Nur ein paar Gedanken zum Thema sponsored Post

Ich habe gestern eine Anfrage für einen sponsored Post erhalten. Prinzipiell bin ich für solche Anfragen offen. Als Blogger will man ja auch irgendwann von seinem Blog leben können und bei Fashion, DIY und Reisebloggern ist so etwas gang und gäbe. Die Anfrage ist deshalb so verlockend für mich, da ich hier freie Hand bekommen soll und ein Produkt kritisch bewerten soll.

Viele Blogs verkommen zu reinen Werbeschleudern. Es werden nicht nur Werbeflächen verkauft. So mancher Artikel wird im Auftrag von Unternehmen geschrieben. Besten Falls werden diese dann noch mit dem Hinweis “Werbung” oder “sponsored Post” versehen. Ob der Leser eines Blogs solche künstlichen Inhalte lesen will, spielt aus Sicht der Autoren gar keine Rolle mehr. Hauptsache die Auftraggeber zahlen gut.

Dr. Schäfer, willst du nicht mal deinen Blog kommerziell nutzen und einen Testbericht fahren für welchen du Entgelt erhältst.

Natürlich will man so etwas machen. Nur denke ich gerade an die Mama mit drei Kindern, die einen Testbericht über Windeln in ihrem Blog veröffentlicht. Für Testberichte braucht man aber eine Menge an Hintergrundwissen, um hier einem Verbraucher eine Hilfe für die Entscheidungsfindung an die Hand zu geben.

Was ich als Blogger bestenfalls machen kann, ist meine persönlichen Erfahrungen mit Inkontinenzwindeln zum Besten zu geben. Dafür interessiert sich aber leider eine Altersgruppe, die nur zu einem gewissen Teil regelmäßig nach solchen Dingen im Internet sucht.

Beim Test eines Produktes müssen Benchmarks gefahren werden, die Software muss auf mögliche Programmierfehler untersucht werden. Das Benutzerverhalten muss simuliert werden und Fehleingaben produziert werden, um das Verhalten einer Software bei Abstürzen überprüfen zu können. Also richtig viel Arbeit, für einen einzelnen Artikel.

Großer Shopsystem Vergleich – Die 38 besten Lösungen im Überblick<

Um 38 Shop-Systeme zu vergleichen und muss man noch viel mehr Arbeit investieren. Die Firma Weclapp GmbH hat auf ihrer Seite unter https://www.weclapp.com/de/blog/shopsystem-vergleich/ einen Beitrag mit dieser Überschrift veröffentlicht und die Krabbelgruppe vom Niederrhein hat sofort Hurra geschrien und den Artikel via Facebook publik gemacht.
Der Beitrag fängt auch sehr gut an und ist flüssig zu lesen. Einleitet wurde mir erklärt, das man die Shop-Systeme in vier Kategorien unterteilt hat:

  • Open Source
  • On Premise (Kaufsoftware)
  • SaaS-Lösungen (Mietsoftware)
  • Erweiterungen (Plugins)

Nun wundert es mich, dass der Webshop von JTL ausgerechnet in der Gruppe der Open Source Webshop Lösungen gelandet ist. Es wäre mir jetzt völlig neu, wenn JTL ihr Hauptprodukt unter einer Open Source Lizenz wie der GNU General Public License veröffentlicht haben. Und somit ist der komplette Inhalt des Artikels der Weclapp GmbH für mich jedenfalls völlig für den Allerwertesten.

Ich denke mal, ihr wollt hier auf meinem Blog solchen Unfug nicht vorgesetzt bekommen. Solche Artikel, wie der von der Firma Weclapp GmbH, werden für Suchmaschinen und DAUs geschrieben. Auch wenn ich euch meine lieben Leser gerne als solche beschimpfe, so halte ich die überwiegende Mehrheit von Euch für intelligenter. Und der Rest bekommt ja schon einen neuen Hafen mit wertvollen Informationen zu ihrem Lieblingsspielzeug.

Ein guter Blog besticht nicht alleine dadurch, dass er seinen Lesern einen Mehrwert bietet. Ein guter Blog spiegelt vor allem die Meinung und die Erfahrungen des Autors wieder, in denen sich der Leser wiederfinden kann. Meine Lieblingsbloggerin Lydia Zoubek hat es auf den Punkt gebracht.

Ein Blogger braucht eine Mission

Somit hat mir ein blinder Mensch die Augen geöffnet und ist auch ein kleines bisschen mit an meiner Entscheidung beteiligt, einen Teil meiner Arbeit ein neues Zuhause zu geben.

Im übrigen sind die ersten 5 Beiträge am Sonntag umgezogen und haben auf der Homepage der eBakery von Mohammed Ali Oukassi das ideale Zuhause gefunden.

Und wie habe ich mich bezüglich der Anfrage entschieden?

Ich werde den Artikel zu diesem Thema vielleicht schreiben, aber auf gar keinen Fall hier veröffentlichen. Es passt einfach nicht mehr hier in diesen Blog.

3 Gedanken zu „Nur ein paar Gedanken zum Thema sponsored Post“

  1. Also, wenni ich Werbung haben will, schalte ich das Fernsehen oder Radio ein. Hingegen bin ich auf einem Blog über einen Erfahrungsbericht dankbar. Wenn also die Mama von drei Kindern über ihre Erfahrung mit den Windeln xy schreibt, ist das in Ordnung. Fachwissen erwarte ich hier nicht. Wenn sie aber mit irgendwelchen HintergrundInformationen kommt, dann will ich wissen woher diese sind.

  2. Es ist halt ein schwieriges Thema. Aber ich gebe mich auch nicht als Jubelperser her. Bei unserem Gaming-Weblog gab es damals ständig Diskussionen, weil wir ein Spiel schlecht bewertet haben, dessen Bewertung wir uns bezahlt haben lassen.

    Generell ist es aber schwer seinen Content zu monetarisieren. Da fehlt dem Leser halt auch ein wenig das Feingefühl, mal bei guten Blogs den Adblocker auszuschalten. Gute Links mal zu teilen oder sich in nen Newsletter einzutragen.

    Diese Toplisten gehen mir auch total am Senkel. Ich will keine Auflistung von möglichen Tools erhalten, die meine gewünschte Funktion erfüllen. Dann könnte ich auch Google verwenden. Sondern ich möchte Erfahrungsberichte. Dass jemand als einzelner Blogger nicht hunderte (z.B.) Collaboration-Tools austesten kann ist mir klar. Aber dann solln se halt 2-3 testen und die vergeleichen. Oder es halt ganz lassen, wenn man sich den Aufwand nicht machen soll.

  3. @Lydia, gegen die Einblendung von Werbung auf einem Blog ist nichts einzuwenden. Irgendwie muss sich ein Blog-Projekt auch gegen finanzieren. @Robert, wie viel Umsatz mir durch den Einsatz von Addblockern flöten geht kann ich nicht einschätzen. Ich gehe mal davon aus, dass für meinen Blog es wohl um die 10% sein werden. Aber das ist nur eine Vermutung.

    Gegen Inhalte, die eigentlich nur Werbung sind, habe ich schon etwas.

    Ja das Thema sponsored Post ist ein schwieriges Thema. Meine Erfahrung mit sponsored Post ist die, das es auf diese Artikel sehr wenig Resonanz gibt und außer der Einmalzahlung ich nichts gewonnen habe.

    Der Fokus beim Bloggen und bei der anschließenden Monetarisierung sollte sein, möglichst den Großteil der Leser über die organische Suche auf den Blog zu bekommen. Meine Erfahrung ist, das die Besucher aus den sozialen Medien eher nach dem Lesen meines Beitrages auch dort wieder abwandern.

    @Lydia und @Robert: Vielen Dank für Eure Gedanken zu diesem Thema.

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