Wochenrückblich KW 14/17 – Digitalisierung im Online-Versandhandel

Mit Zukunftsvisionen sollte man sehr vorsichtig sein und sich ganz genau überlegen, was Frau oder Mann da von sich gibt. Vor allem sollte der Blick nach vorne auf dem Status quo von Heute basieren und nicht auf dem was man gerne hätte. Und da sieht es beim Thema Digitalisierung des Handel ziemlich dunkel aus – also quasi Inside Paris ohne Hohlrauminnenbeleuchtung…

Bevor ich auf näher auf irgendwelche E-Commerce-Rockstars ohne Unterhaltungswert eingehe – diese Woche stand mal voll im Zeichen des Internets of Shitty Things. Da war der Dildo mit eingebauter Kamera der mal eben glatt durch den Penetration-Test gefallen ist und quasi als Lösung des Problems wurde ein Ziegelstein nachgeschoben, der der Hohlrauminnenbeleuchtung für Boxenluder und Vorstadtschlampen den Garaus macht.

Damit dürften die schönsten Zukunftsversionen unserer E-Commerce-Rockstars schon im Keim erstickt sein. Cybersex mit Echo und Inside Paris fällt dem Ziegelstein zum Opfer. Somit bleiben also nur noch Drugs and Rock & Roll übrig. Wirft man aber einen Blick auf den Digitalisierungsindex im Handel, so haben wir es wohl eher mit den Wildecker Herzbuben zu tun, als mit wirklichen Rockstars. Also weder Sex, noch Drugs, noch Rock’n Roll.

So digital ist der Handel
So digital ist der Handel

Und wie schlecht es um die Branche tatsächlich bestellt ist, zeigt der Grad der Digitalisierung im Bereich IT- und Informationssicherheit und Datenschutz. Da hinkt der Handel mit 41 Punkten von 100 dem Durchschnitt bei KMU-Unternehmen von 63 Punkten gewaltig hinterher.

Da hilft es auch nicht mehr, das bei Digitale Angebote und Geschäftsmodelle immerhin 58 Punkte erreicht werden. Sorry, das ist die Kernkompetenz im Handel und da sollte aber richtig der Punk abgehen. Stattdessen philosophiert man lieber wie in 3 Jahren gekauft wird, ohne das Optimum aus dem Heute herauszuholen. Wenn das mal nicht sozialistisch ist – überholen ohne einzuholen.

Offensichtlich blenden einige Kommentatoren beflissentlich aus, das Cortana, Google Gnome und Amazon Echo nichts anderes sind wie gut getarnte Wanzen der CIA. Und die Schlapphüte aus Berlin werden wohl schon die Abteilung Youporn aufstellen und während man beim MAD rätselt, wie die Dinger für den Cyberwar verwendet werden können.

Google Gnome https://blog.google/products/home/smart-yard-finally-here-meet-google-gnome/
Google Gnome https://blog.google/products/home/smart-yard-finally-here-meet-google-gnome/

Eines weiß ich gesichert. Wenn der BrickerBot den Svakom Siime Eye Dildo ins Nirwana schießt, wird das vegane E-Commerce-Groupie wieder zum Discounter rennen und sich zwecks Selbstbefriedigung Bananen und Gurken in den Einkaufswagen legen – weil E-Commerce-Rockstars bringen es halt nicht.

Für verspätete oder verfrühte Aprilscherze bin jedenfalls nicht zu haben. Und mir muss jetzt keiner mit der schwäbischen Hausfrauenweisheit, wir schaffen das, kommen. Bei so viel Ahnungslosigkeit und Ignoranz, wie sie der Handel an den Tag legt, schaffen die das nimmer mehr. Alleine Jeff Bezos mit seinem Quelle Gedächtnis Dash Button lacht sich eins ins Fäustchen. Schaut man sich seinen Gemischtwarenladen genauer an, wird man sehr schnell feststellen, das es im Grunde eine IT-Bude mit Kiosk ist.

Die deutsche Online-Branche müsste noch nicht mal State of the Art sein. Es würde ja schon mal reichen, wenn die minimalen Grundvoraussetzungen erfüllt wären. Aber nein, statt dessen macht man sich lieber Gedanken über Chat-Bots und anderen Unsinn, während sein eigenes Mailkonto mit Dosenfleisch und Viagra zugemüllt wird. Seine Warenwirtschaft oder sein ERP-System versteht er nur oberflächlich und mault lieber über die unfähigen Programmierer, Support, Google, Amazon und die chinesische Konkurrenz herum.

Auch in drei Jahren wird Montags und Donnerstag bei Aldi die Hölle los sein, weil sich die halbe Stadt auf die Sonderangebote stürzt. In drei Jahren werden wir immer noch Sonntagmorgens zum Bäcker gehen und dort unsere frischen Brötchen holen, weil der Hund Gassi gehen muss und wir dort die Schlampe von Nebenan treffen. Und wir werden auch noch in drei Jahren uns im Weihnachtskonsumrausch in die überfüllten Innenstädte begeben, stundenlang nach einem Parkplatz suchen, anschließend eine geschlagene halbe Stunde an der Schlange vor der Kasse beim Kaufhof anstehen, um dann anschließend unseren Frust in Glühwein zu ertränken.

Und warum werden wir das so machen? Weil uns Bits und Bytes nicht dieses Einkaufserlebnis bieten können. Wir können im Online-Shop nicht am Gemüse riechen oder es anfassen. Wir treffen dort keine Menschen, mit den wir kommunizieren können. Wir sind Menschen und wir brauchen soziale Kontakte – auch oder gerade beim Einkaufen – und die können uns weder Echo, Dash Button, Cortana oder Google Gnome bieten. Und wie reagiert Echo wenn ich in der Küche rufe: „Kann hier mal jemand eine zweite Kasse aufmachen?“

In diesem Sinne mach ich jetzt eine Runde auf meinem Drahtesel….

Ein Gedanke zu „Wochenrückblich KW 14/17 – Digitalisierung im Online-Versandhandel“

  1. Onlinehandel ist was für die Menschen, die genau wissen was sie wollen. Für mich als blinde leidenschaftliche Strickerin ist es wichtig die Strickwolle auch anzufassen. Und das kann ich am besten im Einzelhandel. Und wenn ich dann noch mit der Frau im Laden ein Schwätzchen halten kann, dann bin ich gerne bereit für diese Lebensqualität einen Euro mehr zu zahlen.

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