Monatsrückblick April – Und er weiß nicht was er will.

Unverhofft kommt oft, unverhoffter noch viel öfter. Unter diesem Nenner könnte man den April zusammenfassen. Es ist aber dann doch viel differenzierter gewesen. Neben positiven Überraschungen gab es auch eine ganze Menge, was dann doch stark zu denken gibt. Werfen ich also noch mal einen Blick zurück auf diesen wechselhaften Monat.

Große Überraschungen an der E-Commerce-Front gab es keine. Und wenn sich zwei streiten, freut sich irgendwann mal ein Dritter. Ich war dann doch über den Kindergarten ziemlich genervt, der via Social Media versuchte sich gegenseitig durch den Dreck zu ziehen. Der daraus resultierende mini Shitstorm war dann aber eher peinlich und zeigte nur, dass bei einigen in der E-Commerce Szene das geistige Niveau nicht sonderlich hoch sein kann. Der Rest hat es gelesen und kluger Art und Weise mal vorsichtshalber die Klappe gehalten.

Wer sich da mit Dreck beworfen hat und aus welchem Grund, spielt unterm Strich keine Rolle. Beide gehören schon mal nicht zu den Top-Akteuren in der deutschen E-Commerce Branche. Der eine hat, wenn überhaupt, einen mittelständischen Betrieb der Werkzeuge verkauft. Der andere führt einen Webseite weiter, die er noch nicht einmal selbst dorthin gebracht hat, wo sie heute steht. Und jetzt haben beide ihre eigene Facebook Fan-Gruppe, wo sie ordentlich Propaganda für die eigene Sache machen können. Ob ein Online-Händler dort die Informationen erhält, die sein Geschäft in neue Dimensionen heben, halte ich aber für äußerst unwahrscheinlich.

Eine Information, die ich aus der Szene herausziehen konnte, hat mich jetzt nicht unbedingt überrascht, aber dann doch verwundert. Das die E-Commerce Conans ihr eigenes Fullfillment Network starten wollen, haben Sie ja schon auf ihrer jährlichen Selbstdarstellungsveranstaltung angekündigt. Also ist es auch keine große Überraschung, das dieses Netzwerk sich jetzt in der Erprobung durch eine kasernierte Krabbelgruppe befindet. Auch das lässt mich völlig kalt.

Interessant ist ein anderer Aspekt, der auf den ersten Blick nicht so wirklich deutlich wird. Fullfillment by Amazon ist so der letzte Schrei bei allen, die nicht so wirklich wissen, was Sie mit Ihrer Zeit anfangen sollen. Also werden die letzten Euros zusammen gekratzt und in sinnlose Online-Schulungen investiert, wo man erhofft den Weg zu unendlichem Reichtum gezeigt zu bekommen. Das geht dann nach dem Motto, wie ich 60.0000 Euro in 5 Monaten verdiente (Umsatz wohlgemerkt!).

Jeder alte Hase aus dem Online-Versandhandel, der das ließt, haut sich bei solchen Marketingversprechern einmal ordentlich auf den Oberschenkeln und lacht sich anschließend fast Tod. Unser hoffnungsloser Harz IV Empfänger sieht hier aber seine Chance und geht bei chinesischen Billigproduzenten auf Einkaufstour. Am besten irgendwelcher Elektronikschrott, den kriminelle Hackerbanden kurz nach Inbetriebnahme gleich in ihr Botnet aufnehmen. Aber dazu komme ich noch später. Nun arbeiten ist nicht so wirklich die Sache unseres neugeboren E-Commerce Rockstar aus dem Glascherbenviertel. Und so sucht er nach einer Lösung, wie seine Produkte möglichst automatisiert an den nächsten Vollpfosten verhökert werden kann.

Hier kommen jetzt wieder unsere E-Commerce Conans ins Spiel mit ihrer kostenlosen Warenwirtschaftslösung und direkter Anbindung an eBay und Amazon für wenig Geld. Da Amazon wohl in Zukunft mit Online-Händler ohne Verstand nicht mehr ins Geschäft kommen möchte, dreht der Versandhandelsriese mal kräftig an den Einstiegsschrauben für sein FBA-Geschäft. Und die neue Generation der Entrepreneure sucht nach billigeren Alternativen seinen Schrott einzulagern. Und die eine oder andere abbruchreife Lagerhalle wird sich ja noch finden. Und schon haben wir den fast zu 100% automatisierten Online-Versandhandel. Genügend Idioten, die daran glauben und mitmachen, haben wir ja schon – Dank den Zuckerberg‘schen Fake-News-Groups.

Was dann herauskommt, wenn so ein Vollpfosten E-Commerce macht, kann man dann auch wunderbar auf Facebook erleben – sofern man in den richtigen Gruppen ist. Hilfe mein Amazon Account wurde gehackt und jetzt steht hier endlich mein Telefon nicht mehr still, weil erboste Schnäppchenjäger anrufen oder sich per Mail beschweren. Die rumänischen Hacker haben dann mal gleich sichere Kennwörter gesetzt, ihre Fake-Artikel hochgeladen und schon die Plünderung des Guthabens bei Amazon eingeleitet. Und unserem E-Commerce-Rockstar geht der Arsch auf Grundeis.

Von diesem Geschäftsmodell können alle hervorragend Leben, bis auf unseren E-Commerce-Rockstar. Bei dem dürfte der finanzielle Super-GAU fast unausweichlich sein. Aber schauen wir mal, was wir jetzt haben. Wir haben ein Heer von IoT-Geräten, die nicht wirklich auf Ihre neuen Eigentümer hören, sondern als Zombies Teil von Botnets sind. Wir haben rumänische Hackerbanden, die via social Engineering Amazon Accounts kapern und darüber Online-Händler und Kunden abzocken. Fehlen eigentlich nur noch ein paar Script Kiddies, die dem ganzen per Distributed Denial of Service Attacke quasi das Sahnehäuptchen oben drauf setzen.

Keine Angst – auch das hat der April hergegeben. Nein unsere Möchtegern-Hacker haben nicht die großen Marktplätze direkt lahmgelegt. Dafür hat ihr Botnet dann doch nicht ausgereicht. Aber sie haben unwissentlich den Nerv der Branche getroffen und dabei auch noch mächtig viele Fehler gemacht. Mal abgesehen davon das die Lösegeldforderung von wahnwitzigen 250 Euro für DHL und Hermes nicht erfüllbar waren.

So waren also folgerichtig die Geschäftskundenportale von DHL und Hermes für ein paar Stunden für unsere E-Commerce-Rockstars nicht erreichbar. Und schon kam der nächste an, der hier ein Geschäft witterte, und beschwor die neue Gefahr für die E-Commerce-Branche herauf: DDoS Attacken von Script-Kiddies gegen Online-Händler und Ihre Shops. Na ja –  offensichtlich ist es lukrativer einen Amazon Account zu kapern.

Das Microsofts Windows und sein Office die Haupteinfallstore für jegliche Form von Schädlingen sind, hat sich offensichtlich noch nicht in der deutschen E-Commerce Szene herumgesprochen. Anders lassen sich diverse Äußerungen in der zuckerberg‘schen Bedürfnisanstalt nicht erklären. Von Software Restricted Policies, kurz SRP, dürften die meisten Online-Händler noch nie etwas gehört haben. Dafür fallen sie auf die gleichen Marketingversprechern der Antiviren-Software-Hersteller gleich massenweise herein, mit denen sie ihre Kunden ködern.

In jedem Fall können wir den Prozess E-Commerce jetzt wie folgt neu definieren:

  1. Chinesischer Händler verkauft seinen IoT-Schrott an deutschen Online-Händler
  2. Dieser verhökert den Schrott via Amazon an den Endverbraucher.
  3. Der Deutscher Haschisch Lieferant DHL liefert den Schrott an den Endverbraucher.
  4. Rumänischer Hacker bindet den IoT-Schrott in sein Botnet ein.
  5. Script-Kiddies mieten das Botnet der Rumänen für eine Distributed Denial of Service Attacke und bezahlen dieses mit Mamas Taschengeld.
  6. Script Kiddies führen DDoS-Attacke gegen den Deutschen Haschisch Lieferanten DHL aus (dieser war zur einer Stellungnahme bis jetzt nicht bereit, wird sich aber so schnell wie möglich melden – DHL, dauert halt länger!) und Script Kiddies sind Taschengeld los.
  7. Deutscher Online Händler weint auf Facebook, das er keine Ware versenden kann.
  8. Rumänische Hacker kapern daraufhin Amazon-Account von Deutschen Online-Händler und stellen mehrere tausend Fake-Artikel online, die deutsche Vollpfosten (Schnäppchen geile Endverbraucher) bei Amazon bestellen.
  9. Deutscher Online-Händler weint wieder auf Facebook, weil rumänische Hacker seinen Account unter ihre Kontrolle gebracht haben und sich mit der Kohle und rumänischen Nutten in die Karpaten abgesetzt haben.
  10. Deutscher Endkunde weint jetzt, weil der nette zugedröhnte Fahrer mit orientalischer Musik in Disco-Lautstärke nicht anhält und das Paket bei der hübschen Nachbarin abgibt.

Wer jetzt noch glaubt das hätte ich mir ausgedacht, der irrt sich gewaltig. Und mal ganz ehrlich, kann man die vielen kleinen Online-Händler in diesem Land und ihre Zulieferer noch ernst nehmen? Und Schuld an allem sind ganz klar die Chinesen mit Ihrem Internet of Shitty Things!

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