Während draußen die politische Welt langsam blau anläuft, soziale Netzwerke endgültig zu digitalen Bedürfnisanstalten mutieren und künstliche Intelligenz fleißig daran arbeitet, uns das Denken abzunehmen, habe ich beschlossen, etwas ganz Verrücktes zu tun: aufzuräumen. Nicht draußen, sondern hier. Auf meinem Blog. WordPress muss gehen, Hugo darf kommen und irgendwo dazwischen steht ein Glas Hugo. Wenn das kein Fortschritt ist, weiß ich auch nicht.
Still ist es hier geworden. Sehr still.
Das bedeutet allerdings nicht, dass ich keinen Bock mehr habe, euch mit meinem surrealistischen Dünnpfiff zu belästigen. Ich habe mich in den vergangenen drei Monaten lediglich etwas zurückgezogen, mir gepflegt die Eier geschaukelt und dabei beobachtet, was in den politischen Marionettentheatern und sozialen Bedürfnisanstalten so alles ausgekotzt wird.
Man muss ja nicht überall mitmachen.
Zeit also, kurz innezuhalten, einen Blick auf das eigene Schaffen zu werfen und einer kritischen Betrachtung zu unterziehen. Was bei anderen Menschen vermutlich „Selbstreflexion“ heißt, wird bei mir traditionell etwas gründlicher.
Der Titel deutet es bereits an. Ich stecke mal wieder mitten in einem dieser Projekte, die harmlos anfangen und irgendwann damit enden, dass jemand sagt:
„Früher war alles besser.“
Ja.
Und weil ich auf solche Sätze traditionell mit großer Gelassenheit reagiere, wird das allseits beliebte Einfallstor dieses Blogs jetzt mit 400 Ytong-Steinen zugemauert. Link-Scammer, Kommentar-Bots und sonstige digitale Schädlinge dürfen sich künftig eine andere Lücke suchen, in der sie ihren Unrat hinterlassen.
Währenddessen wird im Hintergrund fleißig umgebaut.
WordPress fliegt raus, Hugo kommt rein. Die alten Inhalte werden exportiert, in Markdown verwandelt, neu eingebunden und überarbeitet. Ein Teil davon erledigt sich dank Skripten fast von selbst. Der Rest ist Handarbeit. Man könnte auch sagen: Ich räume meinen digitalen Keller auf und stelle dabei fest, dass sich über die Jahre erstaunlich viel Zeug angesammelt hat, das eigentlich niemand braucht.
Kommt euch das nicht irgendwie bekannt vor?
Auch in diesem Jahr musste ich mal wieder nach den Rechten sehen. Wie schon vor drei Jahren schwang ich mich im August auf meinen Drahtesel, um den erleichterten Grenzübertritt zu üben, und machte mich auf den Weg Richtung Osten.
Ob es an meiner Anwesenheit lag, dass Sachsen-Anhalt inzwischen ziemlich blau am Boden liegt, mag ich nicht beurteilen. Die Stimmung dort war jedenfalls schon mal besser.
Wofür ich allerdings meine komplette Fotoausrüstung mit mir herumgeschleppt habe, ist mir bis heute schleierhaft.
Manchmal schleppt man eben Dinge mit sich herum, nur weil man irgendwann einmal davon überzeugt war, sie unbedingt zu brauchen.
Auch das könnte euch irgendwie bekannt vorkommen.
Erkenntnisse? Ja, die gab es.
Wer zu tief ins Glas schaut und anschließend sein blaues Kreuz macht, muss sich über einen kräftigen Kater am nächsten Morgen nicht wundern. Mitgefühl wird es von mir allerdings nicht geben. Allenfalls ein paar bissige Kommentare zur Dummheit.
Ich bleibe lieber nüchtern, beobachte, analysiere und versuche, daraus meine eigenen Schlüsse zu ziehen.
Simplify your life.
Nicht alles muss komplizierter werden. Man kann Dinge auch einfach weglassen. Ballast abwerfen. Aufräumen. Sich von dem trennen, was man eigentlich schon lange nicht mehr braucht.
Das klingt banal.
Ist es auch.
Und trotzdem beschäftigt einen die Umsetzung davon oft länger als gedacht.
Die einen saufen sich mit Hugo ihr Leben schön.
Ich vereinfache es mir mit Hugo.
Denn irgendwann kommt man an den Punkt, an dem man feststellt, dass man viele Probleme gar nicht lösen muss. Man muss sie nur nicht mehr künstlich am Leben erhalten.
Irgendein schlauer Mensch hat einmal gesagt, man könne seine Probleme nicht in Alkohol ertränken. Sie hätten die unangenehme Eigenschaft, immer oben zu schwimmen.
Stimmt wahrscheinlich.
Aber es gibt Ausnahmen.
Hugo erleichtert mir tatsächlich die Arbeit auf diesem Blog.
Und damit wären wir wieder beim Anfang.
Nein, ich werde hier jetzt nicht den großen Abgesang auf WordPress anstimmen. Den erledigen völlig aus dem Ruder gelaufene KI-Modelle vermutlich irgendwann ganz von selbst.
Das wird auch nicht das Ende der Menschheit sein.
- Vielleicht verändert es unseren Alltag.
- Vielleicht verändert es unsere Arbeit.
- Vielleicht sitzen wir irgendwann alle vor einer KI und erklären ihr, was sie gefälligst für uns denken soll, während sie gleichzeitig versucht, herauszufinden, warum wir eigentlich noch gebraucht werden.
Aber das ist ein anderes Thema.
Ich erleichtere es mir derweil.
Markdown rein.
Hugo raus.
Und wenn der ganze Umbau fertig ist, gibt es darauf erst einmal einen:
Hugo!

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