Wohin geht die Reise im deutschen eCommerce Markt?

Im letzten Jahr hat mich Ali gefragt, was sind meine Trends für 2016. Ich habe ihm gesagt, das für mich die lokalen Marktplätze und damit die Verschmelzung von Online und Offline Handel bei mir ganz oben auf der Agenda stehen. Damit das aber gelingen kann und auch zu einem wirklichen Trend und Erfolg wird, sind einige Dinge erforderlich, die nicht jeder so auf dem Schirm hat. Dabei geht es aus meiner Sicht nicht nur um die Herausforderungen, die durch Phänomene wie Click and Collect oder Same Day Delivery entstehen. Hier entstehen Anforderungen, die so manchen Mittelständler und seine Mitarbeiter an Ihre Grenzen bringen wird.

DSCN0422 (1024x667)

Schaue ich mir die IT-Branche an, so sind im Enterprise Segment rund 90% aller IT-Prozesse automatisiert. Arbeitsplatzrechner werden zentral von Servern mit Betriebssystemen, Software, Update oder Patches versorgt. Management Systeme übernehmen die Überwachung der Netzwerke und schlagen Alarm, wenn vorher definierte Parameter überschritten oder unterschritten werden. So können Sicherheitslücken oder Hardware Defekte noch bevor es der Anwender merkt erkannt werden und die notwendigen Maßnahmen ergriffen werden. Grundvoraussetzung dafür ist, dass alle Prozesse in der IT bekannt und Zuständigkeiten definiert wurden. Die Prozesse können dann weitestgehend automatisiert abgebildet werden. Das spart vor allem Personal. Während noch um die Jahrtausendwende große IT-Abteilungen sich um die Technik kümmerten, benötigen diese Firmen nur noch eine Handvoll IT-Mitarbeiter um Netzwerke mit mehreren tausend Clients zu verwalten.

Im Vergleich dazu, wird im deutschen eCommerce Markt noch gearbeitet, wie in der IT-Steinzeit. Turnschuh-Administration wie zu guten alten MS-Dos Zeiten. Der Fokus liegt auf Design und schön Aussehen. Die Prozesse im Unternehmen sind weitestgehend unbekannt oder gar nicht erst definiert. Die Lösungen für die daraus resultierenden Probleme sucht man in der Technik und wenn die eingesetzten Programme nicht den undefinierten Anforderungen entsprechen, greift man zum nächsten Produkt um anschließend das Spiel wieder von vorne zu beginnen. Gekrönt wird die Sache noch damit, das jeder versucht sich mit seinem Halbwissen zu profilieren. Ordentliche Projekte kommen hier in den seltensten Fällen zu Stande.

Ich bin im Herbst für meine Kritik ziemlich gescholten worden. Wer etwas Ahnung hat, wird mit mir sehr schnell darauf kommen, das diese Kritiker zur Sorte profilierungssüchtige Stadtneurotiker gehören. Und was jetzt kommt, sind ziemlich alte Zöpfe, die mit etwas Geschick im Umgang mit Google und durchschnittlichen Englischkenntnissen für Jedermann zugänglich sind.

Die eigentliche Herausforderung und der Trend, der die eCommerce-Branche noch für Jahre in Atem halten wird, sind service-orientierte Architekturen, die sich schnell und flexibel auf die ständig wandelnden Anforderungen und Prozesse eines Unternehmens anpassen lassen – PUNKT.

Kurz an dieser Stelle sacken lassen.

Was zum Teufel ist eine SERVICE-ORIENTIERTE ARCHITEKTUR – kurz SOA?

Wikipedia (bitte wieder kommen!): Serviceorientierte Architektur (SOA, englisch service oriented architecture), auch dienst-orientierte Architektur, ist ein Architekturmuster der Informatik aus dem Bereich der verteilten Systeme, um Dienste von IT-Systemen zu strukturieren und zu nutzen.

Die besondere Clou daran ist die Orientierung an real existierenden Geschäftsprozessen, deren Abstraktionsebenen die Grundlage für die Implementierung der Dienste darstellt. Der Dienst verkaufe ein Produkt ist im eCommerce Handel auf einer hohen Ebene angesiedelt. Dahinter verbergen sich Geschäftsprozesse mit den beteiligten Personen und IT-Systemen („Eröffnen der Geschäftsbeziehung“, „Anlegen eines Kundenkontos“, „Abschluss eines Kaufvertrages“, „Bezahlung der Ware“, usw.). Der Dienst „Trage den Kunden in das Kundenverzeichnis ein“ ist ein Dienst auf einer niedrigeren Ebene. Durch das Zusammensetzen der Dienste (Orchestrierung) niedriger Abstraktionsebenen können so recht flexibel Dienste einer höheren Ebene geschaffen werden, die dazu noch eine größtmögliche Wiederverwendbarkeit der einzelnen Dienste bieten.

Nochmal sacken lassen.

Um das Umsetzen zu können, sollte ich meine Geschäftsprozesse kennen und aufgeschrieben haben. Ist das erledigt, muss ich den IST-Zustand meiner IT-Infrastruktur dokumentieren um daraus und den nun festgelegten Geschäftsprozessen einen SOLL-Zustand zu definieren. Spätestens jetzt wird mir als Unternehmer im eCommerce-Handel klar, dass dies mit geschlossenen Systemen und den damit abgebildeten Prozessen kaum möglich ist.

Ich rede hier mit Absicht nicht mehr über irgendwelche Trends, die in den Köpfen von Marketing Dummies der IT-Branche entsprungen sind, um deren schwächelnde Umsätze anzukurbeln. Bunte Zettel an den Wänden, die der Fehlerquelle Nummer Eins sagen, wie sie was zu machen hat, sind aber auch keine IT konformen Prozesse. Und es ist immer noch so, dass wir viel lieber zum Telefon greifen, Anfragen per WhatsApp in der Äther jagen oder alle mit Mails zu dröhnen, um dann noch die Frechheit zu besitzen zu erwarten, dass diese sofort und umgehend gelesen werden. Diese Prozesse sind definitiv zum Scheitern verurteilt und kosten nur unnötig Zeit, Kraft und Nerven.

So und jetzt mache ich mich wieder an den Aufbau meiner SOA…. Ach so, wohin geht die Reise im deutschen eCommerce Markt. Na wenn ich die Analysten richtig verstanden habe, so stehen Agilität und Performance gerade ziemlich hoch im Kurs. 50% der Unternehmen wollen wöchentlich neue Software-Releases in ihre eCommerce Systeme einspielen. Mehr als 30% wollen ihre IT-Systeme im Eigenbetrieb betreiben. Von Ihren Service-Providern erwarten sie Prozess- & Branchen-Knowhow (Wundert mich gar nicht!), günstige Preise (wie soll das zusammen gehen) und einen 24/7 Support (jetzt wird’s unverschämt!). Das ganze soll dann noch sicher, automatisiert und kostengünstig sein (bodenlose Frechheit). Bei den IT-Technologien sind ganz vorne OpenSource-Technologien, No-SQL Datenbanken (MongoDB) und OpenStack (Softwareprojekt, welches eine freie Architektur für Cloud-Computing zur Verfügung stellt – Quelle: Wikipedia und Crisp Research AG, 2015).

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.