Tag 3 – Don’t Panic, Stay calm

Das Homo Sapiens das öffentliche Leben heruntergefahren hat, kann man tatsächlich hören. Kaum zu glauben, dass man auch tagsüber die Vögel zwitschern hört. Und sonst leer gefegte Straßen sind mit den Statussymbolen des Wohlstands zugeparkt.

07:00 Uhr Home-Office: Eigentlich keine Lust zum Aufstehen. Im Radiowecker laufen die Nachrichten. Erster Gedanke ist: „Dreh Dich wieder um und hau Dich noch eine Stunde aufs Ohr“.

07:50 Uhr Home-Office: Habe mich doch aus dem Bett gequält und checke bei einer Tasse Kaffee die Mails in meinem Postfach. Wäre ich doch im Bett geblieben. Kurze Rücksprache mit der obersten Heeresleitung, wie und was so heute ansteht.

09:00 Uhr Home-Office: Erste Telefonkonferenz mit dem externen Dienstleister. Mein junger Kollege im Office macht wieder einen erstklassigen Job. Wird sich noch später herausstellen, das seine Arbeit heute Gold wert sein wird. Ergebnis ist leider unbefriedigend. Die fehlenden Lizenzen sind da und wurden auch eingespielt. Die fehlenden Konfigurationsschritte durchgeführt. Der Test der Anrufweiterleitung auf die mobilen Endgeräte war trotzdem negativ. Als Fehler wird in den Logs ein „forbidden“ ausgegeben.

09:30 Uhr Home-Office: Krisensitzung mit dem Führerhauptquartier in Frankfurt. Weiteres Vorgehen zur Schließung der Lücke in der Call-Center-Front wird besprochen. Versuche Kontakt zu den unter starkem Feuer stehenden Kollegen von der Fernmeldetruppe zu bekommen.

11:15 Uhr Home-Office: Bekomme gerade die Meldung, dass die ACD (automatic call distribution) ein gewisses Eigenleben entwickelt. Versuche die Ruhe zu behalten.

11:30 Uhr Home-Office: Emergency Call mit dem externen Dienstleister und Hersteller der Lösung. Erste Vermutung wie immer, wir hätten etwas am System geändert. Haben wir auch im 9 Uhr Call mit dem externen Dienstleister. Dank der hervorragenden Arbeit meines Kollegen stellt sich schnell heraus, dass die Vermutung des Herstellers ein Schuss ins Leere war.

12:00 Uhr Home-Office: Während ich noch meine serbische Bohnensuppe löffel, nehme ich an der nächsten Telefonkonferenz teil. Noch nicht einmal eine Mittagspause ist mir vergönnt.

12:30 Uhr Home-Office: Nächste Telefonkonferenz. Die wichtigste Person kann leider nicht teilnehmen. Dafür labert Grautvornix, the GILF-Hunter, nur surrealistischen Schwachsinn. Würge das sinnlose Gespräch rüde ab. Anschließend meldet sich noch der unter schweren Beschuss stehende Kollege von der Fernmeldetruppe. Bekomme die Rückmeldung, dass der Kabeltrupp die Leitung bis morgen Vormittag verlegt hat.

15:35 Uhr Home-Office: Mit hoher Wahrscheinlichkeit kriegt gleich die oberste Heeresleitung einen mittleren Tobsuchtsanfall, wenn Sie die Nachricht des Herstellers der Bananensoftware liest. Bananensoftware deswegen, weil das Produkt beim Kunden reift. Mahne beim Hersteller an, das Problem gründlich zu prüfen und nicht konjunktive Vermutungen in die Welt zu setzen.

17:00 Uhr örtlicher Discounter: Laden sieht aus, als wenn morgen die Rote Armee vor der Tür steht. Sogar das Gewürzregal ist leer geräumt. Offensichtlich hat das durch die Jahrhunderte dauernde Inzucht geprägte Dorf erkannt, das man auch selbst kochen kann. Die Umsätze im örtlichen anatolischen Döner-Laden dürften für die nächsten Wochen gegen null tendieren. Hit des Sommers wird Nudelsalat werden.

17:30 Uhr örtliche Sparkasse: Haben noch einen Abstecher ins Ortszentrum gemacht. Zwei ältere Herren decken sich mit Lecktüre an der öffentlichen Tauschbibliothek ein. Offensichtlich wollen Sie auf den Zusammenbruch der digitalen Netzwerke vorbereitet sein und Hamstern jetzt Bücher. Könnte auch sein, das Ihnen einfach nur das Klopapier ausgegangen ist.

19:30 Uhr öffentlich rechtliche Bedürfnisanstalt: Angie entleert ihre Sprechblase ans Volk. Überraschung blieb aus. Keine martialische Rede wie sie ihre männlichen Kollegen in Frankreich, Italien oder Spanien gehalten haben. Einfach Mutti, die uns noch mal ruhig erklärt hat, was wir denn jetzt so alles zu beachten haben. Respekt.

20:30 Uhr auf der Couch: Okay ihr lieben, hört auf Mutti und ihre Ratschläge. Dann wird alles nicht so schlimm. In diesem Sinn wünsche ich euch noch einen schönen Abend und bleibt vor allem gesund. Ach so – die Zahlen für heute: Weltweit haben wir 214.010 gemeldet Corona Fälle, 8.727 Menschen sind daran gestorben und 83.207 haben sich erholt. In Deutschland haben wir Stand heute 11.973 Corona Fälle, 28 Menschen sind daran gestorben und 105 haben sich erholt. Wir stehen immer noch auf Platz 5 und sollten aufpassen, das wir hier nicht noch von den Amerikanern verdrängt werden.

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