Wochenrückblick KW 4/17 – Arbeiten am Computer

Das Arbeiten am Computer ist so selbstverständlich geworden, wie der tägliche Gang aufs stille Örtchen. Maus, Tastatur und Monitor sind neben dem Kasten unterm Schreibtisch die Dinge, mit denen ich die meiste Zeit am Tag verbringe. Und das gesichert nicht nur, um mir den Bullshit aus Facebook rein zu ziehen. Aber wie arbeitet ein Blinder Mensch am Computer, der doch alleine schon durch seine Bauart doch eher etwas für einen Menschen mit Augenlicht gedacht ist? Eine der spannenden Fragen, auf die es in dieser Woche auch eine Antwort gab.

Das es so kommen musste hatte ich schon vor rund 10 Jahren erkannt. Ich habe mir schon mit der Viger GmbH gedanken darüber gemacht, wie man Microsofts Active Directory als Dienst über ein Rechenzentrum anbieten könnte. Nur war damals die Zeit dafür noch nicht reif. Das dies für kleiner und mittlere Unternehmen wohl bald die Normalität sein wird, habe ich mit einigen Schrecken diese Woche durch die Arbeit am SMB Test Lab bemerkt. Hier geht Microsoft den Weg Unternehmen dieser Größe konsequent in die Cloud zu drücken.

Ich möchte jetzt keine Bewertung dessen abgeben, ob dies gut oder schlecht ist. Nur bei der gerade herrschenden politischen Großwetterlage und einem ziemlich unberechenbaren 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika, kann ich mir durchaus vorstellen, dass dem einen oder anderem europäischen Unternehmer nicht gerade wohl ist, wenn seine Daten bei einem amerikanischen Großkonzern liegen. Politisch gesehen kommt hier das Thema public Cloud in ziemlich stürmisches Fahrwasser und als IT-Berater fällt es mir sehr schwer, hier eine belastbare Empfehlung abzugeben.

Damit ist mein SMB Test Lab Projekt aber nicht gestorben. Ganz im Gegenteil kann ich hier sehr gut Alternativen zu den Cloud-Lösungen von Microsoft, Google, Amazon und Co. aufzeigen. Wie schon in Russland geschehen, wird sich auch in Europa die Administration mehr und mehr in Richtung Open Source Lösungen bewegen. Alleine schon um eine gewisse Unabhängigkeit gegenüber wenigen Monopolisten zu gewährleisten. Diese Sichtweise wurde mir heute in einem Gespräch mit Ashant Chalasani, Geschäftsführer der euroblaze | Wapsol GmbH indirekt bestätigt. Damit dürfte die geschäftliche Ausrichtung auf den Grundsatz Open Source first auch der entscheidende Trend für 2017 werden.

Das Hauptziel meiner Arbeit ist es ja, das Arbeiten am Computer für Menschen überhaupt erst möglich zu machen. Meine Sichtweise unterscheidet sich hierbei aber grundlegend von der des Anwenders. Während der normale Anwender eher in Schubladen wie Hardware, Betriebssystem oder Anwendungen denkt, sind es für mich die Dienste, die dem Anwender für seine Arbeit zur Verfügung gestellt werden. Das beste Beispiel ist hier immer noch das Schreiben einer einfachen E-Mail. Während der Anwender dabei sofort an Outlook, Thunderbird oder ein anderes Mail-Programm denkt, sind es für mich der SMTP, POP3, IMAP oder Exchange Dienst, die dies überhaupt erst ermöglichen.

Bloggen ist jetzt keine Tätigkeit, die man durch die Analyse von Prozessen weitestgehend automatisieren könnte. Faktisch wäre es aus meiner Sicht fatal, wenn jetzt Textroboter Blogbeiträge verfassen würden. Aber schon jetzt fallen uns maschinell erstellte Texte beim lesen der täglichen Nachrichten – egal ob offline oder online – nicht auf. Und in einigen Bereichen, gerade in der E-Commerce-Branche, werden maschinell verfasste Artikelbeschreibung oder auch Kundenbewertungen ganz normal sein. Weder Lydia, meine Blinde Bloggerin, noch ich können einen Text so schnell tippen, wie ihn ein Computer mit seinen Schaltkreisen erstellt hat. Da helfen auch keine 240 Anschläge pro Minute die ich blind auf der Tastatur beherrsche. Damit gehe ich mal die Wette ein, das ein Blinder auf einer Braille-Tastatur auch nicht schneller ist als ich auf meiner IBM-Tastatur.

Als ich vor etwas mehr als 4 Wochen Lydia das erste Mal gesehen habe, staunte ich nicht schlecht, wie sie mit ihrem Smartphone umgegangen ist. Blind und Smartphone waren für mich kompatibel wie Microsoft und Linux. Diese Sichtweise muss ich aber wohl in beide Richtungen massiv relativieren. Microsoft hat sich massiv in Richtung Open Source Lösungen geöffnet und Lydia hat mir gezeigt, dass auch ein Blinder durchaus in der Lage ist, ein iPhone zu bedienen. Und mit dem nächsten Windows 10 Release wird die Barrierefreiheit von Windows 10 ein großes Stück vorangebracht.

Zum Abschluss komme ich nochmal auf das Thema Arbeiten am Computer zurück. Das bedeutet für in erster Linie mit Informationen zu beschaffen, diese auszuwerten und anschließend in irgendeiner Form weiter zu verarbeiten. Die Informationsbeschaffung erfolgt dabei auf mehreren Wegen. Zum einen durch Suche auf meinen lokalen Datenträgern, was oftmals sehr aufwendig ist, oder durch Recherche im Internet mittels einer Suchmaschine oder durch E-Mails, die ich von anderen erhalte. Soziale Netzwerke spielen bei der Informationsbeschaffung noch eine sehr untergeordnete Rolle, da oftmals die Qualität der dort bereitgestellten Informationen extrem schlecht ist. Diese Informationen werte ich in der Regel aus, ob sie für mich gerade relevant sind und verarbeite Sie entweder indirekt für meinen Blog, in dem ich damit ein Projekt füttere, oder auch direkt hier in meinem Blog. Die wichtigsten Werkzeuge sind also für mich ein Browser, ein Mail-Programm, Textverarbeitung und Tabellenkalkulation und zum Schluss ein Content Management System wie WordPress.

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