Clever Desktop-PCs und Notebooks aufrüsten

Der alte Rechner ist langsam, das neue Spiel läuft nicht rund, beim Start des Rechners reicht die Zeit für eine zweite Tasse Kaffee oder der Rechner schreit von selbst nach mehr Arbeitsspeicher. Das sind alles noch keine Gründe um den lieb gewonnenen Desktop-PC oder Notebook gleich beim Werkstoffhof zum Recyceln abzugeben und sich für teures Geld einen neuen zu besorgen.

Bevor man aber blindlings Einkaufen geht, um dem langsamen Gesellen wieder flott zu kriegen, sollte man sich zunächst auf Suche nach den Ursachen machen. Erst wenn die Gründe für die Engpässe bekannt sind, kann man überhaupt beurteilen ob sich ein Update der Hardware-Komponenten überhaupt noch lohnt. Hier braucht man auch keine Spezialsoftware, um herauszufinden, wo es klemmt. Jedes Betriebssystem bringt die dafür notwendigen Werkzeuge von Haus aus schon mit. Bei Windows ist es der Taskmanager und der Ressourcenmanager, bei OS X die Aktivitätsanzeige und bei Linux-Distributionen kann man dafür die Systemüberwachung verwenden.

Was im Vorfeld gerne vergessen wird, ist das System von unnötiger Software zu befreien und es auf den aktuellen Softwarestand zu bringen. Das Aufräumen des Update Verzeichnis unter Windows, das Löschen nicht mehr benötigter E-Mails im Mail-Client oder der temporären Internetdateien und Cookies und eine Defragmentierung der Festplatte kann schon mal einen ordentlichen Performance-Schub bringen. Wenn dass immer noch nicht ausreicht, sollte man sich auf die Suche der Systembremsen begeben.

Schnelldiagnose

2016-08-31 20_58_51-Task-Manager

Wer seinen Desktop-PC oder Notebook Software seitig in Ordnung gebracht hat, eventuelle Software oder Treiberprobleme, die das System ausbremsen können beseitigt, kann sich daran machen, mit Hilfe des Taskmanagers die nächsten Hemmschuhe ausfindig zu machen. Ist die CPU-Last im Taskmanager im ruhenden Systemzustand – also ich mache nichts am Computer – sehr hoch? Können wir dieses mit Ja beantworten sollten wir prüfen, ob im Hintergrund nicht irgendwelche Programme ihr Unwesen treiben. Da könnten zum Beispiel mehrere Virenscanner sich gegenseitig überprüfen, oder es hat sich tatsächlich ein Schädling eingenistet, oder es läuft eine nicht mehr benötigte Instanz vom SQL Server Express, die man mal für Testzwecke installiert hat.

2016-08-31 20_59_45-Ressourcenmonitor

Haben wir diese Ursachen beseitigt, schauen wir uns die Datenträger an. Erstes Anzeichen dafür ist die Festplatten-LED. Flackert die länger oder ist gar auf Dauerfeuer, kann das schon ein Zeichen für zu wenig Arbeitsspeicher sein. Die aktuellen Füllstand ihrer Festplatte können sie über den Explorer abrufen, in dem Sie auf den jeweiligen Datenträger mit der rechten Maustaste klicken und im Kontextmenü den Eintrag Einstellungen auswählen.

2016-08-31 21_00_24-Starten

Dauert das Hochfahren des geliebten Rechners morgens eine gefühlte Ewigkeit, dürfen noch die klassischen Festplatten verbaut sein. Ein Wechsel auf eine Solid State Disk kann da die Kaffeepause massiv verkürzen.

Aufrüsten des Prozessors

Mit dem Aufrüsten des Prozessors ist das so eine Sache. Es scheint auf den ersten Blick verlockend zu sein, doch damit es einen wirklich spürbaren Performancezuwachs gibt, muss der neue schon deutlich schneller sein. Der Umstieg von einem Dual-Core auf einen Quad-Core bringt da schon erheblich mehr, weil er mit einem Schlag die Rechenleistung verdoppelt. Für welche Plattformen sich ein Prozessor-Update lohnt zeigen folgende Aufrüstpfade (Quelle c’t 2016, Heft 15):

AMD

  • FM1, AM3 und älter: Upgrade-Empfehlung keine, da nur noch Gebrauchtware erhältlich ist.
  • AM3+: Upgrade-Empfehlung FX-6300 (ca. 100 €), FX-8320E (ca. 125 €), aktuelle Plattform
  • FM2: Upgrade-Empfehlung A8-6600K (Restposten ab ca. 80 €)
  • FM2+: aktuelle Plattform

Intel

  • LGA775, LGA1155, LGA1156, LGA1366: Upgrade-Empfehlung keine, da nur noch Gebrauchtware erhältlich ist
  • LGA1150: Core i5-4460 (ca. 170 €)
  • LGA1151: aktuelle Plattform
  • LGA2011: Core i7-4930K (Restposten ab ca. 600 €)
  • LGA2011 v3: aktuelle Plattform

Wer unbedingt einen aktuellen Prozessor haben will, und nicht gleich das ganze System samt Gehäuse tauschen will, sollte in diesem Fall einen Bundle-Tausch von Motherboard, Prozessor und Arbeitsspeicher auf die aktuelle Hardware vorziehen, da man hier den größten Performancezuwachs bekommt.

Was sich wirklich lohnt

Die ersten kleinen Probleme mit dem geliebten Desktop-PC oder Notebook treten so erfahrungsgemäß nach 3 bis 5 Jahren auf. Da hat das gute alte Stück für das Finanzamt nur noch einen Restwert von einem symbolischen Euro, also Null, gehört aber für viele noch lange nicht auf den Elektroschrott geworfen. Runde 150 Euro dürften für eine Frischzellenkur und Altbausanierung ausreichen, damit dieser PC für weitere 2 bis 3 Jahre seine Arbeit ordentlich verrichten kann. Zum Vergleich kostet ein ordentliche Office-PC zwischen 300 und 500 Euro. Eine 256 GB SSD bekommt man schon für 70 €, für 40 Euro gibt es 8 GB DDR 3 Arbeitsspeicher  und eine 2 GB GIGABYTE GeForce GT170 Grafikkarte ist schon ab 40 Euro bei Amazon erhältlich.

Mehr als diese 150 € in einen gebrauchten PC zu stecken lohnt sich nur für teure Gaming-PCs. Für den Büroalltag eines Online-Händlers reicht die Variante mit 256 GB SSD völlig aus, wenn Daten wie Bilder weiterhin auf der vorhandenen HDD oder auf einer NAS gespeichert werden. In meinem jetzt 4 Jahre alten Dell Notebook steckt nur eine 128 GB SSD drin und der Arbeitsspeicher wurde auf 8 GB erweitert. Als Betriebssystem kommt auf diesem Rechner Ubuntu 16.04 LTS zum Einsatz. Damit ist dieses Laptop mit Intel Core i5 M beim Starten mehr als doppelt so schnell wie mein Desktop-PC mit 32 GB RAM, 2 x 1TB HDD und installiertem Windows 10 Professional. Die Zeit reicht noch nicht einmal aus, um sich morgens nach dem Einschalten noch schnell eine Tasse Kaffee zu holen.

Literatur und Quelle: c’t 2016, Heft 15.

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