Tag 15 – Triage

Mit rund 1.800 neuen Covid-19 Fällen ist der Anstieg zum ersten Mal massiv zurückgegangen. Das ist noch kein Grund zum Aufatmen. Die nächsten Tage werden zeigen, ob sich hieraus ein Trend ablesen lassen wird.

5:45 Uhr Homeoffice: Der Wecker reißt mich gnadenlos aus dem Schlaf. Schleppe mich in die Küche und schaffe es unfallfrei die Kaffeemaschine zu bedienen.

6:30 Uhr Plankstadt: Auf dem Weg zum Bahnhof schaut mich eine schwarze Katze verstört an. Sie wird sich wohl fragen, was der Idiot hier um diese Uhrzeit macht.

6:52 Uhr Bahnhof Schwetzingen: Auf dem Bahnsteig tummeln sich eine handvoll Menschen.

7:08 Uhr Bahnhof Mannheim: Gleiches Bild auf dem Mannheimer Hauptbahnhof. Handschuhe und Schals bis über die Nase halte ich für übertrieben. Erkenne das nächste Problem für die Bahn. Weggeworfener Mundschutz zwischen den Gleisen könnte der nächste Grund für Verspätungen sein.

7:39 Uhr Frankfurt-Niederrad: Der Zug ist auf die Sekunde pünktlich. Wann habe ich das zuletzt erlebt! Die Begrüßung im Büro ist überschwänglich. Endlich mal wieder die Kollegen von Angesicht zu Angesicht sehen. Beschließe umgehend am Dienstag wieder im Homeoffice zu bleiben.

9:31 Uhr WhatsApp: Katastrophen Olga meldet sich. Wenigstens ein „Guten Morgen“ ist dabei. Bleibe unterkühlt. Diskussion vernimmt aber den erwarteten Verlauf. Ich bleibe bei meiner Linie.

11:30 Uhr Edeka Niederrad: Ein Typ, der unverhofft zu einer Machtstellung auf Zeit gekommen ist, weist mich harsch an, einen Einkaufswagen zu nehmen. Erfülle seine Aufforderung mit einem Achselzucken und denke mir, in 3 Wochen sitz dieser Mensch mit unterdurchschnittlichen Intelligenzquotienten wieder auf dem Amt und bettelt nach Stütze. Hätten Sie den Vollpfosten lieber 3 Wochen früher ans Toilettenpapier gestellt, dann gebe es jetzt noch welches.

16:19 Uhr Frankfurt-Niederrad Bahnhof: RE 70 nach Mannheim ist pünktlich. Finde im Zug sofort einen ruhigen Sitzplatz. Schreibe Katastrophen Olga, dass die Diskussion so nichts bringt. Denke, sie versteht mich nicht wirklich. Sie schreibt so etwas wie große Liebe. Auf diese Weise bleibt die Heimfahrt kurzweilig. Auch eine Form der Unterhaltung.

19:30 Uhr 3Sat Kulturzeit: „Droht uns eine Triage?“ Fällt denen nichts Besseres ein? Zum Hintergrund: Der Begriff kommt aus der Militärmedizin und bezeichnet die Auslese von Verwundeten im Krieg. Ärzte entscheiden dabei, ob einem geholfen oder sich selbst überlassen wird. Auf Katastrophen Olga bezogen würde das bedeuten… Ich halte an dieser Stelle inne, weil ich einen Rest an Humanität in mir verspüre.

20:17 Uhr Facebook: Monia Z. ist schon wieder online. Die Nase rot, die Leber hart. Die Kontaktsperre in der Schweiz scheint schwerwiegende Folgen für die Psyche der Menschen zu haben. Live Videos von sich in seltsamen Gewändern und als Maus geschminkt in den sozialen Bedürfnisanstalten zu posten, ist schon ziemlich strange.

Bleiben noch die aktuellen Zahlen der Johns Hopkins University zu vermelden. Weltweit wurden 766.336 Fälle gemeldet, 36.873 Menschen sind gestorben und 160.001 haben sich erholt. In Deutschland wurden 63.929 Covid-19 Fälle gemeldet, 560 Menschen sind gestorben und 9.211 haben sich erholt.

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