Vier Fotos von einem Planetenweg. Mehr braucht es nicht, um die Latte für diesen Blogbeitrag endgültig ins Bodenlose abzusenken. Kein Anspruch, keine Erkenntnis, kein Mehrwert – nur die konsequente Dokumentation einer Idee, die sich selbst nicht ernst nimmt.
Natürlich hätte man diese kurze Wanderung sauber dokumentieren können: Startpunkt, Höhenmeter, Streckenlänge, durchschnittliche Gehzeit – all der Kram, den andere pedantisch herunterbeten, nur damit bloß niemand auf die Idee kommt, einfach selbst loszuziehen. Aber mal ehrlich: Wen interessiert das wirklich? Wer eine Wegbeschreibung braucht, klickt sich in die nächste Outdoor-App im World Wide Waiting.

Der Plan war überschaubar: den heimischen Planetenweg laufen und das fotografieren, was es nur hier in der Gegend gibt. ChatGPT faselte etwas von einer hervorragenden Kombination aus Bewegung, Kopf-freibekommen und fotografischer Selbstdisziplin und warf routiniert Vorschläge wie „Weinberge außerhalb der Hochglanzsaison“ in den Raum. Dumm nur, dass es zwischen Bettendorf und Holzhausen keine Weinberge gibt. Ein kurzer Hinweis an die KI, die unbeirrt weitermachte, bis nach mehreren Anläufen doch noch eine brauchbare Idee übrig blieb.
Die Vorgabe war schnell formuliert und ebenso schnell zum Dogma erklärt: vier Bilder, in einer schlüssigen Reihenfolge. Erst das Ankommen – Weg und Himmel, viel Fläche, damit klar ist, wo man überhaupt gelandet ist. Dann die Idee: eine Planetentafel irgendwo zwischen Feld und Wald, Kosmos trifft Realität, große Gedanken auf überschaubarem Raum. Danach der Zwischenraum, also das eigentliche „Hier“: nichts Spektakuläres, Weite, Struktur, genug Leere, um nicht nervös zu werden. Und zum Schluss ein ruhiger Schlusspunkt, vielleicht fast leer, ohne Knall, eher ein Ausatmen.
- Ankommen: Weg + Himmel. Viel Fläche. Orientierung.
- Idee: Planetentafel im Kontext von Feld/Wald. Kosmos trifft Realität.
- Zwischenraum: Das eigentliche „Hier“: Nichts, Weite, Struktur.
- Schlusspunkt: Ein ruhiges, vielleicht fast leeres Bild. Kein Knall, eher ein Ausatmen.
Ich stiefel also nach dem Essen mit meiner selbstauferlegten Herausforderung los, stelle mich auf den Weg und schaue ins Nichts. Kein Motiv springt mich an, kein Bild will gemacht werden. Vor mir liegt exakt das, was ich erwartet habe: Weg, Himmel, Gegend. Wer hier Spannung sucht, ist ohnehin falsch abgebogen. Genau das ist der Punkt. Man steht da, mit Kamera in der Hand, und wartet vergeblich darauf, dass etwas passiert – während das Nichts längst das Thema ist.

Und genau hier kippt es endgültig in fotografischen Größenwahn. Ich nehme die Kamera hoch, schaue durch den Sucher und erkenne sofort, dass dieses Nichts natürlich ein Motiv ist – man muss nur fähig genug sein, es zu sehen. Der Weg liegt da, der Himmel spannt sich darüber, alles ist exakt so unspektakulär, dass es wieder funktioniert. Also drücke ich ab. Nicht, weil sich etwas Besonderes gezeigt hätte, sondern weil ich entschieden habe, dass dieses Bild gemacht wird. Wer darin nichts erkennt, ist Teil des Konzepts.

Am Ende sitze ich wieder zu Hause. Kalte Finger, kalte Füße, beste Voraussetzungen für eine ehrliche Bildsichtung. Vier Fotos liegen vor mir, die genau das halten, was sie draußen schon versprochen haben: nichts, aber konsequent. Und während ich versuche, daraus einen passablen Blogbeitrag zu formen, wird klar, dass das hier kein Ergebnis ist, sondern lediglich die ordentliche Dokumentation einer Idee, die man genauso gut hätte lassen können. Aber jetzt ist sie da. Und damit muss sie leben.

Schreibe einen Kommentar