Manchmal braucht es für ein gutes Landschaftsbild erstaunlich wenig. Kein Kajak im Vordergrund, keinen Fahrradlenker als Beweis dafür, dass man „wirklich dort war“, und auch keinen verzweifelt drapierten Ast für mehr „Tiefe“. Stattdessen: Abendlicht, Wasser, Schilf und absolute Ruhe an der alten Schleuse am Nordumfluter der Spree bei Alt Zauche. Außer zwei älteren einheimischen Herren, die offenbar spontan die örtliche Kontrollinstanz für fremde Fotografen übernommen hatten, war dort niemand unterwegs. Fotografiert wurde mit der Canon EOS 250D und dem oft unterschätzten 18–55-mm-Kitobjektiv bei 18 mm Brennweite. Mehr Weitwinkel hätte dem Bild eher geschadet und zusätzlich belanglose Randbereiche eingesammelt, die ungefähr so spannend gewesen wären wie die Bedienungsanleitung eines Toasters.
Entscheidend war am Ende weniger die Technik als die Position. Das Stativ wurde bewusst auf etwa 1,5 Meter Höhe gebracht, damit das vordere Schilf nicht die halbe Szene überwuchert und stattdessen mehr Himmel und Spiegelung ins Bild kommen. Zusammen mit Polfilter und Verlaufsfilter blieb die Stimmung angenehm natürlich: kein radioaktiv leuchtender HDR-Himmel, keine digitale Kernschmelze in Orange, sondern einfach ein ruhiger Spreewaldabend mit Wasser, Licht und dunklen Waldflächen. Und genau deshalb funktioniert das Bild wahrscheinlich auch ohne jeden Vordergrund-Zirkus. Die Landschaft trägt sich komplett selbst – was nebenbei bedeutet, dass das Motiv vermutlich hervorragend als Puzzle geeignet wäre. Zum Glück muss ich es aber nicht selbst puzzeln.

