Mittwoch, 6. Juli 2016 – Ich möcht kein Servicepartner sein

Gestern Abend hatte ich noch eine lange dreier Telefonkonferenz, die für mich sehr aufschlussreich war. Es kommt tatsächlich Pfeffer in den den Markt der eCommerce-Lösungen. Ob das unterm Strich zum Vorteil für die Kunden und Anwender solcher Lösungen ist, wird sich erst noch zeigen. Aber schauen wir mal was sich da so ergeben hat.

Offensichtlich scheint die Stelle im Vertriebsinnendienst – Partnerbetreuung bei JTL besetzt worden zu sein, so dass wohl hinfällig ist, sich auf diese offene Stelle bei der JTL-Software GmbH zu bewerben. Das ist an für sich keine weltbewegende Nachricht, wenn hier nicht jemand zum Zuge gekommen ist, der diese Position bei einem Mitbewerber auch schon hatte. Damit dürfte der liebe Siegbert Emde in ruhigeres Fahrwasser gelangen, bzw. abgeschoben.

Mit diesem Personalwechsel dürfte der Methode Champignon bei der Partnerbetreuung nichts mehr im Wege stehen. Wer sich zeigt wird geköpft, bzw. verliert seinen Partner-Status und fliegt hochkant von der JTL-Partnerseite. Dabei ist es sehr spaßig zuzusehen wie die Karteileichen offensichtlich als Partner weitergeführt werden, obwohl sie Ihren Geschäftsbetrieb schon längst aufgegeben haben und der Link zur Homepage nur den Hinweis liefert, das diese Domain auf dem Server nicht mehr vorhanden ist. Schlecht gelaufen für einen Kunden, der ausgerechnet dort einen kompetenten Partner in seiner Nähe sucht.

Die Stelle des Qualitätsbeauftragen und Softwaretesters scheint noch offen zu sein, was sich auch daran zeigt, dass wie erwartet heute der nächste Release der Wawi veröffentlicht wurde. Ist eigentlich heute schon Freitag oder Patch-Day? Egal, aber vielleicht wäre es klüger bei der Qualität der eigenen Produkte anzufangen.

Eine alte Weisheit sagt, das Konkurrenz das Geschäft belebt. Viele kleine und mittlere Onlinehändler sind in den letzten 12 Monaten zu JTL gewechselt und stellen langsam fest, was sie sich damit eingefangen haben. Mein Artikel von gestern dürfte da wohl in die richtige Kerbe geschlagen haben. Man muss aber zur Ehrenrettung von JTL auch sagen, dass viele dieser kleinen Händler auf die eigenen Illusionen hereingefallen sind, die mit einigem Sachverstand und einem nüchternen Blick auf die Tatsachen nie standgehalten hätten. Schon Scheiße wenn man vor lauter Dollarzeichen die Realität nicht mehr sieht.

Die Realität sieht so aus, das ein Unternehmen einen mittleren 5-stelligen Betrag in seine IT-Infrastruktur ohne laufende Kosten stecken muss, wenn es nur eine einigermaßen vernünftige Lösung haben will. Alles andere ist einfach nur Flickwerk und wird dem Unternehmen früher oder später kräftig um die Ohren fliegen. Selbst eine Opensource-Lösung wie Odoo wird Unsummen an Beratungskosten verschlingen, bevor es halbwegs an die Anforderungen des Unternehmens angepasst ist. Und da ist die  Schulung der Mitarbeiter in den Umgang mit der Software nicht mit eingerechnet. Wer da für die wichtigste Software-Lösung seines Unternehmens nur ein Budget im gerade eben mal 4 stelligen Bereich ansetzt, sollte sich überlegen, ob er oder sie mit Krücken einen 100 Meter Sprint gewinnen kann.

Also ich möchte jetzt nicht alle Online-Händler pauschal zu Psychopathen oder Traumtänzern deklarieren. Aber bei vielen dürfte eine gewisse Naivität nicht von der Hand zu weisen sein. Das fängt bei der Kalkulation der Personalressourcen an und hört dann bei der Wahl der externen Dienstleister auf. Ausgerechnet dort, wo nur das Beste gut genug sein sollte wird der Rotstift angesetzt. Das man sich damit auch gleichzeitig die Probleme ins Haus holt, wird dann damit quittiert,  das grundsätzlich die anderen Schuld sind. Wer sich dann noch anderer Stelle beschwert, ist schon ziemlich schizophren.

Wenn JTL seine hausgemachten Probleme bis zur Jahresendralley nicht in den Griff bekommt, dürfte sich der Teil der Online-Händler, die noch über einen klaren Verstand verfügen, überlegen ob sie den Lösungen von JTL bleiben oder nicht besser mit anderen Lösungen zurecht kommen. Wenn dann noch die ersten Servicepartner die Faxen dick haben, und selbst unter diesen dürfte es eine latente Unzufriedenheit geben, dürfte im nächsten Jahr JTL ein ziemlicher Gegenwind ins Gesicht blasen. Da wird auch der neue Partnerbetreuer nicht viel ändern können als achselzuckend die Abwanderungsbewegung hinzunehmen. Und was gestern noch keine Sau kannte, könnte morgen schon der Renner werden. So schnelllebig kann das Geschäft sein. Und das erste Musterprojekt für Odoo ist bei mir schon in der Planung….

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