Wochenrückblick KW 39

Eine interessante und spannende Woche neigt sich dem Ende zu. Großartig zum Bloggen bin ich die Tage nicht gekommen. Irgendwie habe ich nicht die Zeit und die Ruhe gefunden, mich abends noch hinzusetzen und in die Tasten zu hauen. Manchmal muss aber der Kopf frei sein, um die richtigen Worte zu finden. Also habe ich heute das schöne Spätsommerwetter genutzt und habe eine kleine Tour in den Odenwald unternommen. Schauen wir mal, ob es was gebracht hat.

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Lieber Online-Händler Gemeinde, die wahnwitziger Weise ihr Heil in einer Lösung aus den Niederungen der deutschen Provinz sucht, kennt ihr Jakob Fugger von der Lillie? Nein? Solltet ihr aber. Der Typ war immerhin reicher als Bill Gates und Marc Zuckerberg es zusammen je werden. Und selbst Rockefeller war gegen den Knaben eine arme Kirchenmaus – so in Relation gesehen. Der Typ war so reich und mächtig, das selbst Kaiser Maximilian I nach seiner Pfeife tanzte.

Was hat jetzt das schon wieder mit der Wawi zu tun? Also liebe Dummys und Dumpfbacken da draußen: „Eine ganze Menge.“ Aber bevor ich ins Detail gehe schauen wir uns den Knaben mal genauer an. Unser Jakob Fugger ist am 6. März 1459 in Augsburg als 10. Kind von 11 Kindern einer Handelsfamilie geboren. Zu etwas Wohlstand hatten es die Fugger durch die Weberei und etwas Handel gebracht. Als Kind hat man dann den kleinen Jakob nach Venedig geschickt.

Okay 1459 gab es noch keine Computer oder Smartphones. Aber es gab schon einen internationalen Handel. Und der Handel von Gewürzen und anderen Dingen aus dem Orient und Asien fand fast ausschließlich über Venedig statt. Deutschland war in dieser Zeit ein ziemlich dunkler Fleck auf Erden – Nein damit ist jetzt nicht der braune Fleck Dunkeldeutschland westlich der Oder-Neiße-Linie gemeint.

Und wie schon Tacitus so treffend bemerkte, ist der größte Feind des Germanen der Germane und so haben wir uns bis in die jüngere Geschichte regelmäßig gegenseitig die Köpfe eingeschlagen. Die Heimat des Fuggers war also kein sicheres Herkunftsland – eher ein Krisengebiet mit unsicherer politischer Großwetterlage, wie manche Stadtmauer noch heute eindrucksvoll belegt.

Ab und zu muss man auch in der Geschichte etwas weiter ausholen – der Hammer kommt noch einfach weiterlesen!

Also der Fugger war in Italien und als es nur noch drei Brüder waren, die anderen hatte der Tod dahin gerafft, holte ihn sein älterer Bruder zurück nach Augsburg ins Familienunternehmen. Also nichts mit Karriere im Vatikan mit lustvollen Gelagen. Das war für den 19jährigen Jakob auch nicht so schlimm, weil er hatte eine Menge bei den venezianischen Kaufleuten gelernt und brachte uns da was schönes mit – Nein, keine Praktikantin a la Monia!

Das, was den Fugger im internationalen Handel, als Bankier (nein er war kein Jude!) und in der Montanindustrie so erfolgreich gemacht hat, war das Wissen über Soll und Haben – Kenne ich, steht immer auf meinem Bankauszügen – Jaein, nicht ganz Dumpfbacke. Es geht um die Doppelte Buchführung – Ja kenne ich, macht mein Steuerberater für mich. Dafür habe ich extra ein Schweinegeld für JTL2Datev ausgegeben – Aua.

Genau, und deshalb wirst Du es nie soweit bringen wie der Fugger! Und kannst Du lesen, was Dir da dein Steuerberater alle 4 Wochen in Form einer betriebswirtschaftlichen Auswertung vor die Füße wirft? Nein? Solltest Du aber! Hier war Dir der alte Fugger auch ohne Computer schon vor 538 Jahren drei Nasenlängen voraus und würde Dich nur mit den Abakus bewaffnet ganz schön alt aussehen lassen.

Warum ich das so anspreche? Weil es unterm Strich das beherrschende Thema in meiner Lieblings-Facebook-Gruppe war. Und so mancher Dummy hat sich mal wieder zu Wort gemeldet und völlig ungefragt seinen Senf zum Post von Sheldon abgegeben. Grob zusammengefasst ging es in dem Post um das Thema Vermarktungsstrategie. Für Dummys: Verkaufe ich jetzt besser meine Produkte über Amazon oder eBay oder vielleicht nicht doch besser über den eigenen Shop?

Und es kommt wie es kommen muss und ein Kai-Uwe gibt dann folgendes zu Protokoll:

Und was soll uns der Post sagen ? Geht es hier um einen SP der Probleme hat sein Wissen an den Kunden zu bringen ? Ich bin eher der Kunde der andere gerne dafür bezahlt Aufgaben zu erledigen, allerdings erwarte ich auch Leistung und Fachwissen. Nach jetzt knapp 3 Jahren JTL haben wir einen guten 5 Stelligen Betrag in SP’s verbrannt und es hat nichts gebracht. Sorry ich sehe das System JTL / Servicepartner sehr kritisch.

Na klar das ich so etwas nicht unkommentiert lasse. Nicht das ich die JTL Servicepartner für Koryphäen ihre Fachs halte. Da sind auch definitiv einige Vollpfosten unterwegs, die wohl mehr durch zertifiziertes Halbwissen glänzen (haben einfach mal 500 Euro auf das richtige Konto überwiesen!). Hier ungefiltert meine Antwort:

Es mag jetzt etwas ketzerisch klingen, was soll ein JTL Service Partner bringen? Es ist ja nicht seine Aufgabe für den Händler die Produkte zu vermarkten. Ein Service Partner ist nie dafür verantwortlich, ob der Kunde jetzt erfolgreich ist oder nicht. Er ist dafür verantwortlich, das der Kundenwunsch möglichst optimal umgesetzt wird. Ob das dann was bringt, muss der Kunde selbst wissen. Beispiel: „Wenn ich glaube mit einem 5 stelligen Betrag investiert in die Entwicklung eines Template auch nur einen Euro mehr Umsatz zu machen, dann sollte ich vielleicht in Zukunft Tomaten züchten, weil ich keine Ahnung von meinem Geschäft habe.“ Ich kann nur jedem Online-Händler raten, sich hinzusetzen und seine Geschäftsprozesse zu Papier zu bringen. Und darum hat der Post von Sheldon seine Berechtigung.

An dieser Stelle sollte man eigentlich seinen Schwanz einziehen und sich vielleicht eingestehen, das man nicht schlauer als Vollpfosten Servicepartner ist. Aber Kai Uwe wollte dann doch öffentlich unter Beweis stellen, wie sehr er von einem Dummy hinters Licht geführt wurde:

OK Tomaten züchten hört sich auch gut an. Es geht und ging mir bei den SP nie darum, dass er mein Geschäft betreiben soll, wäre auch völliger Blödsinn weil ein EDV’ler relativ wenig von dem Marketing-Mix versteht den wir brauchen. Und das Template war nicht gemeint. Wir haben gefühlt immer investiert in die Weiterbildung der SP. Ich brauche den SP nur bei Problemen und für alles andere bezahle ich andere Fachleute. Meine Vorgaben waren immer relativ einfach: Habe das XY Problem, bitte lösen und ich bezahle. Wir hatten mal einen SP der war nicht in der Lage Paypal einzurichten, hatte dafür ca. 1 Woche gebraucht und dann abgebrochen. Selbiger hatte bei einem anderen Kunden für das Verkleinern seiner Bilder im Shop über 2.500,- berechnet (ich würde sagen ist im Backend 5 Minuten Arbeit). Ich will nur damit sagen, dass nicht alle Shopbetreiber zu sparsam sind, aber viele haben eben auch solche Erfahrungen gemacht wie wir.

Wenn der alte Jakob das lesen könnte würde er sich wohl im Grabe umdrehen. Aber es ist ihm ja Gottlob erspart geblieben. Im übrigen geht das Verkleinern der Bilder hervorragend über die Wawi. Wenn ich aber zu faul bin, mich vorher zu bilden, dann kostet es halt auch mal 2.500 Euronen. Dummheit muss halt auch mal bestraft werden. Er kann ja noch von Glück reden, das man ihm nicht das dreifache aus dem Geldbeutel gezogen hat. Der alte Jakob hätte da definitiv keine Hemmungen gehabt, wie Erzherzog Sigmund, der Münzreiche, am eigenen Laib feststellen musste. So Münzreich war er dann auch nicht, und die einzige Option war dann die Abdankung (Insolvenz unter Adligen). Schlecht gelaufen, würde ich sagen. Auch so, die Silberminen in Tirol waren danach im festen Besitz der Fugger.

Manchmal sollte man halt nicht auf seinen Bauch hören, sondern sein Geschäft auf knallharten Fakten aufbauen. Hat ein Tscheche, Milan Kundera, so wunderbar vortrefflich in seinem Buch die unerträgliche Leichtigkeit des Seins formuliert:

„Jeder Schüler kann in der Physikstunde durch Versuche nachprüfen, ob eine wissenschaftliche Hypothese stimmt. Der Mensch aber lebt nur ein Leben, er hat keine Möglichkeit, die Richtigkeit der Hypothese in einem Versuch zu beweisen. Deshalb wird er nie erfahren, ob es richtig oder falsch war, seinem Gefühl gehorcht zu haben.
Milan Kundera, Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins

Kundera hat eh einen Faible für Nietzsche – doch bevor wir jetzt ganz in geistiger Umnachtung enden – worauf wollte ich noch mal hinaus? Ach ja – Knallharte Fakten oder Zahlen.

Viehhändler gab es zu allen Zeiten und keiner von denen hat je wirklich etwas gerissen. Und auch unter denen gab es schon vor mehr als 500 Jahren welche, die sich darüber beschwert haben, dass ihnen eine alte Kuh oder Gaul von einem gewieften Bauern für teures Geld untergejubelt wurde. Wenn ich von meinem Business keine Ahnung habe, ist es manchmal vernünftiger Tomaten zu züchten – nicht wa Monia. Was macht eigentlich die Praktikantin schon wieder? Also einen erfolgreichen Start in die Woche.

Bevor ich es vergesse, auf dem Rad war ich die Woche auch….

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