Voraussichtliches Lieferdatum auf Drogen – oder wie ertrage ich den Wahnsinn leichter…

Das eine ist die Theorie und das andere ist die Praxis. Beides sollte eigentlich das gleiche sein. In der Praxis sieht es aber oft anders aus. Grund ist der Faktor Mensch, der in der Praxis etwas anderes macht, als wie es in der Theorie sein sollte. Also schauen wir uns mal in der Theorie an, wie ein Lieferdatum gesetzt werden sollte und wie das in der Praxis dann aussieht (Ich lache mich schon beim Schreiben halb tot!)

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Also ich bin Online-Händler und will meine Kunden informieren, wann die bestellte Ware mein Lager verlässt, damit der Kunde ungefähr weiß, wann der Deutsche Haschisch Lieferant vor der Tür steht. Nun habe ich nicht alle Drogen auf Lager, die so bestellt werden. Die gängigen liegen so im Lager herum. Aber bei ein paar ausgefallenen muss ich erst meinen Dealer anrufen, damit der Sie mir liefert. Das weiß natürlich der arme Online-Junkie nicht, der ahnungslos die Ware im Darknet bestellt. Da steht ja nur lieferbar in 1 – 3 Tagen. Und damit der Online-Konsum-Abhängige auch beim nächsten Mal bei mir bestellt, will ich ihm in so einem Fall eine Mail schicken, damit er mir nicht gleich auf Turkey geht, eine schlechte Bewertung abgibt und dann das Zeug bei der Konkurrenz bestellt.

Wer jetzt auf die Idee kommt und versucht bei mir Drogen zu bestellen, den muss ich leider enttäuschen. Ich nehme das Beispiel mit dem vorbildlichen Dealer aus dem Darknet nur, um meine Key-Wordliste bei Google entsprechend zu füttern. Also keine Chance – ich bin völlig clean. Nur mal so vorneweg bemerkt.

Also zurück zum Problem mit dem Lieferdatum und darum geht es. Der Kunde hat bestellt und wir stellen fest, das der Auftrag nicht Lieferbar ist, weil wir gerade mal wieder kein Koks im Lager haben. Warum soll ich das eigentlich feststellen? Wozu habe ich eine Warenwirtschaft mit Warehouse Management System. Die muss doch eigentlich Wissen, was da so im Lager alles herumliegt und mir in so einem Fall schon mal eine Nachricht schicken, Vorsicht der Schnee ist alle. Am besten dann noch den Shit gleich auf die Einkaufliste für die Jungs aus Bogota setzen – da bekommt man bekanntlich den besten Stoff zu den günstigsten Preisen. Und wenn die nicht Liefern können, dann bestellt man eben bei den Russen.

Nun haben Kolumbianer und Russen sehr unterschiedliche Lieferzeiten. Während der Stoff aus Südamerika so rund eine Woche im Container mit den Bananen unterwegs ist (eventuell auch mal in einer Aldi-Filiale landet), können die Russen innerhalb von 24 Stunden liefern (was aber auch so seinen Preis hat). Ja auch Drogendealer müssen Kaufleute sein und Ihren Einkauf im Griff haben. Also wenn der Container mit dem Stoff sieben Tage auf See ist, noch 2 Tage fürs Entladen und Versand hinzukommen, bei mir die Ware eingelagert, gewogen und verpackt werden muss, also nochmal rund ein Tag und dann erst versendet werden kann, dann sollte ich auf das Datum der Lieferantenbestellung rund 10 Tage drauf rechnen. Damit kann ich folgende Formel für mein voraussichtliches Versanddatum aufstellen:

Voraussichtliches Versanddatum = Datum Lieferantenbestellung + Lieferzeit Lieferant + Bearbeitungszeit Wareneingang + Bearbeitungszeit Versand

Solange wie nur eine Droge auf dem Auftrag drauf ist, ist das noch kein Problem. Was ist aber wenn der Junkie auch noch braunen Afghanen in seinem Drogenrausch bestellt hat und der aber erst am ersten des nächsten Monats erscheint. Ich war so frei und habe diesen schon mal ins Darknet gestellt, aber mit einem Hinweis versehen, dass brauner Afghane erst in drei Wochen erscheint. Was kann ich dafür, dass der Junkie so zugedrönt war, das er das nicht bemerkt hat. Jetzt habe ich zwei Möglichkeiten.

Das Koks kommt in 10 Tagen und der Afghane ist in 21 Tagen da. Ich kann dem Kunden jetzt eine Mail schicken das er das Zeug in 3 Wochen bekommt. Bis dahin dürfte er wohl in der Entzugsanstallt gelandet sein (egal ich hab ja schon die Kohle). Ich könnte aber auch den Auftrag splitten und dem Kunden eine Mail schreiben, das sein Koks in 10 Tagen versendet wird und der Afghane in 21. Ich habe zwar dann das doppelte Porto zu tragen, aber unterm Strich einen zufriedenen Kunden, der nicht gleich wieder einen auf Entzug macht.

Was ist aber wenn zwischen dem Erscheinungsdatum des Afghanen und dem Lieferdatum des Koks nicht 11 sondern nur ein bis zwei Tage liegen? Dann müsste mein Programm so flexibel sein, und das automatisch erkennen und dem Junkie dann nur eine Mail schicken, weil jetzt zwei Pakete völlig sinnlos wären. Muss der arme Junkie zweimal auf den Haschisch Lieferanten warten.

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Und wie sieht es jetzt in der Praxis aus? Ich darf gar nicht über die an die Realität denken. Da kommt Robbi Tobby und sein Flüwatüt und will mir einen vom großen weißen Pferd erzählen. Was sich da mancher Nebenerwerbsjunkie in seinem zugekoksten Hirnstüberl so alles ausdenkt. Mal ganz davon abgesehen, mit was er dann das auch noch verwirklicht haben will. Und wenn man den Online-Junkie den Tipp gibt, zeichne oder beschreibe mal deinen Prozess, dann kommt doch glatt die Antwort ich brauche keine Beschäftigungstherapie. Eh Junkie wenn du keinen Plan hast, dann brauchst du auch keinen Workflow.

Erschwerend kommt für den Profidealer noch hinzu, das diese Nebenerwebsjunkies noch mit vorsintflutlicher Software ihr Heil versuchen und mehr an die Versprechungen ihres Gurus glauben, als mal ihre grauen Zellen zu verwenden. Okay, wenn ich mir die Birne zugedröhnt habe, wird das Denken durch Halluzinationen ersetzt und das erschwert dann die Sache ungemein. Da verwechselt man dann schon mal schnell die Begriffe und hält eine Version für eine Edition. Bevor ich jetzt ganz vom Thema abschweife – wo war ich noch mal stehen geblieben?

Ach ja Workflow – Das mit dem Workflow ist so eine Sache. Nachdem der erste Käfer beseitigt wurde, habe ich mir jetzt mal die Mühe gemacht und bin der Sache etwas tiefer auf den Grund gegangen. IstKomplettStandardlagerLieferbar, IstKomplettWMSLieferbar – Ich frage mich gerade, welche Drogen hat der Programmierer da genommen? Den Stoff scheine ich gerade nicht auf Lager zu haben. Eh ihr Dumpfbacken, ich will doch nur wissen ob der Auftrag lieferbar ist oder nicht? Aus welchem Lager ich meine Drogen verschicke, ist doch völlig Banane. Was ist wenn der Kunde die Ware zurück geschickt hat und das noch im Retouren-Lager liegt? Der Auftrag ist nicht komplett WMS lieferbar und mein schöner Workflow fährt gegen die Wand. Was ist wenn die sich meine Drogen über mehrere Lager verteilen?

Nebenbei werde ich mich in den nächsten Tagen sicherlich auch intensiv mit dem Thema voraussichtliches Lieferdatum befassen. Nicht nur für die JTL-Wawi sondern parallel dazu auch in Odoo. Die absolute Neuerung in der Wawi ist mit der 1.2 das es FIFO (First in, first out) jetzt gibt. Odoo kennt sogar LIFO (last in, first out), was die Wawi dann in ein oder zwei Jahrzehnten bekommen wird – falls überhaupt. In jedem Fall ist das ein ganz spannendes Thema und mein Prozess muss auch noch an der ein oder anderen Stelle optimiert und verbessert werden. Jetzt werde ich ihn umsetzen und dann schauen was passiert.

2 Gedanken zu „Voraussichtliches Lieferdatum auf Drogen – oder wie ertrage ich den Wahnsinn leichter…“

  1. So wie ich das sehe, versucht man hier seitens JTL eine eigene evtl. sogar kostenpflichtige Lösung in der 1.4 zu bauen, die den Händler im Einkauf und in der Kommunikation mit dem Kunden unterstützt.

    Gerade heute bekomme ich von JTL eine Antwort auf ein Ticket in dem nach einem Update in den Lieferantenbestellungen das Datum in der Spalte “zuletzt angemahnt” nichtmehr gestetzt wird.
    Zitat JTL Support:
    “das Ticket hierfür liegt noch in der Entwicklung und wird unter Vorbehalt mit der 1.4 gefixt. Bitte haben Sie noch etwas Geduld”

    Bereits 10/2016 haben wir ein Ticket gemeldet, nachdem wir kein Lieferdatum mehr auf die Angebote bekommen. – bis heute ungelöst

    Zusammen mit dem Fehler hier habe ich nun schon 3 Punkte die mir entzogen werden und die mit der Servicefunktion zusammenhängen!

    Nicht falsch verstehen! Wie zahlen auch gerne für gute Lösungen und können diese nur unterstützen. Aber das ganze im laufenden Betrieb abwürgen damit man später davon profitiert finde ich nicht gut.

    1. Hallo Christian,

      dein Kommentar bestätigt nur meine Vermutungen. Hier kommen aus meiner Sicht zwei Dinge zum Tragen:

      1. JTL muss liefern. Nicht gegenüber den Kunden, sondern gegenüber den Investoren. Die Lösung wird sich auch weiterhin an Kleinsthändler richten und deren Bedürfnisse. Das JTL-Fullfillment-Netzwerk dient nur dem Zweck diese Unternehmen an JTL fest zu binden und über die Fullfillment-Dienstleister Kasse zu machen. Ist das System erfolgreich implementiert wird auch der kleine Händler zur Kasse gebeten. Somit ist auch klar, dass die Datenbankumstellung auf UTF-8 mit der Version 1.3 abgeschlossen sein dürfte und mit der 1.4 dann die Multi-Language-Fähigkeit des Clients gegeben ist (Ausweitung auf den europäischen und amerikanischen Markt).

      2. Mittelständische Unternehmen mit ihren komplexen Prozessen im Versandhandel sind viel schwieriger abzuhandeln als kleine Private-Label-Händler, die ausschließlich über die Marktplätze aktiv sind. Bis auf wenige Ausnahmen sind hier die Servicepartner komplett überfordert. Mit der WMS verfügt JTL über Warehouse Management System, das ideal für Fullfillmentdienstleister ist, aber für die meisten Händler völlig überzogen ist. JTL kann somit seine Supportkapazitäten auf die Fullfillmentdienstleister konzentrieren, während der Kleinsthändler zum Servicepartner gehen muss.

      JTL dürfte die strategische Ausrichtung der Wawi auf KMU-Unternehmen still und leise zugunsten von tausenden kleinster Händler begraben haben. Mich würde es persönlich noch nicht einmal überraschen, wenn JTL sein Kernprodukt den JTL-Shop einer stärkeren Ausrichtung auf die Zielgruppe SoHo-Unternehmen opfert (SoHo = Small Office / Home Office).

      Aus unternehmerischer Sicht sind mir 10.000 Kunden die 100 Euro im Monat zahlen lieber, als 100 Kunden die 1000 Euro bringen. Kann ich diese Zahl quasi über Nacht verdoppeln ohne mein Produkt großartig verändern zu müssen, freut sich der Investor noch viel mehr. Und genau von dort dürfte der Wind her wehen.

      Danke für deine Wasserstandsmeldung und Gruß

      Michael

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