Ratgeber Hosting

Egal ob Blogger, Kleinunternehmer oder Online-Händler, eigentlich jeder der über ein E-Mail-Konto verfügt oder eine Webseite hat, ist mit dem Thema Hosting in Berührung gekommen. Hosting bezeichnet im Englischen die Tätigkeit eines Veranstalters oder Gastgebers. Im deutschen Sprachraum hat sich dieser Begriff als Kurzform für den Betrieb von Softwareapplikationsdiensten oder Internetdiensten (engl. „Internet hosting“) etabliert.

Marcus installiert das RAID-System im Rechenzentrum Stuttgart. Marcus installiert das RAID-System im Rechenzentrum Stuttgart.

Was ist Hosting?

Ein Hoster, auch Provider, unser Gastgeber, bzw. Dienstanbieter, stellt uns kostenlos oder gegen eine Gebühr einzelne Dienste, Server oder auch einen Raum für einen eigenen Server in einem Rechenzentrum zur Verfügung. Wir können mehrere Arten von Hosting unterscheiden:

  • Kostenloser Webhosting-Service – Ein in den angebotenen Funktionen eingeschränkter Dienst für die Bereitstellung von Internetseiten, der z.B. durch Werbung finanziert wird. Oft hat man hier auch keine eigene Domain, sondern bekommt nur eine Subdomain des Anbieters zur Verfügung gestellt.
  • Shared Webhosting-Service – Hier nutzen sämtliche Domains einen gemeinsamen Pool an Ressourcen, wie Speicherplatz, Arbeitsspeicher oder Prozessoren. Hier werden sehr einfache Funktionen angeboten, die unflexibel in Bezug auf Software und Updates sind.
  • Reseller Webhosting – Hier besteht die Möglichkeit als eigener Hoster Dienste Kunden anzubieten. Diese sogenannten Reseller-Accounts gibt es dann in unterschiedlichen Größen.
  • Dedicated Hosting – Hier hat der Kunde vollen administrativen Zugang auf einen gemieteten Server und ist selbst für die Sicherheit und Wartung des Servers verantwortlich.
  • Virtual Dedicated Hosting – Auch hier hat der Kunde den vollen administrativen Zugang, nur das es sich bei dem gemieteten Server um eine virtuelle Maschine handelt, die sich mit anderen virtuellen Servern eine Hardwareplattform teilt.
  • Managed Hosting Service – Hier hat der Kunde ebenfalls einen eigenen Server gemietet, nur dass er nicht über die vollen administrativen Rechte verfügt. Die Kontrolle Servers obliegt beim Provider.
  • Colocation Webhosting – Der Kunde hat sich einen eigenen Server gekauft und mietet sich einen Platz und die Internetanbindung im Rechenzentrum. Die Kontrolle über den Server bleibt beim Kunden.
  • Cloud-Hosting – Hier werden dem Kunden frei wählbare Dienste auf leistungsstarken und zuverlässigen Servern angeboten. Bekanntester Dienste sind hier Dropbox, Onedrive (File-Hosting), Office365 (E-Mail und Colaboration/Zusammenarbeit) oder Azure (Datenbanken, Speicher, App Service, etc.).
  • Clustered-Hosting – Hier werden mehrere Server zusammengeschlossen um die Ressourcen auf diese zu verteilen und somit eine sehr hohe Verfügbarkeit zu erreichen.
  • Grid-Hosting – Hier werden die Server über mehrere Rechenzentren verteilt und wie beim Clustered-Hosting zusammengeschlossen. Meistens wird diese Lösung verwendet um eine Backup-Lösung zu haben, falls die Server in einem Rechenzentrum ausfallen oder nicht erreichbar sind.
  • Home-Server – Ein privater Server zu Hause oder im Small Office der über eine dynamische DNS-Adresse über das Internet erreichbar ist. Hier können auch Dienste wie Email oder Webseiten zur Verfügung gestellt werden.

Es gibt natürlich auch noch Webhostingdienste, die nur ganz bestimmte Formen von Daten akzeptieren, wie zum Beispiel Instagram als Foto-Sharing-Dienst der nur Bilder Aktezpiert oder Youtube als Videoportal nur für Filme. Alle Hosting-Dienste, bis auf den eigenen Home Server, bieten in der Regel eine sehr hohe Verfügbarkeit von 99% an, was einer Ausfallzeit pro Jahr von 3,65 Tagen oder 7,2 Stunden pro Monat oder 1,68 Stunden pro Woche entspricht.

Domains und Webhosting

1074102_542840119114558_79623738_oCMO Rechenzentrum Stuttgart.

Es ist nicht zwingend erforderlich die Domain beim gleichen Anbieter zu kaufen wie den Webspace (der physikalische Ort, wo die Daten/Internetseiten gespeichert werden). Es bietet sich aber an, dies beim gleichen Anbieter zu tun, da hier die Kosten für die Domain oftmals günstiger sind. Registrare verlangen hier für die Registrierung einer Domain Preisaufschläge und Reseller können ihre günstigeren Domain-Preise an den Kunden weiterleiten. Es kann aber durchaus sinnvoll sein die Domain vom Hosting zu trennen. Wenn schon frühzeitig absehbar ist, dass ein Server-Umzug unausweichlich wird, zahlt es sich durchaus aus, da in diesem Fall nur die Daten umgezogen werden müssen und nicht auch noch die Domain.

Welche Dienste wo zur Verfügung stellen?

Alles was 24 Stunden am Tag mit einer optimalen Anbindung von Überall von vielen Anwendern genutzt werden soll, gehört in ein dementsprechend ausgerüstetes Rechenzentrum. Die klassischen Beispiele dafür sind die E-Mail und Webseiten-Dienste. In den letzten Jahren sind noch Filesharing-Dienste wie Dropbox, Onedrive oder Google Drive, wo größere Datenbestände auf die Server der Dienstanbieter ausgelagert werden können. Hier kümmern sich dann die Dienstanbieter um die Sicherung der Daten.

E-Mail und Internetseiten

EmailDie beiden Urgesteine des Hostings sind immer noch am besten beim Hoster, bzw Internet Service Provider aufgehoben. Im SoHo Bereich (Small Office / Home Office) macht es keinen Sinn diese beiden Dienste selbst zu hosten. Für die meisten Unternehmen oder Blogger sind Shared Webhosting-Services die beste Wahl. Private Anwender greifen zu den kostenlosen Webhosting-Services wie Hotmail, Google oder Webmail. Wer seinen eigenen Blog hochziehen will kann dies bei blogger.com oder wordpress.com mit wenigen Klicks einrichten.

Wer einen eigenen Online-Shop ins Netz stellen will, ist am Anfang sicherlich mit einem Shared Webhosting-Service gut beraten. Hier sollte nur im Vorfeld geprüft werden, ob die angebotenen Funktionen auch mit den Anforderungen des Webshop-Systems übereinstimmen. Wenn die Besucherzahlen steigen und der Shop ausreichend Erträge abwirft, kann dann auf ein Managed Hosting Service umgezogen werden, sofern keine eigene IT-Abteilung für die Wartung des Servers zur Verfügung steht. Hat der Online-Händler eine Service-Partner oder eine eigene IT-Abteilung mit ausreichend Know-How, ist ein Dedicated Hosting, schon alleine der Kosten wegen, angebracht.

Dateidienste / Fileservices

FileMitarbeiter müssen von Unterwegs auf Dokumente zugreifen. Mit Kunden und Lieferanten müssen große Mengen an Daten ausgetauscht werden. Datenmengen über 10 MB sollte man auch nicht per E-Mail versenden. File Hosting und Sharing Dienste sind eine bequeme Lösung für den Austausch größerer Datenmengen. Wer sich hier nicht in die Abhängigkeit einzelner Dienstleister begeben will kann einen solchen Dienst auch mit ownCloud selbst zur Verfügung stellen. Allerdings sollte man hier bei der Auswahl des geeigneten Hosting-Pakets darauf achten, dass genügend Webspace zur Verfügung steht und das Angebot auch über genügend Funktionen für diesen Dienst verfügt. Am besten dafür geeignet ist das Dedicated Hosting oder Colocation Webhosting. Wer technisch fit ist, kann dies aber auch auf seinem Home Server realisieren.

Anwendungsdienste / Applicationservices

appClient Server Anwendungen wie Enterprise Resource Planning (ERP), Warenwirtschaft (Wawi), Customer Relationship Management (CRM) oder Content Management System (CMS) sind klassische Anwendungen für das Hosting im Rechenzentrum. Bei webbasierten Anwendungen wo der Anwender die Software über den Browser aufruft, bietet es sich förmlich an diese auf ein Dedicated oder Managed Hosting auszulagern. Für kleine und mittlere Unternehmen ist auch SaaS (Software as a Service) ein gangbarer Weg, diese Software den Mitarbeitern zur Verfügung zu stellen. Als nicht unbedingt empfehlenswert hat sich für herausgestellt, nur die Datenbank als Hosting Dienst zu beziehen. Gerade bei großen Datenmengen und langsamen Internetverbindungen wird hier das Arbeiten zur Qual. In solchen Fällen sind die Remote Desktop Dienste die bessere Wahl.

Remote Desktop Dienste

rdpDie Königsdisziplin des Hosting ist das Auslagern der gesamten IT-Infrastruktur eines Unternehmens in ein Rechenzentrum. Hier verbleiben nur noch die physikalischen Arbeitsplätze mit der angeschlossenen Peripherie am Standort. Alle Anwendungen und Daten werden über die Remote Desktop Dienste bereitgestellt. Das große Thema ist hier BYOD (Bring your own device). Eine derartige Lösung macht es möglich, dass der Mitarbeiter mit seinem eigenen Laptop, Desktop oder Tablet arbeitet. Es spielt noch nicht einmal mehr eine Rolle welches Betriebssystem auf dem Gerät des Anwenders installiert ist. Die komplette Infrastruktur die ein Mitarbeiter für seine Aufgaben benötigt wird ihm als virtuelle Desktop Infrastruktur zur Verfügung gestellt und er ist an jedem Ort der Welt in der Lage zu arbeiten – vorausgesetzt er verfügt über eine Verbindung ins Internet. Solche Lösungen sind am besten in einem Colocation Webhosting aufgehoben. Aber auch Managed Hosting oder SaaS können je nach Größe des Unternehmens in Frage kommen.

Fazit Hosting

Das Angebot an geeigneten Hosting-Diensten ist groß. Den geeigneten Dienstleister mit dem passenden Angebot zu finden, ist für den Laien nicht einfach. Es reicht nicht aus, nur die Online-Angebote mit Ihren Funktionen und Preisen zu vergleichen. Im Vorfeld sollte geklärt werden was erreicht werden soll und damit welche Funktionen vorhanden sein müssen. Auch müssen die einzelnen Funktionen mit der lokalen IT-Infrastruktur harmonieren. Mittelständische Hosting Unternehmen mit Ihrer Nähe zum Kunden, sind oftmals eine gute Wahl. Persönliche Beratung und der direkte Service sind durch nichts zu ersetzen.

Mein persönlicher Dank geht an Norman Sommer, Geschäftsführer der CMO GmbH in Dettingen, für die Bilder aus seinem Rechenzentrum, die er mir zur Verfügung gestellt hat. Wenn Sie noch Fragen zum Thema Hosting haben, können Sie diese gerne über Kommentarfeld an mich persönlich übermitteln.

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