Paris – Ein Anschlag auf uns alle und die Freiheit

Es klingt schon etwas surreal. Ich sitze vor der Glotze und schaue mit einem Auge zu, wie 22 überbezahlte Männer auf einer Rasenfläche von ca. 100 mal 50 Metern einem Ball hinter her rennen. Was sich wie die Explosionen von Feuerwerkskörpern anhörte, wer denkt schon bei einem Freundschaftsspiel an Terror, war in Wirklichkeit der Detonationsknall der Bomben, mit denen sich Selbstmordattentäter vor dem Stade de France in die Luft sprengten. An sechs Orten, fast gleichzeitig, hat der sinnlose Terror fanatischer Extremisten seine blutige Spur durch die französische Hauptstadt gezogen. Unsere Gedanken sind jetzt bei den Schwerverletzten und Hinterbliebenen unserer französischen Freunde. Dieser Anschlag war kein Terror im Namen irgendeiner Religion, es war ein Frontalangriff auf die Freiheit und Demokratie mitten in Europa.

Mit Helmut Schmidt ist diese Woche ein Mann von uns gegangen, den wir jetzt eigentlich bitter nötig bräuchten. Ein Mann der gelernt hat mit der Waffe umzugehen, der weiß was Krieg bedeutet und der in Krisensituation auch Entscheidungen trifft, die nicht unbedingt populär und auf den eigenen Machterhalt ausgerichtet sind. Bei der jetzigen Berliner Puppenkiste bin ich mir nicht so ganz sicher, ob sie mit den Herausforderungen fertig wird und in der Lage ist, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Die Anschläge in Paris haben gezeigt, dass wir im Krieg sind und dieser Krieg wird mit anderen Mitteln geführt. Heimtückisch, versteckt und mit beispielloser Brutalität gegen Zivilisten. Es geht in diesem Krieg darum, die Grundfesten unserer Gesellschaft aus den Angeln zu heben, Freiheit und Demokratie.

Zäune, Mauern und Grenzkontrollen können aber nicht die Antwort auf diese Bedrohung sein. Es sind nicht die Flüchtlinge aus Syrien, welche die Bedrohung darstellen. Sie flüchten ja vor den brutalen Mörderbanden aus ihrer Heimat. Egal ob nun NSU (nationalsozialistischer Untergrund) oder Terroristen im Namen irgendeiner Religion, es sind immer die gleichen Charaktere, die zu diesen Gräueltaten neigen. Es sind die Verlierer der Globalisierung.

Paris zeigt eins mehr als deutlich, wir können uns nicht mit globaler Überwachung der neuen Medien und Kommunikation vor diesem Terror schützen. Wir können diesen Terror nur stoppen, in dem wir alle schnell lernen umzudenken und der Politik endlich klarmachen, dass sie unabhängig von Interessenverbänden und eigener Profilneurose handeln muss. Wir brauchen Antworten auf die Probleme der Globalisierung und wir müssen den Reichtum der damit erwirtschaftet wird dafür einsetzen, die Verlierer dieser Entwicklung mitzunehmen. Wir müssen Stärke zeigen gegen diejenigen, die aus der Globalisierung den größten Profit ziehen und sich ihrer gesellschaftlichen Verantwortung durch die Flucht in Steueroasen entziehen. Sie sind für den Tod Unschuldiger in Paris mit verantwortlich. Sie haben mit ihrer Rücksichtlosigkeit und Verantwortungslosigkeit dies erst möglich gemacht.

Der gestrige Abend in Paris war ein schwarzer Tag für Europa und noch ein dunklerer für die Freiheit und Demokratie. Ich brauche keine Glaskugel um die Folgen dieser Anschläge mir auszumalen. Der Deutsche Michel wird in Scharen in die Hände der nationalistischen Rattenfänger überlaufen. Forderungen nach Ghettos und Lagern für Muslime werden gesellschaftsfähig und wenn man sie nicht los wird, steht wieder die Frage der Endlösung im Raum. Im rechten Lager dürften Gestern die Sektkorken geknallt haben, bei so viel Freude über die unverhoffte Wahlkampfhilfe. Und der deutsche Michel kommentiert am Stammtisch die Reaktionen des Élyseé Palast so: „Der Franzose hat vollkommen Recht. Grenzen dicht machen und das ganze ausländische Pack wieder in die Wüste schicken. Mir brauchen kein Multikulti.“ Und die Antwort aus der Berliner Puppenkiste lautet nur noch mehr Vorratsdatenspeicherung und Überwachung. Wenn aber die erste Bombe in Deutschland hoch geht, wird die Stimmung kippen und es wird zur Jagd geblasen. Waldmanns Heil und gute Nacht Germania Superior, das ist der Anfang vom Ende….

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