Performance Probleme beim (JTL) SQL Server – Lösung

Diese Woche hat mich mal wieder ein Hilferuf eines verzweifelten Online-Händlers erreicht. Das öffnen eines Artikels dauert bei Ihm so cira 5 bis 8 Sekunden. Thomas hat schon den Support von JTL kontaktiert und auch die Maßnahmen seines Schraubkopfs haben nicht sonderlich viel gebracht – genau genommen eigentlich gar nichts! Bevor also jetzt jede Anfrage hier im Detail beantworte, gibt es hier mal wieder richtig was auf die Ohren.

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Klassisches Thema: Vollpfosten programmiert für Dummy irgendwas und Dummy jammert. Nein ich will nicht zum Weltverbesserer werden. Mir ist es wurscht, was die einen machen und ob die anderen damit klar kommen. Was geht mir anderer Leute Elend an? Ich habe auch keine Lust alles zehn Mal erklären zu müssen. Wer schlauer sein will, darf es gerne sein. Ich wette aber schon jetzt jetzt, das auch dieser Artikel wieder Maßstäbe setzen wird und die ganzen Hobby-Schraubköpfe, die sich als JTL-Servicepartner registriert haben, diesen Artikel dazu nehmen, ihren Dummys die Netzwerke einzurichten.

Die Kunst bei der Netzwerkplanung ist es die optimalen Komponenten zusammenzustellen und dann auch noch richtig zu konfigurieren. Wenn ich keine Ahnung davon habe, dann sollte ich es lassen. Ich sollte auch nicht an fremden Netzwerken herumzupfuschen. Was ich hier jetzt zum Besten gebe ist für 80 Prozent aller Unternehmen, welche die JTL-Wawi als Warenwirtschaftssystem verwenden, als quasi Standard zu sehen.

Und weil ich weiß Gott besseres zu tun habe, als den Pfusch anderer gerade zu biegen, hier meine Meinung dazu.

Was ist ein SQL Server?

Ein Datenbankserver als Teil einer „mehrschichtigen Serverarchitektur“ beherbergt ein oder mehrere Datenbanksysteme, auf die von einem entfernten Applikationsserver zugegriffen wird. Beide Systeme werden in der Regel bei einem hohen Datenvolumen auf zwei tatsächlich unterschiedlichen Rechnern betrieben. Das dient dem Ziel, Daten über viele Clients zu sammeln oder vielen Clients zur Verfügung zu stellen.
Quelle Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Datenbankserver

In unserem Fall verwenden wir den Microsoft SQL Server als Datenbankserver. Das ist eine Software, die wir auf einem speziell dafür vorbereiteten Rechner installieren werden. Den Microsoft SQL Server gibt es in verschiedenen Editionen. Die Microsoft SQL Server Express Editionen können kostenlos verwendet werden. Sie haben dafür Einschränkungen in der Funktionalität, die erst mit der kostenpflichtigen Standard bzw. Enterprise Edition aufgehoben werden. Schauen wir uns mal die Einschränkungen an.

Microsoft SQL Server 2008 R2 Express

  • Es wird nur ein Prozessor bzw. ein Prozessorkern verwendet.
  • Die Express-Edition nutzt maximal 1 GB Arbeitsspeicher.
  • Eine Datenbank darf maximal 10 GB groß sein (in 2008 R1 nur 4 GB).

Microsoft SQL Server 2012, 2014, 2016 Express

  • Es wird nur ein Prozessor, aber bis zu 4 Prozessorkerne verwendet.
  • Nutzt maximal 1 GB Arbeitsspeicher.
  • Eine Datenbank darf maximal 10 GB groß sein.
  • Die Volltextindexierung und -Suche ist nur in der Edition „Express with Advanced Services“ möglich.
  • Der Dienst „SQL Server-Agent“, welcher z. B. die automatische Datensicherung steuert, ist nicht enthalten.

Damit dürfte klar sein, das wir Minimum die SQL Server 2012 Express with Advanced Services verwenden sollten, wenn wir ein einigermaßen flottes System haben wollen. Und für die Dummys die jetzt glauben ein einfaches Update reicht aus – die Datenbank muss auch auf den Stand des SQL Servers angehoben werden, ansonsten gelten die Einschränkungen der Datenbank-Version.

Damit haben wir schon mal die Version des SQL Servers geklärt.

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Wo soll ich den SQL Server installieren?

Wie der Name es schon sagt handelt es sich hier um einen Server. Und wenn es sich hier um eine Netzwerkinstallation handelt, dann gehört der SQL Server auch auf einen Server – das ist sowohl Hardware wie auch Software seitig so zu sehen. Unser Server muss jetzt nicht komplett redundant konfiguriert sein. Bei unserer kleinen Firma reicht auch ein sogenannter Arbeitsgruppen-Server für kleine Teams aus. Es geht hier nicht nur um die Performance. Eine entsprechende Workstation rechnet genauso schnell. Aber ich brauche auf meinem Server weder Solitär, noch ein Office, noch sonst irgendeine Anwendung als die jetzt genannten:

  • Microsoft SQL Server 2014 Express with Advanced Services (Datenbank kleiner 5 GB ansonsten Standard Edition)
  • JTL Wawi 1.1.x.x oder höher
  • bei Bedarf Unicorn 2
  • ClaimWin free Antivirus

Ich installiere meinen SQL-Server also auf einem Server-Betriebssystem und nicht auf irgendeiner Windose an der meine Praktikantin dann ihre Solitär-Meisterschaft austrägt.

Welches Serverbetriebssystem soll ich den jetzt verwenden?

Für kleine Teams und Arbeitsgruppen gibt es von Microsoft den Windows Server 2012 R2 Foundation. Dieser Server ist die einzig richtige Wahl, wenn mein Online-Handel mehr als 3 Mitarbeiter aber kleiner 10 Mitarbeitern ist. Damit kommt dieser Server für 80 Prozent der Wawi Installationen in Frage. Hat der Online-Händler weniger Mitarbeiter sollte er sich überlegen, ob Tomatenzüchten nicht die bessere Berufswahl ist.

Auf welcher Hardware installiere ich meinen SQL-Server?

Da ich den Microsoft Server 2012 R2 Foundation verwende, ist die Frage nach der Hardware zweitrangig. Dieser Server wird ausschließlich mit der passenden Hardware über zertifizierte Distributoren vertrieben. Passende Geräte gibt es bei Dell, HP, IBM, Wortmann oder Hyrican, um ein paar Hersteller zu nennen. Bei der Konfiguration ist nur darauf zu achten, das unser Server mindestens 8 GB hat und wir zusätzlich 3 SSDs für die Datenbankdateien mit bestellen, damit wir diese später auf schnellen Festplatten ablegen können. Beim Prozessor würde ein Pentium 4 Quad-Core Prozessor völlig ausreichen (wir verwenden die SQL Server Express Edition). Ist unsere Datenbank größer 10 GB sollten wir einen Intel XEON mit mindestens 2 Kernen und 4 Prozessoren und mindestens 16 GB RAM verwenden. Beim Arbeitsspeicher ist darauf zu achten, dass es sich um ECC Module (mit Fehlerkorrektur) handelt. Ansonsten sollten 2 24/7 SATA Festplatten mit mindesten 500 GB Speicherkapazität im RAID 1 verbaut sein. Der Einstiegspreis für so eine Kiste dürfte so bei rund 2.000 Euro liegen.

Wie konfigurieren wir den Server?

Für jeden Benutzer im Netzwerk müssen wir uns den lokalen Benutzernamen an seinem Arbeitsplatzrechner notieren und diese auf unserem Server einrichten. Jeder Benutzer muss auch ein Passwort auf seinem Rechner einrichten und genau dieses Passwort wird auch am Server verwendet. Danach können wir auf unserem Server die Freigabe für unser Datengrab einrichten. Jetzt können die Anwender schon mal ihre Dateien, Bilder oder Heimatfilme auf dem Server ablegen und danach suchen.

Danach installieren wir die Datenbank. Bei der Installation achten wir darauf, dass wir das Instanzstammverzeichnis auf Partition des Betreibssystems legen, in der Regel c:\Program Files\MS SQL Server. Dorthin legen wir auch das Backup-Verzeichnis. Auf die erste SSD packen wir das Benutzerdatenbankverzeichnis, auf die zweite SSD die Verzeichnisse des Benutzerdatenbankprotokolls und auf die dritte SSD die Temp-Dateien. Hier sollten wir für jeden Prozessor eine Datei anlegen also insgesamt 4.

Haben wir den SQL Server richtig installiert müssen wir nur noch ein paar kleine Konfigurationen durchführen, damit unsere Benutzer von Ihren Rechnern drauf zugreifen können, der Worker als Dienst gestartet wird und die Sicherung einmal am Tag automatisch durchgeführt wird.

Delta Whiskey – das wars. Für einen alten Hasen ist das ein gemütlicher Vormittag, sofern der Server richtig konfiguriert per Deutschen Haschisch Lieferanten, kurz DHL, ins Haus kommt.

Auf was muss ich sonst noch achten?

Für die tägliche Datensicherung der Datenbank sollten 2 bis 7 USB-Sticks mit 16 GB Speichervolumen vorhanden sein, die im Wechsel einfach in einen mit einem Aufkleber gekennzeichneten USB-Port gesteckt werden. Der Server braucht weder Monitor, noch Maus und Tastatur und jeder Schraubkopf der danach fragen sollte, ist mit einem Tritt in den Hintern aus der Tür zu befördern. Der Typ hat keine Ahnung – Schraubkopf halt eben!

Unser Server sollte auch ein hübsches Plätzchen erhalten. Nicht zu warm oder feucht. Wir müssen darauf achten, das er genügend frische Luft bekommt und einmal im Jahr sollten wir ihn auch mal von innen und außen vom lästigen Staubpartikeln befreien.

An jedem zweiten Mittwoch im Monat meldet sich jetzt noch der Oberdummy per Remotedesktop am Server an, holt sich die Updates von Microsoft, installiert diese und macht dann einen Neustart – Reboot tut immer gut. Das ist die einzige administrative Aufgabe die wir an unserem Server erledigen müssen und das kann sogar die Praktikantin erledigen. Dafür brauchen wir keinen Schraubkopf.

Wer mit mit dieser Konfiguration dann noch Performance-Probleme hat, darf sich dann gerne hier melden. Alle anderen müssen halt eben mit einer langsamen Wawi leben. Ich kann es nicht ändern! Was anderes würde ich persönlich auch nicht anrühren.

20 Gedanken zu „Performance Probleme beim (JTL) SQL Server – Lösung“

  1. Der Grund, weshalb die Öffnung eines Artikels in der Wawi so lange dauert, ist in 99,9% aller Fälle der automatische Preisvergleich (Vollkatastrophe) und nicht eine fehlerhafte Servereinstellung. Bevor sich Hobbyschrauber ans Werk machen, Serverumgebung zu “optimieren”, sollten sie nach dieser ganz simplen Ursache forschen.

    1. Lieber Ingo,

      ich kenne eine 99,9% Verfügbarkeit, 99,9% der Fälle lassen schon 0,1% andere Möglichkeiten zu. In diesem Artikel geht es nicht ums Optimieren, sondern um eine Grundkonfiguration eines Datenbankservers im Arbeitsgruppenumfeld. Also um die anderen 0,1% ausschließen zu können, da sich ansonsten der Softwarehersteller genau auf diese berufen wird, habe ich hier beschrieben, wie so ein Server aussehen sollte. Betonung liegt tatsächlich auf sollte, da mir völlig klar ist, das sich keiner daran halten wird. Meine Erfahrung hat mich aber gelehrt, dass da draußen in den KMUs Kisten stehen, die sich besser für Solitär-Meisterschaften eignen.

      Um nach einer Ursache “forschen” zu können, sollte ich alle möglichen Fehlerquellen schon im Vorfeld ausschließen können. Weil ansonsten könnte es sein, dass die von Dir beschreibene Ursache, gar nicht das Problem ist. Auch wenn ich kein Freund von JTL bin, wäre ich hier mit einer Aussage sehr vorsichtig.

      Gruß Michael

  2. ja und der macht die performance so langsam oder wie…? versteh ich grad nicht so ganz…muss man ja wenn auch iwo abstellen oder erstmal anstellen oder?

    1. Kann man auch, nur scheint es laut Forum da so ein paar kleine Schwierigkeiten zu geben, mit dem abstellen. Erklärt aber dann nicht, warum die Performance am Arbeitsplatzrechner extrem langsam ist, während am Server die Zugriffszeiten normal sind.

      Ich habe die Woche die Möglichkeit meinen theoretischen Ansatz in der Praxis mit Daten und Screenshots nachzuweisen.

  3. ah fein…na da bin ich mal gespannt aber kann nur bestätigen am server selber sind die zugriffszeiten ok, aber am arbeitsplatzrechner gefühlt ne ewigkeit…

  4. Preisvergleich: Anfangs war meine Hoffnung, dass die Ursache tatsächlich dort zu suchen ist. Diese Funktion ist seltsam, um nicht zusagen falsch, programmiert: man kann sie in der WAWI nicht abschalten, sonderen muss den Support bitten, die Lizenz dafür zu deaktivieren.

    Hat aber bei mir nicht geholfen.

    Nun hat Michael quasi eine ideale Standardkonfiguration beschrieben. Was mir aus dem Vorstehenden aber immer noch nicht einleuchtet: Warum kommt es zu dem Effekt, den auch Daniel hat, dass die Antwortzeiten auf den Workstations so schlecht sind, auf auf dem Server selbst jedoch völlig akzeptabel?
    (Hinweis: Diverse Netzwerk-Komponenten, Firewalls etc. wurden getestet)

    Oder anders gefragt: Was macht ein “SQL Server 2012 Express with Advanced Services” gegenüber meinem “SQL Server 2008 R2” besser, dass die Performance an den AP-Rechnern entscheidend gesteigert wird? Dass die Performance in der oben beschriebenen Konfiguration ggü. meiner Ist-Konfiguration besser ist, bezweifle ich keinesfalls. Nur ist mir rätselhaft, warum ein Artikelstamm am Serverseitigen Wawi-Client in unter einer Sekunde angezeigt wird, die Übertragung des selben Ergebnisses an einen Arbeisplatz-Client aber 5 – 8 Sekunden dauert.

    1. Hallo Thomas,

      die Antwort auf Deine Fragen findest Du in den Einschränkungen des SQL Servers. Der SQL Server 2008 R2 arbeitet nur mit einem Kern des Prozessors, während der SQL Server 2012 Express with Advanced Services mit maximal 4 Kernen auf einem Prozessor arbeitet. Und da Anfragen direkt auf dem Server schneller bearbeitet werden, als Anfragen aus dem Netz, kommt es zu dem von Dir beschriebenen Phänomen. Und dabei spielt die Preisvergleichsfunktion in der Wawi gar keine Rolle.

      Wie ich oben im Artikel schon beschrieben habe, kommt es auf die richtige Wahl der Komponenten an, das diese so konfiguriert sind, das sie optimal zusammen passen und das alles sauber dokumentiert ist (siehe Artikel zum Thema Clientmanagement). Alles andere ist Bastelei und kostet nur unnötig Zeit und damit auch Geld.

      Gruß Michael

  5. Hallo Michael,

    danke für die Klarstellung. Für mich wäre es wirtschaftlich nicht zu vertreten, die von Dir empfohlene HW+SW-Infrastruktur quasi auf der grünen neu aufzusetzen. Insofern betrachte dies als Anregungen, bei Ersatzinvestionen sich in diese Richtung zu entwickeln. Für jemanden, der sowieso gerade seinen Server ersetzen will oder ganz neu einsteigt, sieht das natürlich anders aus.

    Ich versuche daher eine Light-Variante und nehme in Kauf, dass Du das eventuell als nicht zielführend ansiehst, weil Kompromisse eingegangen werden. Aber so ist halt die Welt. So werde ich also im nächsten Schritt den vorhandenen SQL-Server 2008 R2 gegen den Microsoft SQL Server 2014 Express with Advanced Services ersetzen einschließlich Datenbank-Migration. Das wird schon ein “Abenteuer” und daher warscheinlich aus Sicherheitsgründen nichts mehr vor Weihnachten.

    Werde berichten, ob bzw. was die Maßnahme gebracht hat.

    Gruß
    Thomas

    1. Hallo Thomas,

      vielen Dank für deine Rückmeldung. Das ganze Leben besteht aus Kompromissen, die man eingehen muss. Aber damit sprichst du einen Punkt an, an dem das ganze System JTL Wawi krankt und aus meiner Sicht nie auf einen grünen Zweig kommen kann. Wenn Unternehmen auf Grund wirtschaftlicher Zwänge genau dort zu sparen, wo eigentlich die Grundlage für ihren wirtschaftlichen Erfolg liegt, dann läuft dort aus meiner Sicht etwas mächtig schief.

      Manchmal frage ich mich sogar, wie die Händler ohne eine vernünftige Infrastruktur überhaupt effektiv und erfolgreich arbeiten können. Zum Beispiel werden im Online Handel durch ein fehlendes Retouren-Management pro Minute 220.000 Euro durch den Kamin gejagt, weil Artikel bis zu 4 Tage im Lager liegen, bis sie wieder eingebucht sind und somit wieder über den Webshop verkauft werden können. Das setzt natürlich voraus, das die Unternehmen über die entsprechenden Systeme verfügen und die Prozesse auch dahingehend optimiert sind.

      Kein Angst, ich fange jetzt nicht mit Tomatenzüchten an. Aber ich weiß, dass viele kleine Online-Händler so denken wie Du. Ich weiß aber auch, das Sie genau am falschen Ende sparen.

      Gruß Michael

  6. “Ich weiß aber auch, das Sie genau am falschen Ende sparen.”

    Das Folgende kommt eine wenig vom Thema ab, doch mir scheint, ich muss hier eine Lanze für die vielen (kleinen) Händler brechen. Unternehmer handeln in einer komplexen Welt und und gerade Kleinunternehmer müssen immer wieder in Kauf nehmen, dass sie keinem Unternehmensbereich das Optimum herausholen können.

    Die Marketing-Leute wollen mir beispielsweise die besten SEO-Tools und Maßnahmen aufschwatzen, genau mit dem gleichen Argument: Wer hier spart, spart am falschen Ende. Und ebesno die Juristen (man muss sich ja gegen alle möglichen Risiken absichern), Buchhalter, Webdesigner, diverse Tool-Anbieter etc. etc.
    Das Problem: Man kann sich mit begrenzten Ressourcen nicht alle Wissensgebiete in der wünschenswerten Tiefe erschließen und/oder die bestmöglichen Produktionsabläufe aufbauen.

    Das gilt übrigens insbesondere für Personal. Gute Leute sind Key-Success-Factors, aus meiner Sicht noch mehr als die IT-Infrastruktur. Und für Händler sind auch marktgängige Produkte enorm wichtig, was permanente Marktbeobachtung bedeutet. So könnte ein gute Vertriebler das Unternehmen viel stärker voran bringen, als ein superperformanter Server, zumindest solange, bis die Vielzahl der Daten nicht mehr von den Systemen erarbeitet werden kann.

    Wenn man also Kleinunternehmer nicht die Top-Ausstattung hat, aber mit dem Vorhandenen sein Geschäft betreiben kann (auch wenn es vielleicht besser gehen könnte), dann kann dies durchaus ein sinnvolles, rationales Vorgehen sein. Jederzeit muss die Entscheidung getroffen, welcher Engpass mit welchem Aufwand zu beseitigen ist bzw. wo der nächste Euro Investition den höchsten Nutzen bringt. Ich kann ein Stück weit verstehen, dass ein IT-Mann angesichts eines scheinbaren Herumstümperns auf seinem Fachgebiet die Hände über den Kopf zusammenschlägt. Doch wie gesagt, das kann aus Sicht des Händlers durchaus sinnvoll und wirtschaftlich sein.

    Grüße
    Thomas

  7. Schöner, wenn auch nicht immer netter Artikel. MS Server 2016 gibt’s nicht mehr als Foundation Edition. Welche Edition empfiehlst du hier?

    Die Verwendung der SSD-Platten leuchtet ein. Aber sollten diese nicht auch gespiegelt werden?

    In einem Punkt stimme ich nicht überein: Auf dem Datenbankserver-Host sollte der SQL-Server laufen, sonst nichts.

    1. Hallo Ralph,

      Danke für Deinen Kommentar. Ich hatte nicht die Absicht hier einen netten Artikel zu schreiben. Um eine Windows Server Edition zu empfehlen, sollte ich wissen, wie viele Mitarbeiter greifen auf den Server zu.

      Das mit dem RAID ist so eine Sache. Prinzipiell würde ich sagen ja, da auch SSD’s ausfallen können. Zwingend notwendig sehe ich es nicht.

      Und beim letzten Punkt, darf jeder machen was er will – sich anschließend nur nicht wundern, dass der Server wieder langsam wird.

      Gruß Michael.

  8. Hier greifen z.Z. 6 Clients auf den Server zu, mehr als 10 werden es auch bei optimistischster Prognose nicht. Da es keine FE mehr gibt, bleibt nur noch die Wahl zwischen Standard-Server und Windows 10 Enterprise. Der Preisunterschied ist erheblich, und im Grunde tut es Windows 10 auch, wenn man es vom unnützen Ballast befreit.

    1. Genau an diesem Punkt würde ich mich fragen, ob Microsoft der richtige Partner für mich ist. Alternativ kann man auch den Weg in Cloud wählen und die Datenbank bei Mircosoft Azure hosten – und darauf wird es für viele hinauslaufen, wenn die Datenbank größter 5 GB wird….

  9. Hallo,

    wenn ich das so lese frage ich mich immer mehr, ob ein Wechsel zu JTL wirklich der richtige Schritt ist. Gerade die Meinung zu (einem Großteil) der Servicepartner kann ich nur unterstreichen. In anderen Bereichen wären solche “Firmen” nicht lebensfähig. Und bislang ging es nur um die Altdaten-Übernahme… :( Und irgendwie bekomme ich bei JTL manchmal den Eindruck, dass die Software auch noch nach 10 Jahren in manchen Punkten noch “beta” ist und beim Kunden “reift”.

    Aber was bleibt dann noch groß an Wawi-Software für ein K(ohne M)U in einem vertretbaren Preisrahmen?

    MfG

    1. Hallo Gravitationszentrum,

      vielen Dank für Deinen Kommentar. Nun bis jetzt hat sich kein führender IT-Dienstleister ernsthaft mit den Produkten der JTL Software GmbH beschäftigt. Bis lang sind eher kleine IT-Unternehmen als Servicepartner tätig – also deutlich unter 50 Mitarbeitern. Damit dürfte eigentlich alles zum Thema Servicepartner gesagt sein.

      Was bleibt? Wenn ich ein vernünftiges Auto haben will, dann kaufe ich in der Regel ein Produkt aus Zuffenhausen, Untertürkheim, München, Ingolstadt oder Wolfsburg – halt eben gute Deutsche Ingenieurskunst. Nun – die gibt es nicht für ein Butterbrot und ein Ei. Und beim Support in den Niederlassungen langen die auch ordentlich zu. Da meckert aber kaum einer herum, was für einen Scheiß die auf die Straßen bringen. Und selbst Ali aus dem Glasscherben-Ghetto schwört auf bayrische Wertarbeit – “Äh ich 3er BMW und Alter, ich weiß wo dein Haus wohnt!”

      Nehme ich jetzt den Maßstab, den der Deutsche an sein liebstes Kind legt, dann sollte er diesen Maßstab auch bei seiner IT zu Grunde legen. Und da wird es ähnlich teuer oder unter Umständen noch teurer, als wenn ich mir einen Neuwagen in der oberen Mittelklasse oder Oberklasse zulege. Also einfach mal die Preisliste des guten Sterns auf Deutschlands Straßen oder der Jungs nehmen, die uns die Freude am Fahren versprechen und mal schauen, was ich da hinlegen muss. Im Onlinehandel kann das je nach Unternehmensgröße auch mal eine Villa am Starnberger See werden.

      Wer jetzt glaubt, Amazon hätte seinen Erfolg im Online-Handel für Lau bekommen, irrt sich gewaltig. In der IT von Amazon dürften einige Milliarden US-Dollar stecken. Darum mein Rat: Was nichts kostet, kann auch nichts Wert sein.

      Frage beantwortet?

      Gruß Michael

  10. Hallo Michael,

    auf “Frage beantwortet” kann ich nur sagen: Ja und Nein.

    Wenn ich im Kopf mal addiere, was die letzten Jahre in “IT-Windeier” geflossen ist, ist das ein schöner Mittelklasse-Wagen.

    Dabei spielt (für mich) im Zweifelsfall für mich nicht so die Grösse einer Firma eine Rolle – im Zweifelsfall it mir ein Drei-Mann-Team lieber als eine Firma mit “extremen” Verwaltungsapparat. Somit ist die Größe einer Firma für mich kein Qualitätskriterium – oder um beim Auto zu bleiben: ich vertraue da eher dem KfZ-Meister vor Ort, der in seiner eigenen Werkstatt mit 3 Angestellten arbeitet und selber die Rechnungen schreibt als irgendeinem Autohaus – im Zweifelsfall auch beim Neuwagen. Da zählt nämlich “der Ruf” noch etwas – ein Apekt der vielen “Unternehmen” in der IT leider abhanden gekommen ist.

    Auch ist die Höhe des Preises für mich kein Qualitätskriterium – nur weil es teuer ist, ist es nicht gleichzeitig gut.

    Meine Frage war aber durchaus Ernst gemeint: gibt es eine “vernünftige” Multichannel-Wawi (sprich: Shop, eBay, Amazon + POS)?
    Bislang habe (zumindest ich) noch keine gefunden.

    MfG

    1. Hallo Gravitationszentrum,

      es gibt vernünftige Lösungen die auch mehrere Vertriebskanäle unterstützen. Auch die Wawi von JTL kann eine dafür passable Lösung sein. Was die richtige Lösung dann für das Unternehmen ist, hängt von so vielen Faktoren ab, das man Pauschal keinen Rat geben kann. Der Schlüssel zum Erfolg liegt darin, die Prozesse zu definieren, die man für seine unternehmerische Tätigkeit braucht.

      Um mal wieder das Beispiel Auto zu nehmen. Wenn ich als Bauer in den Alpen für den Transport meiner Milchkannen mir einen Ferrari kaufe, dann habe ich grundlegend etwas falsch gemacht. In der Po-Ebene könnte aber dieser Ferrari durchaus sinnvolle Dienste bringen, weil die Milchkannen schneller in der Molkerei sind (Wahrscheinlich würde es auch ein Fiat Panda tun, wegen der Tempo-Limits und Straßenschäden).

      Der Faktor für oder gegen eine Warenwirtschaft, sind also nicht die Kanäle, über die ich meine Waren vermarkte. Der Schlüssel sind die Prozesse, wie ich etwas abbilden will. Und erst dann kommt die Software ins Spiel.

      Im Handel würde ich, egal wie groß ein Unternehmen ist, aber immer auf ein richtiges ERP (Enterprise Ressource Management) System setzen, welches an die Prozesse des Unternehmens angepasst wird. Odoo ist zum Beispiel eine solche Lösung. Dann gibt es noch Actindo, SAP Business by Design oder auch Sage eCommerce und einige mehr. Nein, diese Lösungen sind nicht billig, auch wenn Odoo z.B. eine Open Source Lösung ist. Aber wenn ich alleine an die geforderte POS und die Zertifizierungspflicht dieser Lösung bis 2020 beim Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnologie (BSI) denke, dürfte die Wahl zur Zeit nur auf die Unternehmen fallen, die mir diese auch bis dahin garantieren können.

      Gruß Michael

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