Samstag, 4. Juni 2016 – Chaos im Nirgendwo

Ich mag solche Anrufe in der Regel nicht. Michael du musst sofort ins Nirgendwo fahren, weil dort ist jemand, bei dem nichts mehr richtig funktioniert. Das Nirgendwo ist in der Regel am Arsch der Welt – sehen kann man ihn noch nicht, dafür um so mehr riechen – und das nichts mehr funktioniert oder nur so halb, hat meistens sehr profane Gründe – Es ist halt eben etwas im Arsch. Und ich Trottel sage auch noch, ja ich komme.

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Es ist immer das gleiche Spiel. Irgendein Depp schreit er habe ein Problem und ich Trottel mache auf den Weg ins Nirgendwo. Ich weiß schon vorher was mich dort erwarten wird. Der stink normale Wahnsinn gewürzt mit einer ordentlichen Portion Chaos pur. Hauptsache der Kaffeeautomat funktioniert einwandfrei.

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Mir gegenüber sitzt meistens so ein Typ im teuren Anzug, der mich mit einem nicht ganz so teuren Auto vom Bahnhof abgeholt hat und mir während der Fahrt seine Firma in höchsten Tönen vorstellt. Betont wird dann immer, das mein Vorgänger nichts gebacken bekommen hat und er jetzt um seinen finanziellen Erfolg bangen muss. In der Regel kann man dann diese Vorgespräche auf den Nenner bringen: Ich will alles, es darf aber nicht kosten.

So sieht es dann auch meistens hinter den Kulissen aus. Ich habe hier einen sauteuren Server zu stehen und die Kiste funktioniert nicht. Wo? Ich sehe hier keinen teuren Server. Ach der dort. Was haben Sie dafür gezahlt? An dieser Stelle habe ich mir mittlerweile abgewöhnt zu sagen, das ihn der Verkäufer damit ordentlich über den Tisch gezogen hat. Merkt er auch an meinem Gesichtsausdruck.

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Die Reaktion des Geschäftsführers oder Inhabers auf mein Angebot das Chaos gerade zu biegen kenne ich schon mittlerweile. Verstehen sie, ich habe schon so viel Geld in die Technik hier investiert und es funktioniert immer noch nicht. Sehe ich und ich habe verstanden. Der Vorgänger war schon zu teuer und ich soll es für noch weniger Geld wieder richten.

Mich wundert da in Bezug auf eine gewisse Branche gar nichts mehr. Manchmal denke ich mir so im stillen, die Online-Händler von heute sind die Viehhändler von damals. Da wird selbst der älteste Gaul für teures Geld verschachert. Und der Knecht, der den Gaul zum Markt treiben durfte, kann froh sein, wenn er als Lohn keinen Tritt kriegt. Will man da Knecht sein?

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Ich sitze wieder in meinem Regional Express aus dem Nirgendwo in die Heimat, die auch irgendwie ein Nirgendwo ist. Und wieder denke ich so vor mich hin, warum soll ich mir da eigentlich den Buckel krumm schuften? Mir wieder die Zeit in einer schlecht beheizten und obendrein dreckigen Halle die Zeit mit Problemen zu vertreiben, die ich so eigentlich gar nicht haben will. Weil ich weiß ganz genau, ich kann meine Arbeit noch so gut vorbereiten, am Ende wird es daran scheitern, dass auf der anderen Seite das blanke Chaos herrscht. Wenn der Rest mal so sauber wäre wie die Aschenbecher es waren….

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