Welches ERP oder Warenwirtschaftssystem soll ich nehmen?

Manchmal habe ich so den Eindruck, dass in der E-Commerce-Szene ein erbitterte Kleinkrieg darüber geführt wird, welches ERP oder Warenwirtschaftssystem jetzt das bessere ist. Da gibt es die Jünger der Krabbelgruppe vom Niederrhein die auf deren Lösung schwören. Andere schwören auf die vielen Märkte, während der Rest es eher mit nach dem Kauf hat. Also mal Zeit die Sache etwas näher zu betrachten.

Desktop ERPNext
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Was bin ich und welches Schweinderl hättens denn gerne?

  1. Regen Sie sich über Amazon und Ebay auf?
  2. Schimpfen Sie über chinesische Online-Händler?
  3. Sie ärgern sich auch über Google?

Dann sind sie ein Online-Händler!

Aber was ist ein Online-Händler?

Ich mag die Bezeichnung Online-Händler nicht. Ich gehe mal 40 Jahre zurück, als das Internet gerade geboren war und sich damit nur ein paar Nerds beschäftigten. Da hatten wir Bäcker, Sportgeschäfte, Boutiquen und Quelle, Neckermann und Otto. Zweimal im Jahr kam so ein knapp tausend Seiten starker Katalog ins Haus und wir Kinder freuten uns wie wild.

Prinzipiell hat sich daran nichts geändert, außer dass kein Katalog mehr ins Haus kommt, sondern ich mir all die schönen Bilder bei Amazon oder Ebay ansehen muss. Ob dieses Einkaufserlebnis jetzt besser ist, lasse ich mal offen.

Also wir können es mal so ausdrücken. Ein Online-Händler ist jemand der eine Webseite hat über die potentielle Kunden Produkte oder Dienstleistungen beziehen können.

Jetzt gibt es noch die sogenannten Multi-Channel-Rockstars. Das sind jetzt keine Händler die auf vielen verschiedenen Online-Plattformen ihre Ware anbieten. Das sind Händler die sowohl in der Online-Welt wie auch in der Offline Welt unterwegs sind und viele verschiedene Vertriebskanäle bedienen.

Was bin ich jetzt?

Ich mach es mal kurz an einem Beispiel fest. Miroslav Jurcovic Inhaber von The Rockshop e.K ist ein Multi-Channel-Händler. Er hat einen klassischen Versandhandel über den Kunden Produkte bestellen können und die dann über einen Paketdienstleister versendet werden. Er hat aber auch noch ein Ladengeschäft, in dem Kunden die anprobieren und dann kaufen können.

Was bringt mir das jetzt?

Je nachdem wie ich meine Produkte vermarkte, habe ich auch unterschiedliche Prozesse in meinem Unternehmen. Ziel eines ERP oder Warenwirtschaftssystem ist es, diese Prozesse optimal abzubilden und möglichst weitestgehend zu automatisieren. Ansonsten bin ich bin Word und Excel schneller unterwegs.

Aber welches System soll ich jetzt verwenden?

Die Frage ist ganz leicht zu beantworten. Genau das System, welches die Prozesse in dem Unternehmen am besten abbilden kann. Und jetzt kommt die natürlich die Frage:

Wie finde ich das heraus?

Noch einfacher. In dem man sich hinsetzt und die Prozesse in Einkauf, Produktion, Lager/Logistik, Marketing, Vertrieb, Personal etc. aufzeichnet. Dann sieht man wie der Laden funktioniert.

Aber mein Kollege hat gesagt, das die Lösung XYZ super ist.

Hat dein Kollege deine Prozesse analysiert? Nein, dann jage ihn vom Hof, weil er hat dir gerade einen Bären aufgebunden. Egal wo, wenn jemand sagt das irgendeine Lösung super ist, ignoriere dies einfach. Ob das auch für das eigene Geschäft zutrifft kann man nur herausfinden, wenn man die Prozesse und das Geschäftsmodell der empfehlenden Person kennt und diese mit seinen eigenen Daten verglichen hat – Noch aufwendiger als sich selbst auf die Suche zu machen!

Mein Fazit

Für meine Musterfirma, die Contoso GbR, ein kleines Fahrradgeschäft in der Provinz ist der Einsatz eines ERP-Systems wie völlig ungeeignet. Eine reine Warenwirtschaft mit angeschlossener POS reicht aber auch nicht aus, weil die Prozesse im Service darüber nicht abgebildet werden können. Um die optimale Lösung für die Contoso GbR zu finden, müssen alle Prozesse definiert werden.

Etwas anders sieht es bei der Adventure Works Cycles GmbH, einem Fahrradhersteller, aus. Hier sind alle Prozesse vom Einkauf über die Produktion der Fahrräder bis zum Verkauf der Fahrräder dokumentiert. Hier ist der Einsatz eines ERP-Systems absolut notwendig. Eine reine Warenwirtschaft mit Anbindung zum Webshop und Online-Marktplätzen wie Ebay oder Amazon scheitert schon daran, dass die Produktionsprozesse darüber nicht abgebildet werden können.

Mein kleiner Multi-Channel-Händler in der Provinz ist mit einem Warenwirtschaftssystem, angeschlossener POS und Anbindung an den Webshop und Online-Marktplätzen bestens bedient. Hier werden alle für ihn relevanten Prozesse abgebildet und automatisiert.

Die entscheidende Frage, die ich mir also stellen muss ist:

Was und wer bin ich?

2 Gedanken zu „Welches ERP oder Warenwirtschaftssystem soll ich nehmen?“

  1. Hallo Michael,
    danke für den Artikel.

    Das kann ich nur bestätigen. Wie oft wird ein ERP-System ausgewählt, weil man jemanden kennt, der gesagt hat, das System XY wäre richtig gut.

    Gern wird die Entscheidung für solch ein System dann bereits getroffen, bevor sich über Prozesse wirklich Gedanken gemacht wurde. Interessanterweise ist oft der Preis des ERP-Systems ein treibender Faktor in der Angelegenheit.
    Am besten wählt man den Hersteller aus, bei dem der Vertrieb sagt: “Wir können Ihnen noch keinen Preis nennen, ehe wir Ihre Prozesse nicht kennen.” ;-) Das ist sind meistens doch die seriösesten.

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