan.
Und dann kam dieser Hang.
Ich habâs versucht. Ich habe gekurbelt. Ich habe geflucht.
Und dann habe ich geschoben.
Nicht heldenhaft, aber mit Haltung.
Manchmal muss man wissen, wann Schluss ist â auch wenn das GPS noch sagt: âNur noch 60 Meter.â
Zweite Runde: Ich komme wieder â und diesmal anders
Wo andere vergessen, da fängt bei mir das Ehrgefßhl an.
Also bin ich ein paar Wochen später erneut gestartet.
Gleiche Strecke, gleiches Wetter â aber diesmal mit dem festen Vorsatz: Ich bleibe im Sattel.
Und ich habâs geschafft.
Oben angekommen war mir schwindelig, die Lunge hing irgendwo hinter dem Brustbein, und das Blut hatte sich in den Oberschenkeln festgesetzt.
Aber ich war oben.
Ohne Abstieg. Ohne Notruf. Ohne RestwĂźrde â aber mit Stolz.
Was diesen Radweg so âbesondersâ macht
Der LoreleyâAartalâRadweg nutzt stellenweise die Trasse der ehemaligen nassauischen Kleinbahn â zwischen St. Goarshausen und Bogel radelt man entspannt dahin, bei moderater Steigung von maximal 4âŻ%.
Im Vergleich zum 16. %-Anstieg hinter Hahnstätten wirkt das wie eine Fahrrad-Autobahn.
Doch warum dieser entspannte Verlauf nicht konsequent weitergefßhrt wurde, bleibt ein Rätsel.
Denn was danach kommt, ist nicht etwa ambitioniert â sondern eher ein stiller Hilferuf nach einem Planungs-Update.
Man hat fast das GefĂźhl, der Rest der Strecke sei nach dem Motto entstanden:
âHauptsache irgendwie hoch, egal wie.â
Die nassauische Kleinbahn kannte wohl noch so etwas wie RĂźcksicht auf Steigungsprozente â heutige Planer offenbar nicht.
Fazit:
Der LoreleyâAartalâRadweg ist wie ein schlechter Witz:
Am Anfang lacht man, in der Mitte kämpft man, und am Ende weià man nicht, ob man weinen oder stolz sein soll.
FĂźr Genussradler ist er eine Herausforderung.
FĂźr Sportliche ein Trainingslager.
Und fĂźr mich? Ein Kapitel mehr in der Serie Wandern, Warten, Wahnsinn.
PS: Das Beitragsbild zeigt das HĂśhenprofil der Tour â den dramatischen Zacken nach Hahnstätten inklusive. Kein Filter. Kein Witz.